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Humboldtkrankenhaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09012399
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: Teichstraße
Hausnummer: 65
Strasse: Sankt-Galler-Straße
Hausnummer: 7 & 9 & 11 & 13 & 15 & 17 & 19
Strasse: Romanshorner Weg
Hausnummer: 85 & 111 & 165
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Krankenhaus & Bunker
Datierung: 1908-1910 & 1941-1942
Entwurf: Mohr und Weidner
Bauherr: Gemeinden Reinickendorf , Tegel, Wittenau, Rosenthal

Auf einem 4,5 ha großen Areal zwischen Teichstraße, St. Galler-Straße und Romanshorner Weg liegen pavillonartig die Bauten des ehemaligen städtischen Humboldtkrankenhauses. (1) Der seit 1985 weitgehend von der Reinickendorfer Bezirksverwaltung genutzte Krankenhauskomplex gehört neben den Schulgebäuden zu den wenigen von der Landgemeinde realisierten Kommunalbauten im "Schweizer Viertel", die das projektierte städtische Gemeindezentrum um die Aroser Allee mitprägen sollten.

Nach zweijähriger Bauzeit 1910 eröffnet - nicht nur für die Krankenversorgung Reinickendorfs, sondern auch für die der Nachbargemeinden Tegel, Wittenau und Rosenthal -, stand die Anlage auf der Höhe der Entwicklung des Krankenhausbaus. Die Charlottenburger Architekten Mohr & Weidner vermieden bei ihrem Entwurf die Nachteile eines reinen Pavillon- oder eines reinen Korridorsystems. (2) Statt dessen mischten sie beide Systeme in einer axial um einen großen, begrünten Mittelhof angeordneten Bautengruppe. Zum Haupteingang an der Teichstraße legten sie das dreigeschossige Verwaltungsgebäude, beidseitig des Hofes zwei sich gegenüberstehende, zweigeschossige Dreiflügelanlagen - im Norden der chirurgische Pavillon mit Operationsanbau, im Süden ein medizinischer Pavillon mit Badeanbau (1969-74 um die Abteilung für chronisch Kranke erweitert) -, als östlichen Abschluß entlang dem Romanshorner Weg die Gruppe aus Koch- und Waschküchengebäude mit anschließendem Kessel- und Maschinenhaus sowie einem Beamtenwohnhaus. Abgesondert liegen an der St. Galler-Straße die Pathologie mit Kapelle und das Isoliergebäude für äußere Krankheiten sowie ganz im Süden das Isoliergebäude für innere Krankheiten. Bei den Modernisierungen und Erweiterungen 1963-1974 ersetzte man leider die Sprossenfenster durch flächige Verglasungen. Ebenso überstanden die schmückenden Dachreiter nicht die Instandsetzungsarbeiten der 50er Jahre.

Die großzügig von Grünflächen umgebenen Krankenhausgebäude, die ihre Orientierung weitgehend nach dem Sonnenstand fanden, verbindet neben der gliedernden Axialität eine barocke Formensprache, deren dekorative Zurückhaltung den sachlichen Zweck der Bauaufgabe nicht verleugnet. Hier hatten Mohr & Weidner sicherlich die sozialen Reformbauten des Berliner Stadtbaurats Ludwig Hoffmann in Buch (1898-1916) und das Rudolf-Virchow-Krankenhaus (1898-1906) im Wedding vor Augen. So reihen sich die Putzbauten mit ihren Mansarddächern, gliedernden Mittelrisaliten mit Pilastern, Frontispizen und Eingangsportalen in die Kette der Krankenhauskomplexe Hoffmanns ein.

Die sehr architektonisch geprägten Außenanlagen entsprachen dem Stil der Zeit. Sie unterstützten den Wunsch nach einem kompakten Krankenhausgebilde und übernahmen die Aufgabe der Verkehrsfläche, sollten aber gleichzeitig für die Lufthygiene sorgen.

Durch den Einbau einer Baracke im zentralen Hof und diverse andere Veränderungen ist heute die Ablesbarkeit des ursprünglichen Konzeptes erschwert.


1) Deutsche Bauzeitung (44) 1910, Nr. 97, S. 789 ff., Nr. 99, S. 817 f.; H. A. Waldner, Ein Krankenhaus-Neubau. In: Deutsche Bauhütte (15) 1911, Nr. 3, S. 29 ff., 37 f., Nr. 5, S. 44 f.; Berliner Architekturwelt (14) 1912, S. 57 ff.; Der Baumeister (I1) 1913, H. 11 (Beilage), S. 249 f., 252, T. 112.

2) Nachteile beim Pavillonsystem waren der große Grundstücksflächenbedarf und die zu großen Säle, beim Korridorsystem die lichtlosen, schwer lüftbaren Korridore und Ecken.

Literatur:
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 171f.
  • Deutsche Bauzeitung 44 (1910) 97 / Seite 789-795
  • Deutsche Bauzeitung 44 (1910) 99 / Seite 817-818
  • Waldner, H. A./ Ein Krankenhaus-Neubau in
    Deutsche Bauhütte 15 (1911) 3-5 / Seite 29-31 (3), 29-31 (4), 44-45 (5)
  • Berliner Architekturwelt 15 (1913) 14 / Seite 57-61
  • Baumeister 11 (1913) 11 / Seite 249-250, 252
  • Schmal, Helga;Selke, Tobias/ Bunker. Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Hrsg. v. Kulturbehörde Denkmalschutzamt (Themen-Reihe Bd. 7). Hamburg 2001 & Berliner Unterwelten e.V., Informationsblatt 8, Operationsbunker Teichstraße