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S-Bahnhof Wilhelmsruh

Obj.-Dok.-Nr.: 09012102
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: Kopenhagener Straße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bahnhof (S) & Brücke
Datierung: 1908-1910
Entwurf: Schwartz, Ernst (Architekt)
Bauherr: Königliche Eisenbahndirektion

In der Nähe des Nordeingangs zum ehemaligen Werksgelände der Argus-Motoren-Werke liegt an der Kopenhagener Straße der S-Bahnhof Wilhelmsruh, der als Vorortbahnhof für den Pendelverkehr der Fabrikarbeiter nach Berlin Bedeutung erlangte. (1) Dagegen verlor der Bahnhof mit der Villen- und Landhauskolonie Wilhelmsruh (heute Bezirk Pankow) durch den Bau der Mauer, die entlang der S-Bahnlinie nach Frohnau verläuft, seinen nördlichen Einzugsbereich. Die seit den 90er Jahren auf Rosenthaler Gebiet bestehende Kolonie gab 1937 dem Bahnhof seinen Namen (bis dahin Reinickendorf-Rosenthal). (2) Aus dem 1877 eröffneten, ebenerdigen Bedarfshaltepunkt an der Nordbahn entstand 1908-1910 durch den viergleisigen Ausbau (Einrichtung besonderer Vorortgleise) und die Höherlegung des Gleiskörpers der heutige Bahnhof in Dammlage; verbunden damit war die anschließende Unterführung der Kopenhagener Straße. Auf der Nordseite des Bahnhofs befand sich bis 1962 der 1901 eröffnete private Personen- und Güterbahnhof der "Reinickendorf-Liebenwalde-Groß-Schönebecker Eisenbahn", der sogenannten "Heidekrautbahn". Brücke und S-Bahnhof, entworfen von dem Bahnbeamten Ernst Schwartz, bilden in Gestaltung und bahntechnischem Zusammenhang eine Einheit. Wie bei den anderen S-Bahnhöfen - Reinickendorf, Eichbornstraße und Schönholz - wird der Mittelbahnsteig kostensparend von einer Schalterhalle im Viadukt aus erschlossen. Er zeigt die für die Jahrhundertwende charakteristischen, typisierten Aufbauten: eine Mittelreihe aus genieteten Vollwandstützen, die Y-förmig das hölzerne Bahnsteigdach tragen, Bauten in Eisenfachwerk mit Ziegelausfachung (sogenannte Normalien) sowie ein gläsernes Eisenschutzhaus über dem Treppenzugang. Zwei Zugänge, von der Reinickendorfer und Rosenthaler Seite, führen in die Halle, deren Eingangsseiten wie auch die Wandflächen der Brückenwiderlager einheitlich mit roten Ziegeln verblendet und historisierend mit zinnenbekrönten Pilastern, hellen Putzblenden sowie Stichbogenportalen mit Attiken und Rundbogenfriesen dekoriert sind.


1) Berlin und seine Bauten, T. X, Bd. B (2) (vgl. Anm. 52), S. 170.

2) Bis 1938 gehörte der Ortsteil Wilhelmsruh zum Bezirk Reinickendorf.

Literatur:
  • BusB X B 2 1984 / Seite 170
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 127
  • Bley, Peter, 100 Jahre Berliner Nordbahn in
    Berliner Verkehrsblätter 24 (1977) 6-8