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Haus des Lehrers mit Mosaikfries "Unser Leben" & Kongreßhalle

Obj.-Dok.-Nr.: 09011381
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Alexanderstraße
Hausnummer: 9 & 11
Strasse: Karl-Marx-Allee
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Vereinshaus & Kongreßhalle
Datierung: 1961-1964
Entwurf: Henselmann, Hermann (Architekt)
Entwurf: Geyer, Bernhard & Haustein, Günther & Kless, Otto & Schmidt, Ullrich & Wagner, Siegfried & Weißhaupt, Klaus (Maler)
Entwurf: Streitparth, Jörg
Entwurf: Wendisch, Karl-Heinz
Entwurf: Womacka, Walter
Ausführung: VEB Stuck und Naturstein Berlin (Stadtverwaltung)
Bauherr: Rat des Stadtbezirks Mitte

Den Auftakt der Karl-Marx-Allee, vom Alexanderplatz aus gesehen, bildet das Haus des Lehrers mit Kongresshalle Alexanderplatz 3-4. (1) Die Gebäudegruppe aus Hochhaus und überkuppeltem Flachbau entstand 1961-1964. Anknüpfend an die Tradition des Lehrervereinshauses, das vor dem Krieg an dieser Stelle stand, beherbergte sie das Kultur-, Bildungs- und Informationszentrum für Lehrer und Eltern mit pädagogischer Zentralbibliothek, Café und Restaurant. Die Kongresshalle enthält einen Saal für 1000 Personen, einige kleinere Säle und Versammlungsräume sowie einen Imbissraum.

Der damalige Chefarchitekt von Berlin, Hermann Henselmann, wollte mit seiner Architektur "Gebäudepersönlichkeiten", "unverwechselbare Städte- und Heimatbilder mit Hilfe modernster industrieller Methoden" entstehen lassen. (2) Henselmann plante Identifikationsobjekte für die neue Hauptstadt der DDR. Die Architektur wurde autonom, orientierte sich an internationalen Standards und sollte durch industrielle Fertigung schnell und billig produziert werden können. Die ornamentale Überfrachtung, wie sie noch zur stalinistischen Architektur des ersten Bauabschnittes der Karl-Marx-Allee gehörte, wurde zu Gunsten der Leichtigkeit und Transparenz der internationalen Moderne aufgegeben.

Der dreizehngeschossige Stahlbetonskelettbau steht im Erdgeschoss auf freigestellten Rundstützen. Die Vorhangfassade ist, abgesehen von einer leichten Betonung des Rahmens, einer strengen und einheitlichen Grundstruktur aus Spiegelglas und Aluminiumbrüstungen unterworfen, die effektvoll die Wirkung des auf der Höhe des Buchmagazins liegenden Mosaikfrieses steigert. Der Bildhauer und Maler Walter Womacka zeigt auf dem 125 Meter langen Bildfries mit dem Titel "Unser Leben" Lebens- und Wissensbereiche, die eine sozialistische Erziehung den Lernenden nahe bringen sollte. Dargestellt sind unter anderem ein junges Paar, eine Unterrichtssituation, eine Friedenstaube, Brigadebesprechungen, Szenen mit Werktätigen, Ernte, ein Künstler bei der Arbeit, ein Parabolspiegel, eine Rakete und ein Atommodell. Das Bild ist ein optimistisches Selbstportrait eines sich modern gebenden sozialistischen Staates. (3)

Dem Hochhaus ist der Flachbau der Kongresshalle zugeordnet, dessen Hauptsaal von einer, mit einer Aluminiumhaut überzogenen Betonschalenkuppel überdeckt wird. Dem verglasten, sich als offenes und öffentliches Haus artikulierenden Kubus ist ein überkuppelter, geschlossener Zylinder eingestellt. Weitere Gegensätze bilden die Farbgebung aus reinem Weiß und kräftigen Tönen sowie die beiden ins Obergeschoss führenden, eigenwillig gewendelten Treppen mit leichten, geschwungenen Eisengeländern, die den nüchternen, von rechten Winkeln geprägten Kubus kontrastieren.

Die ungewöhnliche Kombination eines Hochhauses mit einem umlaufenden übergroßen und weithin sichtbaren Bild machte das "Haus des Lehrers" zu einem weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannten Wahrzeichen der DDR-Hauptstadt.


(1) Vgl. Henselmann 1964.

(2) Henselmann 1964, S. 715.

(3) 7 x 12,5 m, Mosaik, Aluminium, Email; 1964 fertiggestellt; vgl. auch Kuhirt 1964.

Literatur:
  • Henselmann, Hermann/ Haus des Lehrers in Berlin in
    Architektur der DDR 13 (1964) 12 / Seite 714-739
  • Geyer, Bernhard/ Die Außenwandgestaltung am Haus des Lehrers in
    Deutsche Architektur 13 (1964) 7 / Seite 387ff.
  • Architekturführer Berlin, 1994 / Seite 57
  • Guth/ Wände der Verheissung, 1995 / Seite 200, 422 (Anm. 473)
  • Kuhirt, Ullrich/ Schmuck und Aussage zugleich. Über das Wandbild Walter Womackas am Haus des Lehrers in Berlin in
    Bildende Kunst 12 (1964) 10 Womacka, Walter/ Katalog zur Ausstellung des Magistrats von Berlin und des VBK-DDR. Einführung von Ullrich / Seite 14
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 429