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Heiliggeistkapelle

Obj.-Dok.-Nr.: 09011321
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Spandauer Straße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kapelle & Hochschule
Fertigstellung: um 1390
Umbau: um 1520 & 1906 & 1977
Bauherr: Hospital zum Heiligen Geist

Der bedeutendste Bau des Viertels ist die Heiliggeistkapelle an der Spandauer Straße, die zu den ältesten Gebäuden Berlins gehört. Die Kapelle, ein einschiffiger lang gestreckter Backsteinbau mit hohem Feldsteinsockel und Satteldach vom Ende des 14. Jahrhunderts, ist der einzige noch erhaltene Teil des 1272 erstmals erwähnten Heiliggeisthospitals. Es wurde zusammen mit der um die Mitte des 13. Jahrhunderts gegründeten Neustadt Berlins dicht am Spandauer Tor erbaut und lag als einziges der mittelalterlichen Spitäler innerhalb der Stadtmauern. Die Kapelle markiert die Ostecke der Spitalanlage, die übrigen Gebäude schlossen sich nordwestlich an. (1) Bis 1886 war das Spital als Kranken- und Armenhaus in Funktion, die Kapelle wurde in den 1905-06 errichteten Neubau der Handelshochschule einbezogen und blieb auf diese Weise erhalten.

Als Hauptfassade ist die Giebelseite an der Spandauer Straße ausgezeichnet: Über dem Sockelmauerwerk erheben sich drei hohe spitzbogige Maßwerkfenster, die durch schmale Blendbogen voneinander getrennt sind, darüber leitet ein Vierpassfries zu einem Pfeilergiebel über, der durch Doppelarkaden mit wimpergartigen Giebelbekrönungen geschmückt ist. Unregelmäßigkeiten im Mauerwerk sowohl im Giebelbereich als auch an der südlichen Längsseite, die durch schlanke Spitzbogenfenster im Wechsel mit Blenden gegliedert ist, zeugen von den vielen baulichen Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte. Der Innenraum ist mit einem spätgotischen Sterngewölbe überdeckt, die Konsolsteine am Ansatz der Gewölberippen zeigen figürliche Darstellungen aus biblischer Geschichte und Kirchengeschichte. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kapelle weitgehend um 1390, die Zerstörung eines 1313 erwähnten Vorgängerbaus durch den Stadtbrand von 1380 mag der Anlass für einen Neubau gewesen sein. Zur Datierung haben neueste dendrochronologische Untersuchungen beigetragen, restauratorische und stilistische Untersuchungen haben darüber hinaus für den Einbau des Sterngewölbes eine Datierung um 1520 plausibel gemacht und das bisher genannte Datum 1476 auf eine neue Dachdeckung bezogen. (2) Ein ursprünglich vorhandener Turm wurde 1816 abgetragen, die heute in den Fenstern der Stirnwand erhaltenen Reste farbiger Verglasung stammen von einer Renovierung 1827-34. Bei Instandsetzungsarbeiten 1977 erhielten die Kapelle ein neues Dach und die Backsteinwände einen roten Anstrich. Durch Befunduntersuchungen am Gewölbe wurden teilweise gut erhaltene dekorative Freihandmalereien aus dem 16. Jahrhundert nachgewiesen, die als Grundlage für die Restaurierung des Gewölbes dienen werden.


(1) Bei Grabungen 1995-97 konnten unter anderem die Lage der Hospitalsgebäude und des Friedhofs nachgewiesen werden. Vgl. Lange 1997.

(2) Vgl. o.V., Aktuelles - Berlin, in: Die Denkmalpflege (1996) 2, S. 151.

Literatur:
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 56
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 198 f.
  • BusB II/III 1896 &
    Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 &
    Nicolai, Residenzstädte, 1786 &
    Zentralblatt der Bauverwaltung 24 (1904)