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Marienkirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09011280,T
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Karl-Liebknecht-Straße
Hausnummer: 8
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche & Standbild & Denkmal
Baubeginn: um 1270-um 1280
Fertigstellung: um 1300
Umbau: nach 1380
Umbau: nach 1418
Umbau: 1789-1790
Umbau: 1969-1970
Entwurf: Boxthude, Steffen (Baumeister)
Entwurf: Langhans d. Ä., Carl Gotthard (Architekt)

Nördlich des Nikolaiviertels markiert die Marienkirche, Karl-Liebknecht-Straße 8, die erste mittelalterliche Stadterweiterung Berlins nach der Mitte des 13. Jahrhunderts. Der planmäßige Ausbau der vornehmlich für Handwerker gedachten Neustadt mit Pfarrkirche und Neuem Markt zeugt vom schnellen wirtschaftlichen Aufschwung der Handelsstadt. Heute steht die Marienkirche als Solitär auf der weitläufigen Freifläche am Fuße des Fernsehturms. (1)

Der Ursprungsbau der dreischiffigen Backsteinhalle über Feldsteinsockel, um 1270-80 begonnen und Anfang des 14. Jahrhunderts fertig gestellt, ist in wesentlichen Teilen bis heute vorhanden. (2) Beim großen Stadtbrand von 1380 beschädigt, wurde die Kirche kurz danach im Inneren erneuert, wovon spätgotische Spring- und Sterngewölbe zeugen, die sich von den früheren Kreuzgewölben abheben. Der einschiffige Chor mit polygonalem Abschluss war im späten 13. Jahrhundert in seiner heutigen Form fertig gestellt, nur die Fialen auf den Chorstrebepfeilern stammen aus dem 19. Jahrhundert. Das außen durch eine enge Stellung von Strebepfeilern und schlanken dreiteiligen Spitzbogenfenstern gegliederte Langhaus erhielt um 1340 an der Südseite einen Sakristeianbau mit zierlichem Pfeilergiebel. 1729 wurde daran westlich die Magistratsloge angeschlossen, die 1893-94 durch Hermann Blankenstein mit der Sakristei unter Einfügung einer Vorhalle zusammengefasst und durch dreimalige Wiederholung des Sakristeigiebels als einheitliche neogotische Fassade gestaltet wurde.

Der mächtige Westturm über dem mittleren Joch einer dreischiffigen Vorhalle in Bruchsteinmauerwerk wurde um 1418 an das Kirchenschiff angefügt, zwei schräg gestellte Strebepfeiler zwischen Turmjoch und Langhaus markieren noch die ursprüngliche Ausdehnung der Kirche. Der Ende des 15. Jahrhunderts fertig gestellte Turm erhielt nach mehrmaligen Erneuerungen 1789-90 seinen heute noch vorhandenen kupferbeschlagenen Aufsatz von Carl Gotthard Langhans. Mit der Verbindung klassizistischer und gotisierender Formen schuf der Baumeister des Brandenburger Tores das erste neogotische Bauwerk Berlins. Das Abschlussgesims über dem steinernen Unterbau stammt noch vom barocken Umbau 1663-66 durch Michael Matthias Smids. Die Turmhalle war ursprünglich mit dem Langhaus verbunden, die jetzige Trennwand stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts. Umfassende Restaurierungen 1817-18, 1893-95 und 1969-70 hinterließen vor allem im Inneren der Kirche ihre Spuren: Netz- und Sterngewölbe in der Vorhalle sowie die Kapitelle der Langhauspfeiler sind erneuert, die Orgelempore ist 1893-94 eingebaut worden. Geringfügige Kriegsschäden konnten bis 1950 beseitigt werden, das Westportal ist seit 1970 mit modernen Türflügeln von Achim Kühn versehen. Von der reichen Ausstattung der Marienkirche, die nach 1945 durch zahlreiche gerettete Kunstwerke aus kriegszerstörten Berliner Kirchen ergänzt wurde, sind hervorzuheben das spätgotische Fresko eines "Totentanzes" (3) in der Turmvorhalle, entstanden nach einer Pestepidemie um 1484-85 und heute die einzige am Ort original erhaltene Darstellung dieses Themas in Deutschland, sowie die barocke Alabasterkanzel von Andreas Schlüter, 1702-03 für die Marienkirche geschaffen und eines der wenigen vollständig erhaltenen Werke des bedeutenden Künstlers. Ein weiteres Beispiel für die im Berliner Raum nur noch selten erhaltene mittelalterliche Wandmalerei ist eine Darstellung der Schutzmantelmadonna mit Christuskind aus dem 15. Jahrhundert, die sich hinter der Orgel befindet.


1) Vgl. BusB VI (mit weiteren Literaturangaben), S. 340f.

2) Die Sockelzone der Umfassungsmauern aus Feldsteinen und ein Seitenportal an der Nordwand in flacher Wandvorlage könnten von einem Vorgängerbau stammen, die Meinungen dazu gehen jedoch in der Literatur auseinander. Vgl. Badstübner/Badstübner-Gröger 1987, S. 18f. und Seyer 1987, S. 70f.

3) Vgl. Walther 1992, S. 9-21 mit Literaturangaben.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 38ff.
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 48f.
  • BusB I/II 1877 / Seite 24, 80, 90, 117, 244, 246, 247
  • BusB II/III 1896 / Seite 147f.
  • Badstübner, Kirchen, 1987 / Seite 17ff., 22ff, 83-90, 190f.
  • Müther, Bautradition, 1956 / Seite 86
  • Bartels, Das Berlin der Jahrhundertwende, 1990 / Seite 49 (Foto von 1895)
  • Gottschalk, Wolfgang, Altberliner Kirchen in historischen Ansichten, Würzburg 1985 / Seite 166ff.
  • Kühne/ Fritz und Achim Kühn, 1989 / Seite 20, 64f.
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 191 f.
Teilobjekt Standbild Martin Luther
Teil-Nr.: 09011280,T,001
Sachbegriff: Denkmal & Standbild
Datierung: 1895
Entwurf & Ausführung: Otto, Martin Paul & Toberentz, Robert (Bildhauer)
Bauherr: Comité für die Errichtung eines Luther Denkmals in Berlin
Literatur:
  • Caspar, Helmut: Marmor, Stein und Bronze. Berliner Denkmalgeschichten, Berlin 2003 / Seite 141-144
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 125
  • Kießhauer, Inge und Rolf: Bronzenes für Berlin in
    Friedrichshagener Hefte (2000) 38-40 / Seite 172-173
  • Kügler, Hermann: Aus Alt-Berlin- Köln. Berliner Heimatbücher 5, Leipzig / Seite 149-151.