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Nikolaikirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09011267
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Nikolaikirchplatz
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche
Datierung: um 1230
Umbau: um 1290
Umbau: um 1379
Umbau: um 1450
Umbau: 1876-1878
Entwurf: Blankenstein, Hermann (Architekt)

Zentrales und prägendes Bauwerk ist die Nikolaikirche am Nikolaikirchplatz, die in ihren Ursprüngen bis in die Gründungszeit Berlins um 1200 zurückreicht. (1) Der Westbau einer ersten romanischen Feldsteinbasilika aus dem 13. Jahrhundert, dessen Baubeginn vermutlich um 1230 lag, ist bis heute erhalten. Der dreigeschossige Turmunterbau aus Granitquadern ist somit das älteste aufrecht stehende Mauerwerk der Stadt. (2)

Eine dreischiffige frühgotische Hallenkirche ersetzte bereits um 1300 das romanische Langhaus. Die heutige spätgotische Hallenkirche aus Backstein mit Umgangschor und Kapellenkranz erhielt ihre Form in der Zeit um 1380 bis um 1470, die Liebfrauenkapelle an der Südwestecke wurde 1452 geweiht, vom Ende des 15. Jahrhunderts stammt die zweigeschossige Chornordkapelle für Sakristei und Bibliothek. Auf dem Quadermauerwerk des Westbaus erhob sich bis ins späte 19. Jahrhundert ein asymmetrischer Turmaufbau mit achtseitigem Helm über dem südlichen und mit einem Satteldach über dem nördlichen Teil. Im Zuge einer umfassenden Renovierung der Nikolaikirche 1876-78 schuf Hermann Blankenstein den neogotischen Backsteinaufsatz mit zwei Turmspitzen.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Nikolaikirche bis auf die Umfassungsmauern und den Turmunterbau zerstört. Das Kircheninnere war 1945 bis auf einige Wandgrabmäler und Reste von Farbfassungen in Chorkapellen vollständig vernichtet, einzelne Ausstattungsgegenstände konnten in die Marienkirche gebracht werden. Erst 1982 wurde der umfassende Wiederaufbau mit der Rekonstruktion der Türme von 1876-78 in vereinfachter Form begonnen. In dem nur noch als Ruine erhaltenen Bauwerk mussten bis 1987 das Dach und der gesamte Innenraum - einschließlich der nördlichen Pfeilerreihe und der Kreuzrippengewölbe über Langhaus und Chor, der farbigen Fassung und der Maßwerkfenster - komplett erneuert werden. Am Außenbau wurden die alt- und neugotischen Schmuckelemente rekonstruiert, zum Beispiel der Staffelgiebel der Liebfrauenkapelle. Trotzdem ist die Nikolaikirche heute eines der bedeutendsten Baudenkmale Berlins, weil mit ihr Teile des zentralen Bauwerks aus der Zeit der Stadtgründung erhalten sind.


1) Vgl. Literaturangaben in: Badstübner/Badstübner-Gröger 1987; BusB VI, S. 346.

2) Die Grundmauern des romanischen Vorgängerbaus wurden bei Ausgrabungen 1956-58 entdeckt und sind heute im Fußboden der Kirche durch graue Platten kenntlich gemacht. Vgl. Seyer 1987, S. 30ff.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 60ff.
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 44f.
  • BusB I/II 1877 / Seite 23, 62, 115, 244
  • BusB II/III 1896 / Seite 143ff.
  • Architekturführer Berlin, 1991 / Seite 298, 471
  • Badstübner, Kirchen, 1987 / Seite 13ff., 17f, 22f, 25f, 80ff, 191f. (Weitere Literaturangaben siehe 192.)
  • Müther, Bautradition, 1956 / Seite 86
  • Bartels, Das Berlin der Jahrhundertwende, 1990 / Seite 53 (Foto von 1899)
  • Klünner, Demps/ Berlin 1856-1896 - Photographien, 1991 / Seite 19 (Foto von 1868)
  • Missmann/ Das große Berlin, 1993 / Seite 21
  • Gottschalk, Wolfgang, Altberliner Kirchen in historischen Ansichten, Würzburg 1985 / Seite 163f.
  • Architektur der DDR 31 (1982) / Seite 739-740
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 185 f.