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Neuer Marstall

Obj.-Dok.-Nr.: 09011237
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Schloßplatz
Hausnummer: 7
Strasse: Breite Straße
Hausnummer: 30 & 31 & 37
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnbau & Marstall
Entwurf: 1884
Datierung: 1896-1901
Umbau: um 1920
Umbau: nach 1950
Entwurf: Ihne, Ernst Eberhard von (Architekt)
Entwurf: Rommel, Gerhard (Bildhauer)
Bauherr: Wilhelm II. (Kaiser)
Ausführung: Held und Francke (Baufirma)

Der vom Hofbaurat Ernst von Ihne 1896-1901 errichtete, mehrflügelige neobarocke Bau des Neuen Marstalls, Schlossplatz 7 zwischen Breite Straße und Spree knüpfte in seiner Formensprache an die Schlossplatzfront des barocken Stadtschlosses an. (1) Er ersetzte das Marstallgebäude Unter den Linden, an dessen Stelle etwas später die Staatsbibliothek errichtet wurde. Vorgesehen war er für die Unterbringung von Kutschen und 300 kaiserlichen Pferden. Der wilhelminische Repräsentationsbau ist in seinem heutigen Erscheinungsbild geprägt durch die überformende Neugestaltung im Zuge des Wiederaufbaus von 1950-54 und 1961-65. Mit dem lang gestreckten Spreeflügel und drei Innenhöfen umfasst der Gebäudekomplex kammartig die älteren Gebäude an der Breite Straße: den Alten Marstall, das Ribbeck-Haus sowie ursprünglich die Ritterakademie, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Als Sitz des "Volksmarinerats" war der Neue Marstall im November 1918 Schauplatz der Revolution. Seit 1921 wurden die ehemaligen Pferdeställe im Spreeflügel zu Büchermagazinen umgebaut und zusammen mit dem Quergebäude von der 1901 gegründeten Berliner Stadtbibliothek genutzt.

Das viergeschossige sandsteinverkleidete Gebäude, das nach dem Zweiten Weltkrieg stark vereinfacht und weitgehend ohne den bildnerischen Schmuck von Otto Lessing wieder hergestellt worden ist, besitzt einen zweistöckigen Rustikasockel und zwei durch Kolossalpilaster zusammengeschlossene Obergeschosse. Den Abschluss über dem Kranzgesims bildet eine Balusterattika. An der Hauptfassade zum Schlossplatz, die wie die Spreefront durch einen Mittelrisalit mit Säulenpaaren gegliedert ist, wurde der bekrönende Dreiecksgiebel durch eine Attika ersetzt, während an der Spreeseite Giebel und seitliche Rossbändigergruppen erhalten sind. In die Nischen der Eckrisalite am Schlossplatz, in denen sich ursprünglich Wandbrunnen befanden, wurden 1988 anlässlich des 70. Jahrestages der Novemberrevolution zwei Bronzereliefs des Bildhauers Gerhard Rommel eingepasst. (2) Die ursprünglich dreiachsige Fassade zur Breite Straße erhielt 1952 zwei zusätzliche Achsen.


1) Vgl. o.V, Der Neubau des königlichen Marstallgebäudes, in: Berliner Architekturwelt 3 (1901), S. 11-15; o.V., Königlicher Marstall in Berlin, in: Berliner Architekturwelt 4 (1902), S. 86, Abb. 114; Der Neubau des königlichen Marstalles am Schloßplatze in Berlin, in: Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 15 (1902) 3, S. 18, Taf. 27f.

2) "Es lebe die soziale Revolution - Es lebe der Frieden der Völker" und "am 9. November 1918 ruft Karl Liebknecht die freie sozialistische Republik aus". Vgl. Zech 1996, S. 44.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 78f.
  • BusB III 1966 / Seite 46f.
  • N.N./ Berliner Architektur. Der neue Königliche Marstall in
    Baugewerks-Zeitung 31 (1899) / Seite 1203f.
  • Deutsche Bauzeitung 28 (1894) / Seite 31f, 188f.
  • N.N./ Berliner Neubauten. 96. Das Königliche Marstall-Gebäude in
    Deutsche Bauzeitung 34 (1900) / Seite 293-297
  • Deutsche Bauzeitung 54 (1920) / Seite 144
  • Berliner Architekturwelt 1 (1899) / Seite 17ff.
  • N.N./ Der Neubau des Königlichen Marstallgebäudes in
    Berliner Architekturwelt 3 (1901) / Seite 11-15
  • N.N./ Königlicher Marstall in Berlin in
    Berliner Architekturwelt 4 (1902) / Seite 302
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 18 (1898) / Seite 18
  • N.N./ Der Neubau des Königlichen Marstalles am Schloßplatze in Berlin in
    Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 15 (1902) / Seite 420ff.
  • Architektur der DDR 10 (1961) / Seite 126f, 150ff.
  • Volk/ Berlin - Historische Straßen und Plätze heute, 1978 / Seite 60
  • Berlin - Photographien von Waldemar Titzenthaler, 1990 / Seite 33
  • Klünner, Demps/ Berlin 1856-1896 - Photographien, 1991 / Seite 66
  • Kühne/ Fritz und Achim Kühn, 1989 / Seite 226
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003
  • HPP International Architects an Engineers GmbH, 1992