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Volkskaffeehaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09011199
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Chausseestraße
Hausnummer: 105
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohn- und Geschäftshaus & Restaurant & Cafe
Fertigstellung: 1892
Entwurf: Messel, Alfred (Architekt)
Bauherr: Volks-Café und Speisehallengesellschaft

Das wenige Häuser entfernte Wohn- und Geschäftshaus, Chausseestraße 105 hat Alfred Messel 1892 für die Berliner Volks-Kaffee- und Speisehallengesellschaft erbaut. Die mildtätige Gesellschaft wollte bedürftigen Menschen, nach Frauen und Männern getrennt, gegen ein geringes Entgeld Kaffee und kleinere Speisen anbieten. (1) Die unterschiedlichen Bogenstellungen der Eingangszone im Erdgeschoss entsprechen der ursprünglichen Raumaufteilung mit der bis in den Seitenflügel reichenden großen Speisehalle für Männer, dem kleineren Gastraum für Frauen, der Durchfahrt und zwei separaten Läden. In den Obergeschossen waren repräsentative bürgerliche Wohnungen im Vorderhaus und Seitenflügel sowie kleine Wohnungen in den Hofgebäuden angeordnet. Vergleichbar seinen in dieser Zeit entworfenen Bauten für den genossenschaftlichen Wohnungsbau entwickelte der Architekt die Fassaden in Formen der deutschen Renaissance. Die für die Zeit unkonventionelle und asymmetrische Gliederung der Fassade hängt mit dem Bestreben Messels zusammen, den unterschiedlichen Wohnungstypen des Hauses an der Fassade Ausdruck zu verleihen. Mit dieser, die bauliche Struktur nachzeichnenden Gestaltung zeigte Messel schon erste Ansätze einer Architekturreform, der er mit seinem späteren Werk noch viele Impulse geben sollte. Nach einer umfassenden Instandsetzung des Gebäudes 1995-96 ist die gestalterische Intention des Architekten wieder nachvollziehbar. Die Bogenstellung, der fehlende Giebel sowie die Dacherker wurden ergänzt und die Farbigkeit der Fassaden wieder hergestellt.


1) Planzeichnungen der Straßenfassade und Grundrisse Erdgeschoß bis 4. Obergeschoß in der Plansammlung der Technischen Universität Berlin, Nachlaß Alfred Messel, Nr. 11870, 11871, 11879. Vgl. Neue Schönhauser Straße 13, Liste Nr. 469; "die Volks-Kaffeehäuser sollten einem wirklichen Bedürfniß der arbeitenden Kreise in menschenfreundlicher Weise abhelfen. In diesen Kaffeehallen soll eine möglichst große Zahl Unbemittelter, und zwar Männer und Frauen getrennt, Kaffee mit 'Zubrot' " für ein Billigstes erhalten und verzehren können." (BusB 1896, Bd. III, S. 17 mit Abb. und Grundriß).

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 332
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 647