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Gesamtanlage Charité

Obj.-Dok.-Nr.: 09011080,T
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Schumannstraße
Hausnummer: 22
Strasse: Luisenstraße
Hausnummer: 2 & 7 & 9 & 10 & 12 & 13 & 13A
Strasse: Sauerbruchweg & Virchowweg & Bonhoeffer Weg & Hufelandweg & Charitéplatz
Hausnummer: 1 & 2
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Krankenhaus
Entwurf: 1897
Datierung: 1897-1917
Entwurf: Diestel, Georg
Bauherr: Ministerium für geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten

Wilhelm II. genehmigte nach einer Gesetzesvorlage am 11. März 1897 den Entwurf für die neue Krankenhausanlage von Klinik-, Lehr- und Wirtschaftsgebäuden der Charité. Der damalige Leiter der Baukommission, Ministerialdirektor Friedrich Althoff, formulierte die Zielsetzung für das umfassende Krankenhausprojekt und beauftragte den Architekten Georg Diestel mit der Gesamtplanung. Auf der Grundlage eines stadträumlich und baukünstlerischen Gesamtentwurfes von Georg Diestel unter Mitarbeit von Georg Thür sowie weiterer Architekten konnten die Neubauten nach schrittweisem Abbruch der älteren Kliniken und unter Aufrechterhaltung des Klinikbetriebes in den Jahren 1897 bis 1917 realisiert werden. An der historischen Zufahrt bilden östlich das 1901 aufgeführte Verwaltungsgebäude mit dem prägnanten Treppenturm und gegenüber die 1903 fertig gestellte Kinderklinik mit Pförtnerhaus den Haupteingang zum Klinikgelände. Entlang der westlichen Hauptachse in Fortführung der Charitéstraße erstreckt sich die große Anlage der I. und II. Medizinischen Klinik, die 1910-14 als Hauptgebäude des Krankenhauses inmitten des Areals angeordnet wurde und zum großen Teil den Standort der "Alten Charité" einnimmt. Zwei winkelförmige Gebäudeteile mit gesonderten Haupteingängen sind durch einen langrechteckigen Mittelbau verbunden und beherrschen auch durch ihre baukünstlerische Gestaltung das Klinikareal. Dabei sind die beiden nach den Hauptachsen des Geländes ausgerichteten Fassaden bewusst unterschiedlich gestaltet. Während die westliche Gebäudefront durch den Wechsel von giebel- und traufständigen Gebäudeteilen optisch in Einzelbauten gegliedert ist, deren Blendgiebel und Bauschmuck Traditionen norddeutscher Backsteinbauten der Gotik und Renaissance aufnehmen, ist die Gestaltung der östlichen Fassade deutlich schlichter als reiner Zweckbau konzipiert. Zwei Figurenreliefs, die beim Abbruch der "Alten Charité" geborgen wurden, sind am Südgiebel und neben dem Eingangsbau der I. Medizinischen Klinik in die Fassade eingefügt worden. Das östlich der I. und II. Medizinischen Klinik angeordnete Gebäude der Chirurgischen Klinik wurde 1904 fertig gestellt. Ab 1997 wurde unmittelbar vor und in räumlicher Verbindung mit dem mittleren Gebäudeteil ein Neubau für die Klinik der Inneren Medizin errichtet.

Den Platz der "Neuen Charité" nehmen seit 1905 die durch Gänge verbundenen Bauten der Psychiatrischen- und Nervenklinik mit einem Lehrgebäude und Absonderungshäuser ein. Die Gebäudeanordnung ermöglichte die Anlage von notwendigen separaten Gartenbereichen für die Patienten. Der Haupteingang ist nach Süden auf die zweite Hauptachse im parkähnlichen Gelände ausgerichtet.

Westlich der Nervenklinik befinden sich das 1899 erbaute Pathologische Museum mit dem 1905 angefügten Pathologischen Institut und östlich die 1906 errichtete Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie die 1900 aufgeführten Küchen-, Maschinen- und Werkstattgebäude.

Die im Verhältnis zum regelmäßigen Raster der umgebenden Straßen schräge Ausrichtung der Gebäude und Grundstücksachsen geht auf die Lage der Vorgängerbauten zurück. Lediglich die vorwiegend für den ambulanten Bedarf eingerichteten Bauten der Hals-Nasen-Ohren-Klinik von 1901 und der Medizinischen Poliklinik, erbaut 1914-17, stehen parallel zur Luisenstraße und hatten ursprünglich Hauptzugänge an dieser Straßenseite.

Die prägnante Außenarchitektur der Bauten von Georg Diestel in Mischformen von Neogotik, Neorenaissance und Jugendstil verbindet die in malerischer Anordnung aufeinander bezogenen Baukörper und Bauteile zu einer einheitlichen Gesamtanlage. Zugleich heben die verschiedenen Gestaltungen der Giebel, die unterschiedlichen Ziegelmaßwerke und Friese die einzelnen Bauten voneinander ab beziehungsweise weisen durch den abgestuften Gestaltungsaufwand auf die Bedeutung der einzelnen Kliniken hin. Über einer Sockelzone aus Granitsteinen sind die Fassaden mit hellroten Handstrichziegeln im gotischen Verband verblendet, die mit glatten Putzflächen wechseln. Säulen, Abdeckungen und Gesimse bestehen meist aus Sandstein, die Dächer haben deutsche Schieferdeckung.

Von diesem Krankenhauskomplex wurden im Zweiten Weltkrieg das Direktorenwohnhaus, die Kapelle, die Krebsbaracken und die Quarantänebaracken der Kinderklinik zerstört und später abgetragen. Für die Kinderklinik sind 1956-58 zwei eingeschossige Gebäude anstelle der ehemaligen Isolierbaracken an der südwestlichen Grundstücksgrenze errichtet worden. Die an das Charitégelände angrenzende geschlossene Wohnbebauung an der Südwestseite des Robert-Koch-Platzes wurde im Zweiten Weltkrieg ebenfalls stark zerstört. Auf diesen Grundstücken Robert-Koch-Platz 1, 3, 5 und Luisenstraße 1-3 entstand 1954-59 eine neue Hautklinik in neoklassizistischen Formen der fünfziger Jahre der DDR.

Vor den Klinikgebäuden erinnern Denkmale an herausragende Mediziner und anderer Wissenschaftler, die an der Charité gewirkt haben.

Literatur:
  • Wirth, Luther, Grosser, Zur Topographie und baulichen Entwicklung der Charité in Zeitschrift für die gesamte Hygiene 31 (1985) / Seite 15 (repräsentative Literaturauswahl)
  • BusB I/II 1896 / Seite 421-428
  • Esse, C. H., Geschichtliche Nachrichten über das Königliche Charité-Krankenhaus zu Berlin, 1850 / Seite 30
  • Scheibe, O., 200 Jahre Charité-Krankenhaus zu BerlinWille, F. C., 200 Jahre "Entbindungsanstalt der Charité", zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Geburtshilfe in Berlin, 1927Zentralblatt der Bauverwaltung 17 (1897) / Seite 205-208
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 11 (1891) / Seite 201-203 & 213-214 & 223-225
  • Deutsche Bauzeitung (1897) / Seite 196-198
  • Z. ges. Hyg. 31 (1985) 1 / Seite 2-15
  • Deutsche Bauzeitung 31 (1897) / Seite 196-198
  • Waetzoldt, Bibliographie zur Architektur im 19. Jhdt., 1977 / Seite Literatur für die einzelnen Institute
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 607 f.
  • Voswinckel, Peter : Erinnerungsort Krebsbaracke. Klarstellungen um das erste interdisziplinäre Krebsforschungsinstitut in Deutschland (Berlin, Charité). DGHO Berlin 2014 / Seite VIII, 90 S., 211 Ill. ISBN 978-3-9816354-2-3
Teilobjekt Verwaltungsgebäude Charitéplatz 1
Teil-Nr.: 09011080,T,001
Sachbegriff: Verwaltungsgebäude
Strasse: Charitéplatz
Hausnummer: 1
Datierung: 1901
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 27 (1907) / Seite 229-231
  • Berliner Architekturwelt 4 (1902) / Seite 162-163
Teilobjekt Kinderklinik und Poliklinik nebst Pförtnerhaus
Teil-Nr.: 09011080,T,002
Sachbegriff: Kinderkrankenhaus & Pförtnerhaus & Poliklinik
Strasse: Schumannstraße
Hausnummer: 22
Strasse: Charitéplatz
Hausnummer: 2
Datierung: 1903
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 25 (1905) / Seite 586-588
Teilobjekt I. und II. Medizinische Klinik
Teil-Nr.: 09011080,T,003
Sachbegriff: Krankenhausgebäude
Datierung: 1910- 1914
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 34 (1914) / Seite 497-507
Teilobjekt Chirurgische Klinik und Poliklinik
Teil-Nr.: 09011080,T,004
Sachbegriff: Poliklinik & Krankenhausgebäude
Datierung: 1904
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 24 (1904) / Seite 197-199
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 56 (1936) / Seite 731-734
Teilobjekt Nervenklinik, Lehrgebäude, Psychiatrische Klinik und Absonderungshäuser
Teil-Nr.: 09011080,T,005
Sachbegriff: Krankenhausgebäude
Datierung: 1905
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 31 (1911) / Seite 461-471
Teilobjekt Pathologisches Museum
Teil-Nr.: 09011080,T,006
Sachbegriff: Museum
Datierung: 1899
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 20 (1900) / Seite 212-214
Teilobjekt Pathologisches Institut
Teil-Nr.: 09011080,T,007
Sachbegriff: Institutsgebäude
Datierung: 1905
Teilobjekt Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten
Teil-Nr.: 09011080,T,008
Sachbegriff: Poliklinik
Datierung: 1906
Teilobjekt Küchengebäude
Teil-Nr.: 09011080,T,009
Sachbegriff: Küchengebäude
Datierung: 1900
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 21 (1901) / Seite 198-199
Teilobjekt Maschinen- und Werkstättengebäude
Teil-Nr.: 09011080,T,010
Sachbegriff: Maschinenhaus & Werkstattgebäude
Datierung: 1900
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 21 (1901) / Seite 198-199
Teilobjekt Hals-Nasen-Ohrenklinik
Teil-Nr.: 09011080,T,011
Sachbegriff: Krankenhausgebäude
Strasse: Luisenstraße
Hausnummer: 10 & 12
Datierung: 1901
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 22 (1902) / Seite 337-339
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 33 (1913) / Seite 245-247
  • Berliner Architekturwelt 4 (1902) / Seite 127-128
Teilobjekt Medizinische Poliklinik
Teil-Nr.: 09011080,T,012
Sachbegriff: Poliklinik
Strasse: Luisenstraße
Hausnummer: 13A
Datierung: 1914-1917
Literatur:
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 37 (1917) / Seite 506-515
Teilobjekt Freiflächen auf dem Gelände der Charité
Teil-Nr.: 09011080,T,013
Sachbegriff: Freifläche
Datierung: 1710
Umbau: 1822 & 1834 & 1898-1929 & nach 1946
Entwurf: Lenné, Peter Joseph
Teilobjekt Büste Ernst von Leyden
Teil-Nr.: 09011080,T,013,T,001
Sachbegriff: Plastik
Fertigstellung: 1913
Entwurf: Boermel, Eugen (Bildhauer)

Vom Bildhauer Eugen Boermel stammt die 1913 vor der I. und II. Medizinischen Klinik aufgestellte Büste Ernst von Leydens (1832-1910). (1) Von Leyden erhielt 1876 den Ruf nach Berlin und leitete von 1885 bis 1907 die I. Medizinische Klinik. Seine Forschungen galten besonders den Krankheiten des Nervensystems und des Rückenmarks, wo er wesentliche Ergebnisse erzielte. Der Mediziner besaß internationalen Ruf und genoss ungewöhnlich große Popularität.


(1) Bez. rechts: "E. Boermel 1913".

Teilobjekt Büste Otto Heubner
Teil-Nr.: 09011080,T,013,T,002
Sachbegriff: Plastik
Fertigstellung: 1926
Entwurf: Lederer, Hugo (Bildhauer)

Vor der Kinderklinik wurde 1913 die von dem Bildhauer Hugo Lederer geschaffene Büste des Kinderarztes Otto Heubner (1843-1926) anlässlich der Feier zur Verabschiedung Heubners platziert. 1897 an die Charité berufen, setzte sich Heubner, der erste ordentliche Professor für Kinderheilkunde in Deutschland, neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit besonders für den Neubau der Kinderklinik ein.

Teilobjekt Büste Franz König
Teil-Nr.: 09011080,T,013,T,003
Sachbegriff: Plastik
Fertigstellung: 1939
Entwurf: Kolbe, Georg (Bildhauer)

Ferdinand Hartzer entwarf weitere Büsten von Medizinern der Charité, deren gemeinsames charakteristisches Merkmal die genaue Wiedergabe realistischer Details ist. Für den Chirurgen Franz König (1832-1910), der von 1895 bis 1904 an der Charité wirkte und sich besonders für den Neubau der Chirurgie eingesetzt hatte, schuf Hartzer eine vom preußischen Kultusministerium gestiftete Bronzebüste. (1)


(1) Bronzebüste, 98 cm hoch, auf Granitpostament; bez. seitlich rechts: "F. Hartzer fec. 1904", hinten: "Guß Noack Berlin", auf dem Sockel: "Franz König".

Teilobjekt Büste Adolf Bardeleben
Teil-Nr.: 09011080,T,013,T,004
Sachbegriff: Plastik
Fertigstellung: 1904
Entwurf: Hartzer, Carl Ferdinand (Bildhauer)

Hartzer wird auch die Büste von Heinrich Adolf von Bardeleben (1819-1895) zugeschrieben, dem Vorgänger Franz Königs in der Chirurgischen Klinik. Seit 1868 an der Charité tätig, gehörte er zu denen, die am Aufbau der modernen Chirurgie beteiligt waren. Die beiden 1904 angefertigten Bronzebüsten wurden vor der chirurgischen Klinik aufgestellt.

Teilobjekt Büsten Wilhelm Griesinger und Iwan Petrowitsch Pawlow
Teil-Nr.: 09011080,T,013,T,005
Sachbegriff: Plastik

Die vor der psychiatrischen Klinik stehende Büste des Psychologen Wilhelm Griesinger (1817-1868) ist aufgrund ihrer stilistischen Merkmale vermutlich auch eine Arbeit von Ferdinand Hartzer und um 1905 entstanden. (1) Wilhelm Griesinger wurde 1865 an die "Irrenabteilung" der Charité berufen und betrieb eine grundlegende Reform der Krankenbehandlung, die humane, nicht mehr die Ausgrenzung der Kranken betreibende Therapiemethoden zum Ziel hatte.

Der Griesinger-Büste gegenüber steht heute die Büste des Psychologen Iwan Petrovic Pawlow (1849-1936). Sie ist vermutlich als Ersatz für das verlorene Denkmal für Carl Westphal, einem Nachfolger Griesingers, in den 1950er Jahren von dem Künstlerkollektiv "KRANOLDA" geschaffen und aufgestellt worden.


(1) Bronzebüste auf Granitsockel; der Sockel mit Inschriften. Vorne: "Wilhelm Griesinger 1817-1868", rechts: "Denken macht frei", links: "Die großen Gedanken kommen aus dem Herzen".

Teilobjekt Büste Friedrich Althoff
Teil-Nr.: 09011080,T,013,T,006
Sachbegriff: Plastik
Fertigstellung: 1902
Entwurf: Hartzer, Carl Ferdinand (Bildhauer)

"In dankbarer Erinnerung an die Neugestaltung der Charité" beschlossen die Professoren der Charité im Januar 1900, dem Ministerialdirektor und Leiter der Ersten Unterrichtsabteilung im preußischen Kultusministerium, Friedrich Althoff (1839-1908), ein Denkmal zu setzen. Mit den Bildhauerarbeiten wurde auf Wunsch Althoffs der Künstler Ferdinand Hartzer beauftragt, der sich in Berlin bereits als Porträtspezialist einen Namen gemacht hatte.

Teilobjekt Büste Johannes Müller
Teil-Nr.: 09011080,T,013,T,007
Sachbegriff: Plastik
Fertigstellung: 1861
Entwurf: Heider, H.

Das älteste erhaltene Denkmal auf dem Gelände der Charité steht vor der Pathologie und stellt den Anatomen und Physiologen Johannes Müller (1801-1858) dar. (1) Laut Inschrift wurde die Marmorbüste 1861 von dem Bildhauer Hermann Heidel geschaffen. Müller, der 1833 als Mitglied der Medizinischen Fakultät an die Universität nach Berlin kam, galt als Vertreter eines neuen Reformgeistes. Sein Anatomisches Institut bildete unter anderem einen Ausgangspunkt für die so genannte Berliner Schule, deren Forschungen und wissenschaftliche Auseinandersetzungen überaus erfolgreich gewesen sind. Ein wesentliches Ergebnis dieser Einrichtung ist die Begründung der Physiologie als eine unabhängige Disziplin und eine auf physiologischen und pathologischen Grundlagen beruhende wissenschaftliche Medizin.


(1) Marmorbüste, 70 cm hoch, auf Granitpostament, steht heute im Vorraum des Vorlesungssaals im Pathologischen Museum, bez. hinten: "H. Heidel 1861", vorne: "Johannes Müller", Oberfläche der Büste stellenweise stark zerstört.

Teilobjekt Büste Rudolf Virchow
Teil-Nr.: 09011080,T,013,T,008
Sachbegriff: Plastik
Fertigstellung: 1882
Entwurf: Afinger, Bernhard

Ihm gegenüber steht die Marmorbüste Rudolf Virchows (1821-1902), 1882 von Bernhard Afinger geschaffen. (1) Afinger, geboren 1813, war in Berlin unter anderem an der dekorativen Ausstattung des Neuen Museums beteiligt. Bekanntheit erlangte er aber in erster Linie als Bildnisplastiker. Der "ungekrönte König der deutschen Medizin" Virchow hat von 1856 bis zu seinem Tod an der Charité gearbeitet. Neben seiner medizinischen Tätigkeit auf dem Gebiet der Zellularpathologie sorgte er dafür, dass aus der Prosektur an der Charité eine selbständige ordentliche Professur für Pathologische Anatomie und Allgemeine Pathologie geschaffen und 1888 ein bakteriologischer Pavillon nach seinen Vorstellungen errichtet wurde. Virchow hatte sich als Mitbegründer der deutschen Fortschrittspartei vehement im Kampf um die Freiheit der Wissenschaft eingesetzt.


(1) Marmorbüste, 51 cm hoch, auf erneuertem Granitpostament, steht heute im Vorraum des Vorlesungssaals im Pathologischen Museum, bez. hinten: "B. Afinger 1882"; vorne: "Rudolf Virchow".

Teilobjekt Standbild Albrecht von Graefe
Teil-Nr.: 09011080,T,014
Sachbegriff: Denkmal & Plastik
Fertigstellung: 1882
Entwurf: Siemering, Rudolf (Bildhauer)
Entwurf: Gropius und Schmieden (Architekt)

Noch außerhalb des eigentlichen Klinikgeländes steht an der Ecke Luisenstraße, Schumannstraße 20-21 das aufwändig gestaltete Denkmal für den Augenarzt Albrecht von Graefe (1828-1870), das 1882 enthüllt worden ist und als gelungene Zusammenarbeit des Bildhauers Rudolf Siemering mit den Architekten Gropius & Schmieden gilt. Es zeigt die überlebensgroße Bronzestatue Graefes vor einer Schauwand in den Architekturformen der Neorenaissance. Auf den farbigen Terrakottareliefs zu beiden Seiten der zentral angeordneten Statue sind Augenkranke auf dem Weg zum Arzt sowie deren Heilung nach Besuch des Arztes dargestellt. Darunter sind Zeilen aus Schillers "Wilhelm Tell" angeordnet. (1)


(1) Die Bemalung ist laut Signatur von E. Bastanier; der Text lautet: "Oh eine edle Himmelsgabe ist das Licht des Auges / Alle Wesen leben vom Lichte"; das Relief darüber zeigt die Augenleidenden auf dem Weg zum Arzt; rechts: "Jedes glückliche Geschöpf / Die Pflanze selber kehrt sich freudig zum Lichte"; darüber das Relief mit den durch den Arzt geheilten Kranken.

Literatur:
  • N.N./ Denkmale in
    Deutsche Bauzeitung 16 (1882) 44 / Seite 262
  • N.N./ o.T. in
    Architektonisches Skizzen-Buch (1879) 5 / Seite H. 158
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 610