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Elisabethkirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09010143
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Invalidenstraße
Hausnummer: 3
Strasse: Elisabethkirchstraße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev.
Entwurf: 1828
Datierung: 1830-1835
Umbau: 1860 & 1895
Entwurf: Schinkel, Karl Friedrich (Baumeister)
Ausführung: Berger, Heinrich
Bauherr: Friedrich Wilhelm III.

Für die "seelsorgerische Betreuung" der Bevölkerung in der Kolonie "Neu-Voigtland" wurde 1835 die nach Plänen Karl Friedrich Schinkels errichtete Elisabethkirche, Invalidenstraße 3, in Gegenwart der königlichen Familie eingeweiht. (1) Schinkels Entwurf geht auf das Vorbild griechischer Tempel zurück. Er entstand 1828 als Variante 2 seiner Vorstadtkirchenentwürfe als "Kirche mit Vorhalle". Baubeginn war 1830. Nach der Choleraepidemie von 1831 wurden die Bauarbeiten jedoch unterbrochen. Der Entwurf für die Elisabethkirche wurde trotz begonnener Bauarbeiten auf Veranlassung Friedrich Wilhelms III. noch einmal überarbeitet und das Projekt erheblich reduziert, um die Baukosten zu senken und von dem Budget für zwei Kirchen vier einfache Vorstadtkirchen bauen zu können. Statt der Säulen am Portikus wurden nur Pfeiler aufgemauert, innen nur Holzemporen auf pfostenartigen Stützen aufgestellt und auf den rückwärtigen Portikus, der die Sakristei aufnehmen sollte, musste völlig verzichtet werden. Da im Kirchenraum 2 500 Sitze unterzubringen waren und nach Schinkels Überzeugung die Distanz zur Kanzel 120 Fuß (ca.40 Meter) nicht überschreiten sollte, um der Predigt noch folgen zu können, musste er ein optimales Verhältnis von Nutzfläche und umbauten Raum erreichen. Schinkel konzipierte einen längsrechteckigen Saalbau mit zwei übereinander gestellten Emporen, deren Sitzreihen wie ein Amphitheater anstiegen. Um das Erdgeschoss und die beiden Emporengeschosse belichten zu können, öffnet er die Längswände durch in zwei Zonen übereinander gesetzte große rechteckige Fenster. Basis und Bekrönung der Fenster bilden die Gesimsbänder, die von der Fassadengliederung ausgehend auf der Seiten- und Rückfront weitergeführt werden. So verband er die monumentale griechische Tempelfassade mit den zweckmäßig aufgeteilten Seitenwänden. Der Ziegelbau ist mit Quaderputz in abwechselnd hohen und flachen Formaten versehen. Die Apsis folgt in Maß und Form dem Vorbild altchristlicher spätrömischer Basiliken. Die 1860 vom Architekten Ferdinand Gustav Möller angefügten Seitenapsiden entstammen dagegen dem romanischen Kirchenbau. Für die Innenräume hatte Schinkel um eine reichere Gestaltung gekämpft. Vor allem die Apsis erhielt nach seinen Entwürfen von Heinrich Müller und Scheel eine aufwändigere Ausmalung, unter anderem durch einen Reigen von Engelsfiguren in der Apsiskalotte.

Obwohl die Elisabethkirche 1945 nach einem Bombenangriff bis auf die Umfassungswände ausbrannte und bis 1991 ihrem Schicksal überlassen blieb, vermittelt die Ruine auch heute noch einen überwältigenden Eindruck von der architektonischen Qualität des Schinkelschen Entwurfs. 1991 vom Bewuchs und den Schuttmassen befreit, erhielt die Kirche 1992 ein Notdach. Seit 2000 wird das Mauerwerk dieser bedeutendsten Vorstadtkirche von Schinkel gesichert und saniert.


1) Vgl. Kühne/Stephani 1986, S. 384-385; Wiederanders 1981; Schinkels Vorstadtkirchen 1991; BusB VI, S. 51-53, S. 359f.

Literatur:
  • Bethke, Eugen, Hundert Jahre St. Elisabeth..., Berlin 1936 / Seite (zu erhalten im Pfarramt Invalidenstraße 4)
  • Reclam Berlin, 1977 / Seite 146
  • Geist, Kürvers/ Mietshaus, 1980 / Seite 379-383
  • Lautenschläger, Rolf/ Keine halbtote Lebendigkeit in
    Die tageszeitung / Seite 12.03.1992
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 309
  • Wiederanders, Gerlinde, Die Verwendung klassizistischer Stilelemente an Kirchenbauten K. F. Schinkels in
    K. F. Schinkel und die Antike, Beiträge der Winckelmann-Gesellschaft, Bd. 12 / Seite S. 80-84
  • Karl Friedrich Schinkel. Seine Bauten heute, mit einer Einführung von Erik Forssmann und Fotografien von Peter Iwers, Dortmund 1990 &
    Franz-Duhme/Röper-Vogt/ Schinkels Vorstadtkirchen, 1991 &
    Kühne, Stephani/ Kirchen, 1978 &
    Wiederanders / Seite 545 f.