Denkmal  
 

Tag des offenen Denkmals 2014

Die Farben Berlins – Einführung in das Schwerpunktthema 2014


Renaissancetheater; Foto: Wolfgang Reuss

Berlin ist viele Farben – das Gelb des märkischen Sandes, das Grau des Betons, das Rot der Backsteine, das Grün der Gärten und Wälder, das Blau der Flüsse, Kanäle und Seen. Berlin ist die Summe seiner Farben – mal leuchtend, mal glanzlos oder extrem und kreischend schrill.

„Farbe“ – das ist das diesjährige Schwerpunktthema für den Tag des offenen Denkmals. Gebäude nutzen die Kraft der Farben, um Aufmerksamkeitssignale auszusenden oder um die Besucher in besondere Stimmungen zu versetzen. Zum Beispiel die blauen Kirchenfenster der modernen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche oder die rosafarbene Röhre des Umlaufkanals der TU Berlin. Die Siedlungen der Moderne aus den Zwanzigerjahren setzten sich bewusst mit kräftigen Farben von der Tristesse der kaiserzeitlichen Mietskasernen ab. Hier waren bunte Fassaden und Fenster auch ein politisches Statement: In der „Tuschkastensiedlung“ genannten Gartenstadt Falkenberg sollten Bewohner wie Besucher in den Genuss von Schönheit und Farbe kommen. Was wir heute als ansprechend und schön empfinden, bedeutete zu seiner Entstehungszeit einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit und einen revolutionären Neubeginn, an dem die Farbgestaltung maßgebenden Anteil hatte.

Die Kunst am Bau der Moderne brachte Farbe selbst in die kühle Architektur der Nachkriegszeit und gab den neuen Siedlungen eine freundliche Note. Für die Künstler der East Side Gallery waren Farben ein Ausdrucksmittel für die überwältigende Freude über den Mauerfall – Bunt gegen Betongrau. Hier ist Farbe das Symbol für die neue Freiheit der Kunst und des Reisens.

Denkmalpflegerische Spurensuche kann auch dort anfangen, wo alle Lebendigkeit längst vergangen ist. Staubige Brauntöne, aschegraue Schichten oder lehmige Erdfarben werden in der archäologischen Wissenschaft als Zeichenträger vergangener Jahrhunderte verstanden. Jeder Bodeneingriff hinterlässt für den Archäologen lesbare Spuren; Bodenverfärbungen ermöglichen es den Experten, Vorgänge längst vergangener Zeiten zu entziffern.

Weil die farbige Erscheinung einer Oberfläche vergänglich ist, wirft das Stichwort Farbe aus Sicht der Denkmalpflege auch immer Fragen nach dem Originalzustand auf. Farbe kann abblättern, Pigmente können ausbleichen und verblassen oder der Zeitgeschmack entscheidet gegen einen alten Anstrich. Der Denkmalpflege obliegt es, historische Farboberflächen zu finden, zu dokumentieren und wo möglich zu restaurieren.

Farbe ist ein elementarer Faktor in der Geschichte der Berliner Baukultur, ohne den die Stadt nicht vorstellbar ist. Dieser Tag des offenen Denkmals wird dazu beitragen, dass Berlins farbige Facetten ins rechte Licht gerückt werden. In diesem Sinne wünsche ich allen Besuchern und allen Aktiven des Tags des offenen Denkmals viele bunte Eindrücke.


Prof. Dr. Jörg Haspel
Landeskonservator und Direktor des Landesdenkmalamtes Berlin


Vorträge zum Schwerpunktthema „Farbe“


Foto: Renaissance-Theater Berlin; Wolfgang Reuss

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