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Tag des offenen Denkmals 2012 / Sonderveranstaltungen

Stadtlandschafts-Safari — Holz – ein Baustoff der Moderne?


Stadtlandschafts-Safari; Fotos: Wolfgang Bittner und Wolfgang Reuss
v.l.n.r.: Haus der Kulturen der Welt, Detail vom Corbusier-Haus (Modulor), Akademie der Künste Tiergarten, Studentendorf Schlachtensee; Fotos: Wolfgang Bittner und Wolfgang Reuss

Veranstalter: Schaustelle Nachkriegsmoderne
Träger: Akademie der Künste, Bürgerverein Hansaviertel e.V., Förderverein des Corbusierhauses e.V., Studentendorf Berlin-Schlachtensee e.G., Haus der Kulturen der Welt

Die 2006 begründete Schaustelle Nachkriegsmoderne lädt auch in diesem Jahr zum Stadtlandschafts-Safari-Klassiker zu Bauten und Gärten der Berliner Moderne ein. Auf der neuen Route zu den Avantgarde-Denkmalen der Berliner Nachkriegsmoderne wird der Frage nachgegangen, ob Holz eigentlich auch ein Baustoff der Moderne war. Die Architektur der Nachkriegszeit wird gemeinhin mit Baustoffen wie Sicht- und Kieselwaschbeton, Glas und Stahl verbunden. Dass auch der Werkstoff Holz seinen Weg in die Ausgestaltung der Gebäude fand, wissen oft nur wenige. Insbesondere das Zusammenspiel von Natur und gebauter Umwelt hatte eine konstitutive Funktion in der Architektur jener Zeit. Die Architektur der fließenden Räume bildet eine Spange zwischen dem Inneren der Gebäude und dem sie umgebenen Landschaftsraum.

Sonntag, 9. September 2012


9-stündige Safari per Bus:
Beginn: 9.30 Uhr
Treffpunkt: U-Bhf. Hansaplatz, Ausgang Geschäftszentrum (Parkplatz)
max. 50 Personen
Kostenbeitrag für Bus und Lunchpaket 30 / 20 (Studierende) EUR

Anmeldung unbedingt erforderlich bis 5. September 2012
bei Christine Vetter per Tel.: 030 939504-0 oder
per E-Mail christine.vetter@studentendorf-berlin.com

1. Station: Hansaviertel
Angrenzend an den Tiergarten entstand anlässlich der Internationalen Bauausstellung 1957 das Hansaviertel als durchgrünte Siedlung. 48 namhafte Architekten und Gartenarchitekten aus 14 Ländern entwarfen locker gruppierte Einzelbauten und Gartenanlagen. Die Gesamtleitung hatte Otto Bartning. Es entstanden alle Typen des modernen Wohnhauses: vom Einfamilienbungalow bis zum 17-geschossigen Punkthochhaus, kommunale und kirchliche Bauten sowie gastronomische Treffpunkte.

2. Station: Akademie der Künste
Der dreiteilige Gebäudekomplex der Akademie der Künste wurde 1960 von Werner Düttmann entworfen, die Gartenanlagen plante der Landschaftsarchitekt Walter Rossow. Der Innenraum wirkt durch wechselnde Raumformen, Farben und Materialien wie handgestrichene Ziegel, Waschbeton, Schiefer und Holz abwechslungsreich und durch Ausblicke in die Gartenhöfe und die Parklandschaft des Tiergartens offen und frei. Die Akademie der Künste wurde 2011 durch das Architekturbüro Winfried Brenne Architekten umfassend energetisch saniert.

3. Station: Kleiner Tiergarten
Der Kleine Tiergarten entstand unter dem Einfluss der modernen, internationalen Gartenarchitektur 1959–60 nach Entwurf von Willy Alverdes. Unter seiner Leitung waren seit 1952 der Große Tiergarten, verschiedene Uferparkanlagen sowie der Garten der Kongresshalle entstanden. Alverdes wandelte den von Stadtgartendirektor Gustav Meyer 1876 angelegten und kriegszerstörten Kleinen Tiergarten unter Einbeziehung alter Bäume in einen noch heute vielfältig gegliederten Park um. Der heute teilweise stark überwachsene Landschaftsgarten soll in den nächsten Jahren denkmalgerecht erneuert und teilweise neu gestaltet werden.

4. Station: Park am Nordhafen
Seit 1860 wurde der Nordhafen als kleiner Baustoff- und Güterumschlaghafen im Zuge des Berlin-Spandauer Schiffahrtskanals genutzt. Im Sinne der Leitlinien einer durchgrünten, aufgelockerten Stadt baute man in Wedding und Tiergarten die Ufer der Wasserläufe zu Grünanlagen um. So entstand der Park am Nordhafen als bis heute erhaltene, zeittypische Neuschöpfung. 1952–54 planten und bauten zwei Gartenamtsleiter gemeinsam eine der frühen Neuanlagen über die Bezirksgrenze hinweg. In Wedding war es Günther Rieck, in Tiergarten zeichnete Willy Alverdes, der Gartendirektor des Großen Tiergartens und Entwerfer vieler Grünanlagen in Moabit.

5. Station: Waldfriedhof Zehlendorf
"Dieser Entwurf stellt eine wirklich geistige und architektonische Erfüllung der Aufgabe dar – ja, man kann sagen, dass hier diese Aufgabe in einer neuen und völlig überzeugenden Form zum Ausdruck gebracht wurde." Zu dieser euphorischen Auffassung gelangte das Preisgericht, als es den Entwurf von Sergius Ruegenberg und Wolff von Möllendorf zu bewerten hatte. Die beiden durch einen eingeschossigen Verwaltungstrakt verbundenen Feierhallen liegen am Ende einer großzügig aufgeweiteten Wiesenallee. Die auf eine konsequent quadratische Form zurückgehenden Baukörper und Terrassenflächen fallen durch ihre streng geometrische Form ins Auge. Nähert man sich der Gebäudegruppe von Osten, konzentriert man sich zunächst auf die beiden schmalen Schlitze, durch die der Trauernde, einem symbolischen Übertritt ins Jenseits gleich, die lichtdurchfluteten Feierhallen erreicht.

6. Station: Nationales Kulturdenkmal Studentendorf Schlachtensee
Das Studentendorf wurde 1959–64 von den Architekten Hermann Fehling, Daniel Gogel und Peter Pfankuch in offener Bauweise als frei komponierte Häusergruppe im Sinne der Stadtlandschaft errichtet. Die Freiraumgestaltung übernahm Hermann Mattern. Die öffentlichen Bauten gruppieren sich um den vertieft gelegenen Dorfplatz, während die Wohngebäude terrassenförmig angeordnet sind. 2006 wurde das Ensemble in den Rang eines Nationalen Kulturdenkmals erhoben.

7. Station: Corbusier-Haus – Typ Berlin
Die Beteiligung Le Corbusiers an der Internationalen Bauausstellung Berlin 1957 war wegen seiner Beiträge zum Wohnungsbau nahezu obligatorisch. Seine Vorstellungen von Städtebau, Architektur und Freiraumgestaltung waren im dicht bebauten Hansaviertel jedoch nicht umsetzbar, deshalb konnte er auf dem Olympischen Hügel seine Unité d’habitation Typ Berlin errichten. Auf dem Grundstück wurde ein naturnaher Landschaftsraum geschaffen. Abgeschirmt durch einen Waldgürtel erhebt sich auf zweigeschossigen schlanken Pfeilern das Hochhaus aus einem wellenförmig modellierten, rasenbepflanzten Plateau.

8. Station: Ernst-Reuter-Platz und Architekturfakultät der TU-Berlin
Der von Bernhard Hermkes 1955–57 erdachte Leitplan für die Bebauung des Ernst-Reuter-Platzes entspricht weitgehend einem städtebaulichen Gedanken Ludwig Mies van der Rohes für den Alexanderplatz aus den 20er-Jahren: Eine Verkehrsinsel wird von lose gruppierten Einzelbauten umstellt, die aber keine Platzwand, sondern einen offenen Stadtraum bilden, der dem modernen Weltstadtverkehr entsprechen soll.
An der nördlichen Platzhälfte entstand nach Entwürfen von Bernhard Hermkes und Hans Scharoun die Fakultät für Architektur der TU-Berlin. Das Gebäude wurde von 1966–68 errichtet. Vor ihm erhebt sich die 1963 von Bernhard Heiliger geschaffene Bronzeskulptur "Die Flamme", an der östlichen Seite das von Hans Scharoun errichtete Städtebauinstitut mit dem matternschen Senkgarten.