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Tag des offenen Denkmals 2012 / Sonderveranstaltungen

Berlin wird 775 – 25. August bis 28. Oktober 2012


Berlin-Mitte Skyline; Foto: Kulturprojekte Berlin / 775 Jahre Berlin
Foto: Kulturprojekte Berlin / 775 Jahre Berlin

Berlin feiert in diesem Herbst seinen 775. Geburtstag. Kein Alter im Vergleich zu Städten wie Augsburg, Trier oder Köln – aber immerhin! Als Handelsstützpunkt an einem günstigen Übergang über die Spree – der heutigen Mühlendammbrücke – gegründet, zog Berlin in acht Jahrhunderten Menschen aus allen Gegenden der Welt an: Händler und Handwerker, Mönche und Glücksritter, Flüchtlinge, Arbeitssuchende oder einfach Neugierige. Sie alle machten die Stadt letztlich zu jener modernen Metropole, auf die die heutigen Berliner – woher sie auch immer gekommen sein mögen – so stolz sind. Und das wird gefeiert!

Bereits im Vorfeld des großen Festes am 28. Oktober werden das mittelalterliche Berlin in die Gegenwart geholt und die Zuwanderungsgeschichte in den Blick gerückt. Zum Jubiläum entstehen drei Open-Air-Ausstellungen, die zur Langen Nacht der Museen am 25. August eröffnet werden. 109 Museen werden zudem in dieser Nacht Berlin auf unverwechselbare Weise gratulieren.


Spuren des Mittelalters:


Ausstellungstürme rund um den Mühlendamm / Markierungen im mittelalterlichen Stadtgebiet

Wenn schöne, neue Zeiten anbrechen sollen, neigt man dazu, das Vergangene schlechtzumachen. So wurde eine ganze Epoche kurzerhand zum finsteren Mittelalter erklärt. So manches Folterinstrument, so manche Hexenverbrennung wurde dem Mittelalter angedichtet und auch die gläubige, ritterliche Gemeinschaft ist eine spätere Erfindung der verklärten Romantik. Das 13. Jahrhundert war jedoch eine Phase von Erfindergeist und Abenteuerlust – Kaufleute von weit her siedelten hier, reisende Fernhändler brachten Waren aus der ganzen Welt und Baumeister kamen mit Handwerkern, den Bauhütten, in die neu gegründete Stadt. Auch Berlins Gründungsgeschichte liegt längst nicht mehr im Dunkeln. So haben Ausgrabungen der letzten Jahre viele Funde aus dem Mittelalter zutage gefördert: Alltagsgegenstände, Gräber, Fundamente von Bürgerhäusern, Kirchen und Schulen. Die Grabungsschicht liegt ca. 3 m unter der heutigen Erdoberfläche und oft sind nur schwärzliche Spuren von vermoderten Holzbalken erhalten – dank der Dendrochronologie können Alter und Herkunft jedoch genau bestimmt werden.

Zwischen dem Petriplatz und der mittelalterlichen Stadtmauer an der Littenstraße laden entlang der Gruner- und Gertraudenstraße acht Ausstellungstürme ein die mittelalterlichen Städte Berlin und Cölln zu erkunden.

Diese Türme und über 500 Bodenmarkierungen im mittelalterlichen Stadtgebiet fügen das Puzzle aus Grabungsergebnissen, historischen Quellen und erhaltenen Zeugnissen zu einem lebendigen Bild der Doppelstadt. Ein umfangreiches Führungs- und Veranstaltungsprogramm rückt die romanischen und gotischen Baudenkmale in den Fokus und macht mit mittelalterlichem Handwerk, Kunst und Musik vertraut.

Stadt der Vielfalt: von Hugenotten, Russen, Türken und anderen Berlinern


Ausstellung auf dem Schloßplatz

Berlins Wachstum, Dynamik und Vitalität beruhen seit Jahrhunderten auf Impulsen durch Migration und kulturellen Austausch. Die Ausstellung auf dem Schloßplatz bringt die Geschichte(n) der Zuwanderung einer großen Öffentlichkeit nahe. An einer Wand entlang des Bürgersteigs direkt neben der Humboldt-Box lädt ein begehbarer Stadtplan dazu ein, 100 exemplarische Orte und die dazugehörigen Geschichten beim Flanieren zu entdecken.
So begegnet uns am Rosenthaler Platz der Philosoph Moses Mendelssohn, wie er 1743 zu Fuß aus Dessau kommend das Stadttor durchschreitet – damals der einzige Zugang für Juden. Im Gepäck hat er die Ideen der Aufklärung, die er fortan von Berlin aus verbreitet. Wenige Meter weiter – und über 350 Jahre später – stoßen wir in der Brunnenstraße auf die "Meschugge Partys" des DJs Aviv Netter, ein Hotspot für junge Israelis. Um die Ecke in der Torstraße zeugt Wladimir Kaminers "Russendisko" von den neuerlichen russischen Einflüssen. In Charlottenburg wiederum waren die ersten türkischen Berliner nicht etwa Gastarbeiter, sondern die "Kammertürken" Aly und Hassan, die Ende des 17. Jahrhunderts im Dienst von Königin Sophie Charlotte standen. In der Nähe des Charlottenburger Schlosses hat heute die Türkisch-Deutsche Unternehmervereinigung in Berlin-Brandenburg ihren Sitz. Die Neuköllner Richardstraße, wo im 18. Jahrhundert das böhmische Dorf entstand, war später Zufluchtsort für Flüchtlinge und zieht heute eine junge, kosmopolitische Boheme an.

Wie die Beispiele zeigen, haben sich Geschichte und Gegenwart der Zuwanderung in jeden Winkel der Stadt eingewoben. Zehn thematische Streifzüge von Gastautoren verbinden die ausgewählten Orte und verdeutlichen die Vielfalt der Blickwinkel auf Berlin. So entsteht im zufälligen Nebeneinander von Fragmenten, Fundstücken und Anekdoten ein aussagekräftiges Panorama, in dem gerade auch die Leerstellen aufschlussreich sein können.

Berlin inszeniert Berlin: die Stadtjubiläen im Dritten Reich und im Kalten Krieg


Ausstellung vor der Marienkirche
Erst zweimal feierte Berlin bisher Geburtstag, beide Male unter besonderen politischen Vorzeichen. 1937 beging das nationalsozialistische Berlin die 700-Jahrfeier. Ein halbes Jahrhundert später wurde in der geteilten Stadt das 750-jährige Bestehen gefeiert – mit eigenen Festen in Ost und West. Zum ersten Mal gibt es nun zum aktuellen Jubiläum eine solche vergleichende Ausstellung.

Sie zeigt, wie die Feier der Nazis relativ traditionell auf die kommunale Ebene begrenzt blieb und dass die Konkurrenzsituation fünfzig Jahre später zu zahllosen Spannungen und Kuriositäten führte. Ostberlin richtete ein aufwendiges Jubiläum aus, das sozialistische Normalität vorspiegeln und hauptstädtischen Glanz ausstrahlen sollte. Der Wiederaufbau des Nikolaiviertels war für den Westen ein Überraschungscoup. Westberlin hingegen feierte als ummauerte Insel ohne klare politische Funktion ein eher nachdenkliches Jubiläum, das die getrennte Stadt als Einheit zu inszenieren suchte. Das Jubiläum wurde an dezentralen Orten begangen, kritisch reflektierte man in Ausstellungen die eigene Geschichte.

Die Schau stellt mit Bildern von historischen Umzügen, Festveranstaltungen und Bauprojekten besonders die wechselseitigen Anleihen und Abgrenzungen heraus. So lehnte Westberlin eine klassische Festparade wie die von 1937 ganz klar ab. Der neu erfundene Wasserkorso wurde postwendend von Ostberlin kopiert. Spott und Protest wiederum unterliefen hüben wie drüben die offiziellen Berlin-Bilder. Krawalle in Kreuzberg stehen Zusammenstößen der Stasi mit Ostberliner Jugendlichen, die die Popkonzerte auf der anderen Seite der Mauer mithören wollten, gegenüber. Der Rückblick veranschaulicht das Wechselspiel zwischen städtischem Selbstverständnis und politischer Inszenierung und fragt auch, was vom doppelten Jubiläum 1987 geblieben ist.

28. Oktober 2012
Fest zum Jubiläum: Stimmungsvolle Inszenierung der historischen Mitte


Compagnie Carabosse "Installation de Feu" und Straßentheater Titanick

Die französischen Feuerpoeten von Carabosse verwandeln mit ihren funkelnden Installationen vorgefundene Orte eindrucksvoll in ein Ambiente aus Traum, Verwunderung und Verzauberung. Die weltweit bekannte Compagnie konzipiert eigens für das Stadtjubiläum eine aufwendige Inszenierung zwischen Marienkirche und Nikolaiviertel. Unzählige Flammen, Feuerstellen und mechanische Objekte beleben dann mit Einbruch der Dunkelheit das Gebiet, in dem zuvor acht Wochen lang Spuren des Mittelalters markiert waren. Geleitet von den Rhythmen der Musiker können sich die Besucher frei in der Inszenierung mit Feuer speienden Skulpturen und brennenden Girlanden bewegen. Ungefähr 800 lodernde Tontöpfe bringen die Konturen des mittelalterlichen Berlins zum Leuchten.

Im gleichen Areal kreiert die Straßentheatergruppe Titanick eine Welt voller Wunder, Eigentümlichkeiten und Überraschungen. Inspiriert durch mittelalterliche Visionen des Jenseits, wie sie sich in den Gemälden von Hieronymus Bosch oder den Beschreibungen von Dante in seiner "Göttlichen Komödie" finden, entwickelt das Theaterkollektiv Situationen und Szenen, die aufscheinen und wieder erlöschen.

Mehr Infos hier

bzw. am Zentralen Infopoint vor der Marienkirche

Veranstalter: Kulturprojekte Berlin GmbH
Kontakt: 030 24749-732 (Dr. Gabriele Miketta), 030 24749-835 (Susanne Kumar-Sinner),
E-Mail: pr@kulturprojekte-berlin.de

Berlin-Mitte Nikolaiviertel bei Nacht; Foto: Kulturprojekte Berlin / 775 Jahre Berlin
Foto: Kulturprojekte Berlin / 775 Jahre Berlin