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Tag des offenen Denkmals 2012 / Schwerpunkt Holz

Sanierung von alten Kastendoppelfenstern


Das den Berlinern so vertraute Kastenfenster ist eine im gesamten nord- und
mitteleuropäischen Raum verbreitete und seit 200 Jahren bewährte Fensterkonstruktion. In Berlin gibt es noch 1 Mio. dieser stadtbildprägenden Fenster: ca. 80 % davon sind für eine Runderneuerung geeignet. Sowohl aus ökologischen wie ökonomischen Gründen ist es richtig, sie zu erhalten und so zu ertüchtigen, dass sie den Anforderungen des Klimaschutzes gerecht werden. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hat deshalb ein Altbausanierungsprogramm als Maßnahme in sein Klimaschutzkonzept aufgenommen.


Kastendoppelfenster; Foto: Wolfgang Reuss
Foto: Wolfgang Reuss
"Fenster sind die Augen eines Hauses", sagen die Architekten. Mit ihnen müssen wir sorgfältig umgehen. Die wichtigsten Gründe für den Erhalt dieser Fenster sind:
  1. Ein altes Fenster zu sanieren spart gegenüber einem neuen Fenster Energie, auch "graue Energie" genannt, sowie Rohstoffe bei der Herstellung und beim Einbau.
  2. Beim Einbau eines neuen Fensters in eine kalte Wand besteht immer die Gefahr der Schimmelbildung. Dieses wird bei der Sanierung von Kastendoppelfenstern vermieden.
  3. Ein gut saniertes, 100 Jahre altes Kastendoppelfenster kann mit vertretbaren Kosten die Wärmeschutzanforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) in der Fassung von 2009 (Berliner Energiestandard) erfüllen. Damit ist eine richtig durchgeführte Sanierung auch nach den Anforderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) förderfähig.
  4. 70 % der Kosten einer Runderneuerung sind Arbeitskosten, die in die lokale Wirtschaft eingespeist werden.
 
Um die Aussagen messtechnisch zu hinterlegen, wurde vom Umweltamt Steglitz-Zehlendorf eine Messung an Fenstern einer Schule beauftragt. Das Ergebnis bestätigt: Vor dem Ausbau von Kastenfenstern sollte genau geprüft werden, ob sie nicht erhalten werden können. Fördermittelgeber sollten deshalb eine solche Prüfung auf Erhalt eines Bauteils aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Gründen vorschreiben.

Nach der Sanierung werden ca. 200 kWh pro qm Fensterfläche an Heizenergie gespart und die Fugendurchlässigkeit sinkt um den Faktor 5–10. Gleichzeitig erhöht sich die Schalldämmung des Fensters um ca. 10 dB (die Verdoppelung des Schalldrucks entspricht 3 dB). Eine Runderneuerung ist damit eine Modernisierung mit deutlich gestiegenem Komfort.

Inzwischen verfügt der Bezirk Steglitz-Zehlendorf über mehrere beispielhafte Sanierungen, zu denen der Aktionskreis Energie e.V. Besichtigungen durchgeführt hat (www.ak-energie.de). Ein Leitfaden zu diesem Thema wurde bereits 2001 im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und Betriebe herausgegeben. Als weiterführende Lektüre sei außerdem der von Tobias Huckfeldt und Hans-Joachim Wenk herausgegebene Band "Holzfenster: Konstruktion, Schäden, Sanierung, Wartung" empfohlen.

Autor: Peter Schrage-Aden
Der Autor Peter Schrage-Aden ist Klimaschutzbeauftragter beim
Umwelt- und Naturschutzamt, Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf.
Kontakt: 030 90299-6142