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Tag des offenen Denkmals 2012 / Schwerpunkt Holz

Berliner Wald – Naturraum und wertvolles Kulturerbe


Der Berliner Wald in Zahlen

Waldfläche:
28.500 ha, davon 16.500 ha
in Berlin und 12.000 ha in Brandenburg
Waldanteil an der Stadtfläche: 18 %
Baumartenanteile: 65 % Kiefer, 13 % Eiche, 4 % Rotbuche,
11 % Birke, 3 % andere Laubbäume, 4 % andere Nadelbäume

Naturschutz:
18 Naturschutzgebiete (1.476 ha),
13 Landschaftsschutzgebiete (8.140 ha),
8 Natura-2000-Schutzgebiete (über 5.000 ha)

Erholung:
71 Parkplätze, 1.840 km Waldwege, 278 km markierte Wanderwege, 7 Lehrpfade, 250 km markierte Reitwege, 3 Wildgatter, 6 Volieren, 15 Waldspielplätze, rund 20 km Strände, 13 Hundeauslaufgebiete (1.250 ha)

Waldpädagogik:
7 Waldschulen und 1 Lehrkabinett

 
Das Internationale Jahr der Wälder 2011 liegt zwar schon einige Zeit hinter uns, das damals gewählte Motto "Entdecken Sie unser Waldkulturerbe" eignet sich aber auch heute und zukünftig als Programm. Gerade hier in Berlin wird in ganz verschiedener Weise sichtbar – und auch erlebbar –, welche Bedeutung unsere Wälder für unseren Alltag und für eine gesicherte und lebenswerte Zukunft haben und wie wir unsere Wälder prägen.

Diese Einsicht setzt sich bei vielen vielleicht erst mit dem öffentlichen Diskurs zum Klimawandel und zur Energiewende durch. Tatsächlich aber hat die vorausschauende Pflege und Bewirtschaftung der Wälder bei Forstleuten und Waldbesitzenden eine jahrhundertelange Tradition. Bereits 1713 prägte Hans Carl von Carlowitz den Begriff der Nachhaltigkeit und beschrieb damit in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica" einen Umgang mit den Wäldern, der dem damals verbreiteten Streben nach kurzfristigem Nutzen einen forstlichen Weitblick und die Beachtung der berechtigten Interessen kommender Generationen entgegensetzte: "Wird derhalben die größte Kunst, Wissenschaft, Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen, wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen, daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weiln es eine unentberliche Sache ist, ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag."

Im kommenden Jahr feiern wir somit das 300-jährige Bestehen des Nachhaltigkeitsprinzips in der Forstwirtschaft – mittlerweile ein Grundsatz, der sich in nahezu allen gesellschaftlichen Handlungsfeldern durchgesetzt hat. Präziser und umfassender formulierte Georg Ludwig Hartig (1764–1837), einer der bedeutendsten deutschen Forstwissenschaftler, dieses Prinzip im Jahr 1804: "Es läßt sich keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forstdirektion muss daher die Waldungen des Staates ohne Zeitverlust taxieren lassen und sie zwar so hoch als möglich, doch so zu benutzen suchen, daß die Nachkommenschaft wenigstens ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet." Hartig war preußischer Oberlandforstmeister und richtete 1821 einen Lehrstuhl für Forstwirtschaft an der Universität zu Berlin ein. Das Ehrengrab des vor 175 Jahren verstorbenen Pioniers einer modernen Forstwirtschaft findet sich auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden in der Chausseestraße.

Die Berliner Forsten sehen sich mit ihren Grundsätzen einer naturgemäßen Pflege und Bewirtschaftung der Wälder und mit der Sicherung dieser multifunktionalen Naturlandschaften in bewährter und sehr alter Tradition. Dabei waren die Bedingungen für die Entwicklung der Wälder unserer Stadt gerade in den letzten 150 Jahren nicht immer günstig. Die wachsende Stadt verzehrte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend Wälder und andere Naturräume. Im Zusammenhang mit dem durch Rudolf Virchow und James Hobrecht entwickelten Konzept der Abwasserverrieselung kamen die ersten Wälder in städtischen Besitz. Industrialisierung und parallel stark expandierende Siedlungsgebiete führten zu einer rasanten Waldvernichtung in der Region und hatten eine zügellose Bodenspekulation zur Folge. Die Bevölkerung der Stadt forderte vehement eine wirkungsvolle Vorsorgepolitik zur Erhaltung der wichtigen Grünräume in der Umgebung. Es begann eine gezielte Politik des Waldankaufs durch die Gemeinde, die ihren Höhepunkt im 1915 geschlossenen "Dauerwaldkaufvertrag" fand, durch den 10.000 ha Wald, darunter auch der Grunewald, in städtischen Besitz kamen.

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte Bedrohungen für diese Wälder: Besonders vor und während des Zweiten Weltkrieges wurde massiv Holz auch in Berlins Wäldern eingeschlagen. Für den Grunewald sahen die Gestaltungsideen des Generalbauinspektors Albert Speer außerdem die Verwandlung in eine Parklandschaft vor. Diese Ideen wurden glücklicherweise nie verwirklicht.

Die Kämpfe um Berlin 1945 und die Berlin-Blockade 1948–49 führten zu massiven Problemen bei der Versorgung der Berliner mit Nahrung und Heizmaterialien. Die Menschen griffen in ihrer Not zu Mitteln, die in Friedenszeiten undenkbar waren. Ein Zeitzeuge berichtet: "... zahllose Beeren, Waldkräuter- und Pilzsammler irren umher. Sie sammeln zu den geringen Nahrungsmitteln auch Pflanzen und Früchte, die zu normalen Zeiten kein Mensch für genießbar hält." Weitere massive Einschläge in den Wald erfolgten auf Weisung der alliierten Streitkräfte. Sie benötigten Holz zum Eigenverbrauch bzw. sahen es als Ausgleich für ihre Kriegsanstrengungen an.

In Folge der Teilung Deutschlands zerfiel der Berliner Waldbesitz schließlich und wurde erst 1990 wieder als Berliner Eigentum zusammengefügt. Die verschiedenen Waldgebiete spiegeln in Gestaltung und Entwicklung noch immer die 40-jährige Prägung durch unterschiedliche Waldpolitiken und -philosophien wider.

Heute nennt Berlin etwa 28.500 ha Wald sein Eigen und ist damit der größte kommunale Waldbesitzer Deutschlands und zählt auch weltweit zu den waldreichsten Metropolen. Die Stadt profitiert in vielfältigster Weise von diesem Reichtum: Wälder sind Erlebnis- und Erholungsgebiete, sie liefern einen großen Teil unseres hochwertige Trinkwassers, sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und sichern ein ausgeglichenes Stadtklima. Wälder sind aber auch Arbeitsplätze und in ihnen wächst einer der wichtigsten Rohstoffe der Zukunft: Holz.

Seit mittlerweile zehn Jahren sind die Berliner Forsten mit ihrem Konzept einer naturnahen, ökologischen Waldbewirtschaftung nach den Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) und des Naturlandverbandes zertifiziert. Ein Jubiläum, das sich angesichts der langen Tradition verantwortungsvoller und nachhaltiger Forstwirtschaft in Deutschland zwar sehr bescheiden ausnimmt, aber doch wichtige Signale für unsere gemeinsame Verantwortung für die Zukunft unserer grünen Stadt aussendet.

Das Angebot der Berliner Forsten zum Tag des offenen Denkmals finden Sie hier:

Autor: Marc Franusch
Der Autor Marc Franusch ist Leiter der Zentralen Kundenberatung beim
Landesforstamt Berlin, Dahlwitzer Landstraße 4, 12587 Berlin.
Kontakt: 030 641937-25, 0171 3356501, E-Mail: marc.franusch@senstadtum.berlin.de