Denkmal  
Mein Denkmaltag


Login

Benutzername
Passwort
 

Tag des offenen Denkmals 2012 / Schwerpunkt Holz

Denkmalpflege: Ohne Handwerk(er) geht es nicht


Denkmalpflege: Werkstatt; Foto: Wolfgang Bittner
Foto: Wolfgang Bittner

Alle Kulturdenkmale, seien es hochberühmte oder ganz schlichte, wurden und werden durch die Kunstfertigkeit unterschiedlicher Handwerke geschaffen. Auch in Berlin sind zahlreiche Zeugnisse der Vergangenheit heute noch erlebbar. Berlin wurde erst im 17. Jahrhundert zu einer bedeutenden Stadt. Gebäude aus dem Mittelalter oder der Renaissance sind eher selten. Die meisten Berliner Denkmale stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert und dokumentieren den Wandel und Aufstieg Berlins von der preußischen Residenzstadt zur Hauptstadt des Deutschen Kaiserreiches bis hin zum heutigen Parlaments- und Regierungssitz. Auch heute noch sind es Handwerker, die diese Kulturdenkmale pflegen, erhalten und restaurieren. Das Berliner Handwerk erfüllt somit nicht nur eine handwerklichtechnische, sondern auch eine kulturelle Aufgabe ersten Ranges.

Hierbei trägt der einzelne Handwerker eine große Verantwortung. Er muss sich in den traditionellen Handwerkstechniken bestens auskennen, sodass er entscheiden kann, welches Material, welche Methode dem zu renovierenden Objekt zuträglich ist. Es bedarf umfangreichen Wissens und jahrelanger Erfahrung, um fachgerecht mit historischen Objekten umgehen zu können.

Restaurierung: ein Fall für Spezialisten

Dies war freilich nicht immer so. Erst gegen Ende der 1970er-Jahre gerieten die negativen Erscheinungen des Neubaubooms der Nachkriegszeit immer mehr in den Fokus der Gesellschaft. Es setzte ein Wertewandel ein, der einherging mit der Rückbesinnung auf traditionelle Werte und einem gesteigerten Interesse, in die Denkmalpflege zu investieren. Für große Teile des Handwerks wuchs innerhalb relativ kurzer Zeit ein neuer und großer Markt heran. Allerdings entstand zunächst die Situation, dass wegen mangelnder Praxis nicht alle Handwerker die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten besaßen, die für den sensiblen Umgang mit Denkmalen erforderlich waren.

Angesichts der umfangreichen und vielschichtigen Aufgaben in der Denkmalpflege schufen die Handwerksorganisationen Mitte der 1980er-Jahre die formalen Voraussetzungen für die Qualifizierung von Handwerksmeistern zum "Restaurator im Handwerk". Seit dem Jahr 1986 werden die Fortbildungsprüfungen durchgeführt. Die Schaffung dieses Berufsbildes hat dazu geführt, dass sich die Situation auf den Denkmalbaustellen signifikant verbessert hat, denn inzwischen haben sich zahlreiche Handwerker zu Restauratoren im Handwerk qualifiziert. Sie leisten mit einem großen ideellen Einsatz ihren Beitrag zum Erhalt kulturell wertvoller Substanz, haben Verantwortung übernommen und stellen ihr Wissen und handwerkliches Können zur Verfügung. Zurzeit können in etlichen Handwerksberufen Prüfungen zum Restaurator im Handwerk abgelegt werden, so bspw. im Maler- und Lackierer-, im Maurer-, Metallbauer-, Stuckateur- und nicht zuletzt im Tischler- und Zimmererhandwerk.

Holz: ein ganz besonderes Material

Gerade den Tischlern und Zimmerleuten, die sich als Restauratoren im Handwerk mit dem Werkstoff Holz beschäftigen, kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie befassen sich oftmals mit der Restaurierung historisch wertvoller Möbelstücke oder mit der originalgetreuen Wiederherstellung von Holzkonstruktionen. Hier ist ein besonders feinfühliger Umgang mit der Originalsubstanz gefragt, denn gerade beim Holz treten äußere Einflüsse – bspw. durch Witterung – häufig sehr deutlich zutage.

Doch nicht nur für Tischler und Zimmerleute ist Holz ein überaus wichtiger Rohstoff. Kein Handwerk kommt ohne Holz aus – ganz gleich, ob es als Werkzeug, Werkstoff oder Rohstoff dient. Dieses lebendige Material kommt immer mehr in Mode, es ist nachhaltig nutzbar und die verschiedenen Holzarten haben unterschiedliche Eigenschaften, die es nahezu universell einsetzbar machen. Daher liegt es auf der Hand, dass gerade dem Holz im Denkmalschutz eine ganz besondere Rolle zukommt.

Kulturpflege und Wirtschaftsfaktor

Der Denkmalschutz bietet besonders kleinen und mittleren Handwerksbetrieben die Möglichkeit, sich mit ihren individuellen Stärken und Fähigkeiten gegenüber größeren Betrieben zu behaupten. Normalerweise sind hier keine kostenintensiven Betriebsausstattungen erforderlich, sondern vielmehr die fachliche Qualifikation und die Fähigkeit, sich auf Besonderheiten beim Umgang mit historischer Bausubstanz einzustellen.

Fachgerechte Denkmalpflege ist jedoch viel mehr als umfassende Kulturpflege und wichtiger Qualifikationsfaktor. Denkmalpflege ist immer auch ein nicht zu unterschätzender Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor. Sie ist ein wichtiger Standortvorteil und damit interessant für die Neuansiedlungen von Unternehmen.

Darüber hinaus sind gut erhaltene Denkmale wichtig für die Tourismusbranche und fördern die mittelständische Wirtschaft. Und nicht zuletzt haben sich gerade in den vergangenen Jahren die Erfahrungen deutscher Handwerker in der Denkmalpflege als gefragter Exportartikel sowohl innerhalb Europas als auch in Richtung Asien und Übersee erwiesen.

Aufträge im Bereich der Denkmalpflege sind nicht nur Expertenarbeit, sie sind darüber hinaus auch besonders personalintensiv. Die deutsche Bauwirtschaft geht bei Neubauprojekten von einem Verhältnis von 50 % Personalkosten und 50 % Materialkosten aus – bei steigendem Anteil der Materialkosten. Bei Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten entfallen etwa drei Viertel der Kosten auf Personalkosten. Demnach ist die Beschäftigungswirkung im Bereich der Denkmalpflege doppelt so hoch einzuschätzen wie im Neubaugeschehen.

Wenn wir weiterhin den Denkmalen eine angemessene Wertschätzung entgegenbringen wollen, müssen wir uns stets vor Augen führen, dass der Verlust an Denkmalen immer ein schmerzlicher ist und dass wir alles dafür tun müssen, kommenden Generationen Denkmale als Dokumente der Geschichte und als Kunstwerke zu erhalten. Es ist nicht damit getan, überragenden Werken der Baukunst Denkmalqualitäten zu attestieren. Denkmalpflege erfordert immer auch Investitionen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Erkenntnis, dass Denkmale für unsere Daseins- und Standortbestimmung unverzichtbar sind, immer mehr durchsetzt.

Autor: Stephan Schwarz
Der Autor Stephan Schwarz ist Präsident der Handwerkskammer Berlin.
Kontakt: 030 25903235, E-Mail: info@hwk-berlin.de