Stadtlandschafts-Safari 2011
eine Reise zu den Avantgarde-Denkmalen der Westberliner Nachkriegsmoderne
Veranstalter: Schaustelle Nachkriegsmoderne
Träger: Akademie der Künste, Bürgerverein Hansaviertel e.V., Förderverein des Corbusierhauses e.V., Studentendorf Berlin-Schlachtensee e.G., Bernd Krüger
www.schaustelle-nachkriegsmoderne.de
Auch in diesem Jahr lädt die Schaustelle Nachkriegsmoderne zum Stadtlandschafts-Safari-Klassiker. Die Architekturideen der Nachkriegszeit waren wahrhaft revolutionär und nicht selten verfolgten Baumeister und Städteplaner romantische Gestaltungsideen für die im Krieg zerstörte Stadt. Den vielen Ideen jener Jahre folgte jedoch oft ein pragmatischer Realismus.
Sonntag, 11. September 2011
8-stündige Safari per Bus:
Beginn: 9.30 Uhr
Treffpunkt: U-Bhf. Hansaplatz, Ausgang Geschäftszentrum (Parkplatz), max. 50 Pers., Kostenbeitrag für Bus und Lunchpaket 30 / 20 (Studierende) EUR
Anmeldung unbedingt erforderlich bis 9. September 2001
bei Christine Vetter per Tel. 93 95 04-0 oder per E-Mail
christine.vetter@studentendorf-berlin.com
1. und 2. Station: Hansaviertel und Akademie der Künste – revolutionäre Romantik
Angrenzend an den Tiergarten entstand anlässlich der Internationalen Bauausstellung 1957 das Hansaviertel als durchgrünte Siedlung. 48 namhafte Architekten und Gartenarchitekten aus 14 Ländern entwarfen locker gruppierte Einzelbauten und Gartenanlagen. Die Gesamtleitung hatte Otto Bartning. Es entstanden alle Typen des modernen Wohnhauses: vom Einfamilienbungalow bis zum 17-geschossigen Punkthochhaus, kommunale und kirchliche Bauten sowie gastronomische Treffpunkte.
Die heute umfassend sanierte Akademie der Künste wurde 1960 von Werner Düttmann entworfen, die Gartenanlagen plante der Landschaftsarchitekt Walter Rossow. Der Innenraum wirkt durch wechselnde Raumformen, Farben und Materialien wie handgestrichene Ziegel, Waschbeton, Schiefer und Holz abwechslungsreich und durch Ausblicke in die Gartenhöfe und die Parklandschaft des Tiergartens offen und frei.
3. und 4. Station: Kleiner Tiergarten und Rathaus Wedding ¬– romantischer Realismus
Der Kleine Tiergarten entstand unter dem Einfluss der modernen, internationalen Gartenarchitektur 1959–60 und nach Entwurf von Willy Alverdes. Unter seiner Leitung waren seit 1952 der Große Tiergarten, verschiedene Uferparkanlagen sowie der Garten der Kongresshalle entstanden. Alverdes wandelte den von Stadtgartendirektor Gustav Meyer 1876 angelegten und kriegszerstörten Kleinen Tiergarten unter Einbeziehung alter Bäume in einen noch heute vielfältig gegliederten Park um. Der heute teilweise stark überwachsene Landschaftsgarten soll in den nächsten Jahren denkmalgerecht erneuert und teilweise neu gestaltet werden.
Der Gesamtentwurf des Vorplatzes des Weddinger Rathauses und der umgebenden Grünanlage geht zurück auf den Wettbewerb für einen Verwaltungsneubau im Jahr 1955. Das Werk des Berliner Architekten Fritz Bornemann entstand 1964–65, die Außenanlagen schuf Johannes Plonsker. Die Verbindung aus strengen, kubischen Gebäudekörpern und einem rasterförmigen, durch Hochbeete gegliederten Rathausvorplatz mit malerischem Baumbestand und einer modellierten Hügellandschaft an der Rückseite lässt den Ansatz der 1950er-Jahre erkennen.
5. Station: Waldfriedhof Zehlendorf – realistische Romantik
„Dieser Entwurf stellt eine wirklich geistige und architektonische Erfüllung der Aufgabe dar – ja, man kann sagen, dass hier diese Aufgabe in einer neuen und völlig überzeugenden Form zum Ausdruck gebracht wurde.“ Zu dieser euphorischen Auffassung gelangte das Preisgericht, als es den Entwurf von Sergius Ruegenberg und Wolf von Möllendorff zu bewerten hatte. Die beiden durch einen eingeschossigen Verwaltungstrakt verbundenen Feierhallen liegen am Ende einer großzügig aufgeweiteten Wiesenallee. Die auf eine konsequent quadratische Form zurückgehenden Baukörper und Terrassenflächen fallen durch ihre streng geometrische Form ins Auge.
6. Station: Waldfriedhof Zehlendorf – realistische Romantik
Das Studentendorf wurde 1959–64 von den Architekten Hermann Fehling, Daniel Gogel und Peter Pfankuch in offener Bauweise als frei komponierte Häusergruppe im Sinne der Stadtlandschaft errichtet. Die Freiraumgestaltung übernahm Hermann Mattern. Die öffentlichen Bauten gruppieren sich um den vertieft gelegenen Dorfplatz, während die Wohngebäude terrassenförmig angeordnet sind. 2006 wurde das Ensemble in den Rang eines Nationalen Kulturdenkmals erhoben.
7. Station: Corbusier-Haus – revolutionärer Realismus
Die Beteiligung Le Corbusiers an der Internationalen Bauausstellung Berlin 1957 war wegen seiner Beiträge zum Wohnungsbau nahezu obligatorisch. Seine Vorstellungen von Städtebau, Architektur und Freiraumgestaltung waren im dicht bebauten Hansaviertel jedoch nicht umsetzbar, deshalb konnte er auf dem Olympischen Hügel seine „Unité d‘habitation, Typ Berlin“ errichten. Auf dem Grundstück wurde ein naturnaher Landschaftsraum geschaffen. Abgeschirmt durch einen Waldgürtel erhebt sich auf zweigeschossigen schlanken Pfeilern das Hochhaus aus einem wellenförmig modellierten, rasenbepflanzten Plateau.
8. Station: Zentrum am Zoo mit Bikini-Haus – realistische Revolution
Das Bikini-Haus am Nordrand des Breitscheidplatzes – als Ersatz für das verloren gegangene Zentrum der Bekleidungsindustrie am Hausvogteiplatz / Spittelmarkt geplant – entstand 1955–57 entlang der Budapester Straße nach Entwürfen von Paul Schwebes und Hans Schoszberger als Teil des Zentrums am Zoo. Das Ensemble bilden das Hochhaus am Hardenbergplatz, der Zoo-Palast und das Bikini-Haus sowie das kleine Hochhaus mit dem Parkhaus am Zoo. Der sechsgeschossige Flachbau mit einer ebenerdigen Ladenzone mit Kolonnaden war ursprünglich in der dritten Etage durch ein eingeschobenes Luftgeschoss zweigeteilt. Derzeit wird das Bikini-Haus saniert, wobei einige Gebäudeteile abgerissen werden mussten.