Denkmal  
Mein Denkmaltag


Login

Benutzername
Passwort
 

Tag des offenen Denkmals 2010

Grußwort der Senatorin für Stadtentwicklung


Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer

Berlin – immer in Bewegung

"Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr" – das ist das Motto, unter dem der Tag des offenen Denkmals in diesem Jahr bundesweit steht. Dieses Thema ist für Berlin wie geschaffen. Es verwundert daher nicht, dass sich in diesem Jahr sehr viele Angebote zum Tag des offenen Denkmals auf dieses Schwerpunktthema beziehen: Bewegung mit Zug, Auto, Fahrrad, Schiff, Flugzeug, Bus oder Kutsche, selbstverständlich zu Fuß, selbst das Pferd spielt über die historischen Schmieden eine Rolle.

Berlin ist immer eine mobile Stadt gewesen, seit es die ersten öffentlichen Transportmittel gab. Berlin ist eine Stadt, die Maßstäbe für die Entwicklung des modernen Massenverkehrs setzte. Im Mittelpunkt dieses Denkmaltages steht daher nicht ohne Grund ein historischer Ort, der viele Jahrzehnte ein Pionierort für den modernen Luftverkehr war, seit einigen Monaten aber das größte Bewegungsangebot darstellt, das wir den Berlinerinnen und Berlinern machen konnten: der Flughafen Tempelhof. Wer die große Bewegungsfreiheit auf dem Tempelhofer Feld bisher noch nicht genossen hat, kann dies am Tag des offenen Denkmals nachholen und mit Führungen zur Geschichte und Architektur dieses monumentalen Baudenkmals verbinden.

Die BVG öffnet eine ganze Reihe ihrer Bahnhöfe, auch solche Bereiche, die sonst nicht zugänglich sind. Im Wedding kann ein Versuchstunnel besichtigt werden, in dem die AEG Anfang des Jahrhunderts erste Tests mit unterirdischem Verkehr durchführte – Berlin war U-Bahn-Pionier auf dem Kontinent.

Auch von den großen Fern- und Güterbahnhöfen, die Berlin einst prägten, haben sich ansehnliche Zeugnisse erhalten. So stehen der Schlesische Güterbahnhof, der Nordbahnhof, das Reichsbahnausbesserungswerk "Franz Stenzer" und das Portal des Anhalter Bahnhofs auf dem Programm. Das Deutsche Technikmuseum Berlin bietet Führungen zum Gleisdreieck an, das durch seine Größe und zentrale Lage noch heute eine Vorstellung von der Bedeutung und den Dimensionen vermittelt, die der Eisenbahnverkehr in Berlin einst hatte.

Selbst die Schattenseiten des (unfreiwilligen) Reisens werden thematisiert: Das Notaufnahmelager Marienfelde nahm einst Menschen auf, die im Westen eine neue Existenz beginnen wollten.
Die Erinnerung an unermessliches Leid, Verfolgung und Tod sind verbunden mit der Gedenkstätte Gleis 17 am S-Bahnhof Grunewald. Sie erinnert an die Deportationen jüdischer Berlinerinnen und Berliner in die Konzentrationslager. Einen besonderen historischen Akzent zum Thema setzt die Gedenkstätte Hohenschönhausen: Sie stellt den Bahnhof Hohenschönhausen vor, der einst für Gefangenentransporte genutzt wurde.

Gefreut haben sich wohl die meisten Westberliner, wenn sie nach der Fahrt durch die DDR die knallrote Raststätte Dreilinden erblickten – wieder war eine Transitreise überstanden. Die Pop-Architektur am Alliierten Checkpoint Bravo entstand um 1970 nach einem Entwurf von Gerhard Rainer Rümmler, einem Architekten in den Diensten des Berliner Senats, der auch viele U-Bahnhöfe der Stadt gestaltet hat. Studierende des Masterstudiengangs Denkmalpflege der TU Berlin untersuchen die umliegende Landschaft auf Spuren des ehemaligen Grenzübergangs Dreilinden.

Besonders freue ich mich, dass zu diesem Tag des offenen Denkmals im Zeichen der Bewegung und des Verkehrs auch etliche Fahrradtouren angeboten werden, etwa eine "Brückentour" durch die Innenstadt oder vom Kulturforum zum Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg, wo das restaurierte Mausoleum des Eisenbahnkönigs Bethel Strousberg liegt. In Spandau warten gar historische Fahrräder auf Entdeckung. Wer es noch nicht ausprobiert hat, kann am Tag des offenen Denkmals erfahren, wie viel Spaß Fahrradfahren inzwischen in Berlin macht.

In Berlin bewegen sich die Menschen viel in und durch die Stadt. Hier gibt es immer viel zu erfahren und zu entdecken. Eines der schönsten Berlin-Bücher heißt "Spazieren in Berlin" (1929) und stammt von Franz Hessel, der den Typus des Flaneurs in die Literatur einführte. Das bekannteste Berlin-Musical der Gegenwart spielt in der fahrenden U-Bahn "Linie 1" und selbst der aus der Verkehrsgeschichte stammende Begriff "Gleisdreieck" ist weit über Berlin hinaus bekannt.

Berlin und Bewegung – das sind fast Synonyme, das passt zusammen. Ich hoffe, dass viele Berlinerinnen und Berliner, aber auch viele Gäste der Stadt sich "auf die Socken machen", um zu Fuß oder mit dem Rad, mit Bus oder Bahn die historischen Zeugnisse des "mobilen Berlin" zu besuchen. Ich danke allen Akteuren herzlich für ihr Engagement und wünsche allen Besucherinnen und Besuchern ein bewegtes, anregendes Denkmalwochenende.


Ingeborg Junge-Reyer
Senatorin für Stadtentwicklung