Denkmal  
 

Tag des offenen Denkmals 2009

Grußwort der Senatorin für Stadtentwicklung


Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer

Denkmale sind ein Genuss

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schlägt für den Tag des offenen Denkmals 2009 ein überaus attraktives Schwerpunktthema vor: "Historische Orte des Genusses". Berlin darf sich über dieses Thema besonders freuen, können wir doch wieder aus dem Vollen schöpfen. Zahlreiche bekannte Denkmale stehen hier für das Wohlleben. Vom lukullischen über den kulturellen bis zum Natur- und Sportgenuss reicht das Spektrum.

Inbegriff des großstädtisch-mondänen Vergnügungslebens war vor dem Zweiten Weltkrieg der Admiralspalast an der Friedrichstraße. Mit Theater, Restaurant und großem Café, mit Eisbahn und Badelandschaft bot er ein ganzes Potpourri an Unterhaltungsmöglichkeiten. Er wurde vor wenigen Jahren aufwendig restauriert und gehört heute wieder zu den bekanntesten Veranstaltungsorten Berlins.

So manches Filmtheater hat erkannt, dass sich Kinogenuss mit der Architektur eines Schachtelkinos schlecht vereinbaren lässt. Das Kino International an der Karl-Marx-Allee blieb seit den 1960er-Jahren von gewinnorientierten Umbauten verschont; andere Filmtheater wie die ASTOR Film Lounge am Kurfürstendamm bauen nun wieder programmatisch auf Genuss versprechendes Ambiente für ihre Gäste.

Berlin war einst eine Stadt der Brauereien. Vor allem im südlichen Teil von Prenzlauer Berg reihte sich vor 100 Jahren eine Brauerei an die andere. Sie alle nutzten die Gunst der geografischen Lage und bauten ihre Kühlkeller in den steilen Hang, der vom Spreetal zur Hochebene des Barnim führt. Etliche Brauereien haben die Jahrzehnte überdauert und sind als KulturBrauerei oder Pfefferberg überregional bekannt. In der Zimmerstraße lud bis 1913 eine der ältesten und bekanntesten Gaststätten Berlins zum Besuch ein: Clausings Weißbierstuben, an die noch heute die "Berliner Weiße" erinnert. Zum Tag des offenen Denkmals kann man in der Zimmerstraße auf Spurensuche gehen.

Am Stadtrand liegen die grünen Amüsierstätten, etwa das sogenannte Schloss Wannsee aus dem Jahr 1896, seinerzeit eines der größten Ausflugslokale an der Havel. Derzeit wird es restauriert und soll in Zukunft wieder für Veranstaltungen genutzt werden. Ganz in der Nähe baute die Stadt Berlin in den Zwanzigerjahren das Strandbad Wannsee, das als Volksschwimmbad großstadtmüden Berlinern Erholung in der Natur bot. Dazu gehörte schon zur Erbauungszeit mehr als reines Schwimmen – ganze Tage ließen sich hier genussreich verbringen. Der Begriff Wellness stammt zwar erst aus neuester Zeit, doch die Sache selbst ist viel älter und stand auch bei so mancher opulent ausgestatteten Badeanstalt der Kaiserzeit Pate. Weniger bekannt ist, dass Berlin sogar einmal ein Kurbad besaß, dessen Spuren im Ortsteil Gesundbrunnen im September besichtigt werden können.

Genuss bereiten kann es sogar nur zu wohnen, in eleganten Villen und Landhäusern mit ihren Gärten, aber auch in Siedlungen, die von den Architekten sorgfältig geplant wurden. Ein Genuss der besonderen Art ist es sicherlich, in einer Welterbestätte zu wohnen. Seit dem 7. Juli 2008 ist dies in Berlin möglich, als die UNESCO sechs Berliner Siedlungen des 20. Jahrhunderts für würdig befand, in die Welterbeliste aufgenommen zu werden. Wir haben allen Grund, uns darüber zu freuen, zumal es in Berlin nun bereits drei Welterbestätten gibt.

Denkmale sind ein Genuss – nicht nur am Tag des offenen Denkmals. Sie machen nicht einmal fünf Prozent der gesamten Baumasse aus, doch ohne sie wäre unser Leben wesentlich ärmer. Bau-, Boden- und Gartendenkmale erzählen die Geschichte unserer Stadt und ihrer Menschen, sie erinnern an unsere Wurzeln und machen die Entwicklungen bis in unsere Zeit deutlich. Es bereitet viel Freude, Denkmale zu entdecken, ihre Spuren zu sichten und ihre Botschaft zu verstehen. Deshalb gibt es in ganz Europa einmal jährlich den Tag des offenen Denkmals. Doch für Denkmalgenießer kann jeder Tag ein Denkmaltag sein, an dem es sich lohnt die historischen Zeugnisse in unserer Stadt zu (be)suchen.

Ich danke allen Denkmaleigentümern, die am zweiten Septemberwochenende ihre Türen öffnen, und allen anderen Veranstaltern, die aktiv zum Tag des offenen Denkmals beitragen, sehr herzlich. Sie alle engagieren sich ehrenamtlich; ohne Ihren uneigennützigen Einsatz wäre diese Veranstaltung überhaupt nicht möglich.

Allen Berlinern und allen Besuchern wünsche ich ein genussreiches Wochenende auf den Spuren unserer Stadt.

Ingeborg Junge-Reyer
Senatorin für Stadtentwicklung