Denkmal  
 

Tag des offenen Denkmals 2006

Vorwort der Senatorin für Stadtentwicklung


Berlin ist reich an historischen Gärten und Parks, an Friedhöfen und Stadtplätzen. Besucher stellen immer wieder erfreut fest, wie grün diese Metropole nicht nur im Grunewald und am Müggelsee, sondern auch in der Innenstadt ist. Viele Straßen werden von Bäumen gesäumt, immer wieder öffnen sich attraktive Stadtplätze, große Volksparks bieten Abwechslung und Entspannung vom lebendigen Großstadtleben. Das bundesweite Schwerpunktthema zum Tag des offenen Denkmals 2006, "Rasen, Rosen und Rabatten - Historische Gärten und Parks", gibt uns die Gelegenheit, Berliner Grün unter his-torischen Aspekten vorzustellen. Das Spektrum der Gartendenkmale reicht vom privaten Vorgarten bis zu den ausgedehnten Parkanlagen der Berlin-Potsdamer Schlösserlandschaft, die auf der Welterbeliste der UNESCO stehen. Auch bei den sechs Siedlungen der Zwanziger Jahre, die jetzt von Deutschland für die Welterbeliste vorgeschlagen wurden, bilden die von Gartenarchitekten gestalteten Grünanlagen einen integralen Bestandteil der denkmalgeschützten Gesamtanlagen. Berühmte Namen verbinden sich mit Berliner Gartendenkmalen: Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Peter Josef Lenné, die wesentliche Partien des Tiergartens schufen, Ludwig Lesser, Leberecht Migge und Erwin Barth, die in den Zwanziger Jahren auf einzigartige Weise "Licht, Luft und Sonne" für die Bevölkerung verwirklichten, oder Willy Alverdes, der in den Fünfziger Jahren seine grünen Spuren hinterlassen hat.

Schön gestaltete und gut gepflegte Gartendenkmale gehören zu Berlin wie das Brandenburger Tor oder der Reichstag. Historische Gärten und Parks bereichern unseren Alltag, sie sind Teil unserer Kulturlandschaft. Sie bedürfen ständiger Aufmerksamkeit und Pflege, denn die schnell wachsende Vegetation hält sich weder an Blickbeziehungen noch an die vom Gartenkünstler gewollten harmonischen Proportionen. Auch durch falsche und zu intensive Nutzung leiden unsere grünen Denkmale sehr - Müllberge, breitgetrampelte Pfa-de, zerstörte Pflanzen gehören in manchen Parkanlagen leider zum gewohnten Anblick. Die Gartendenkmalpfleger im Landesdenkmalamt Berlin sind jedoch, unterstützt von den Naturschutz- und Grünflächenämtern der Bezirke, seit fast 30 Jahren sehr erfolgreich in ihrem Bemühen, die Gartendenkmale zu erhalten und in Stand zu setzen. Berlin war Vorreiter, ja Begründer einer staatlichen Gartendenkmalpflege in der Bundesrepublik Deutschland, so dass die Gartenkonservatoren hier auf eine lange Tradition zurück blicken und sich auch internationaler Anerkennung erfreuen können. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt liegt heute auf der Erstellung nachhaltig wirksamer Parkpflegewerke, die die langjährige Sicherung bedeutender Parkanlagen zum Ziel haben.
Die historischen Gärten und Parks, die Friedhöfe und Stadtplätze hatten in der verdichteten Innenstadt auch schon vor der aktuellen Feinstaubdebatte eine wichtige ökologische Funktion: Als grüne Oasen dienen sie nicht zuletzt der Klimaverbesserung. Für zahlreiche Pflanzen und Tiere sind sie wertvoller Lebensraum. Nicht zu verkennen ist auch ihre Bedeutung für eine soziale Stadt: Schöne und gepflegte Grünanlagen in der Nachbarschaft sind ein Grund mehr, im Kiez zu bleiben und sich dort wohl zu fühlen; verwahrloste Frei-flächen hingegen haben eine ähnlich abschreckende Wirkung wie Graffiti oder andere Zeugnisse von Vandalismus und können ein ganzes Quartier in Misskredit bringen.

Ich freue mich auf diesen Tag des offenen Denkmals, bei dem es auch für Kenner wieder viel zu entdecken gibt. Allen Aktiven meinen herzlichen Dank, nicht zuletzt den vielen privaten Eigentümern von Gartendenkmalen, die bereit sind, die Öffentlichkeit in ihre Refugien zu lassen. Die Denkmaleigentümer sind unsere wichtigsten Partner, denn ohne ihren nimmermüden Einsatz ließen sich Gartendenkmale nicht erhalten.

Ingeborg Junge-Reyer
Senatorin für Stadtentwicklung