Denkmal  
 

Tag des offenen Denkmals 2005

Internationale Mahn- und Gedenkstätten


"Denkmale für den Frieden"

Nicht nur in Berlin sieht man 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch Spuren der damaligen Verwüstungen. In den meisten Ländern, die zwischen 1939 und 1945 von deutschen Truppen überfallen worden sind, stehen beschädigte Gebäude oder Ruinen, die bis heute von den Gräueln des Krieges zeugen. Auch außerhalb Europas finden sich Mahn- und Gedenkstätten zu Ehren der Opfer von Krieg, Unterdrückung und Vertreibung. Als Memento mori ("Denke daran, dass du sterben wirst") halten sie uns vor Augen, wie leicht Menschen und die von ihnen aufgebaute Welt zu vernichten sind. Die UNESCO hat einige der bedeutendsten Gedenk- und Mahnstätten in die Liste des Welterbes aufgenommen und macht damit deutlich: Die Erhaltung des Friedens ist Voraussetzung für die Erhaltung aller menschlichen und damit auch kulturellen Werte.

Coventry Cathedral

Die Ruinen der alten Kathedrale von Coventry, St. Michael, erinnern an die Zerstörungen, die die deutsche Luftwaffe in England verursachte: In der Nacht des 14. November 1940 wurden die mittelalterliche Stadt Coventry und mit ihr die Kathedrale von Brandbomben zerstört. Viele hundert Menschen starben bei diesem ersten Großangriff des nationalsozialistischen Deutschlands auf England. Aus den handgeschmiedeten Nägeln des ausgebrannten Dachstuhls formte ein Mitglied der Gemeinde ein Nagelkreuz, das Vorbild wurde für viele Nagelkreuze weltweit, etwa in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche oder in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße. Sie stehen als Symbol für die Versöhnung der Menschen. Unmittelbar nach der Zerstörung beschloss Coventry, neben den Kirchenruinen, die als Mahnmal erhalten blieben, eine neue Kathedrale als Zeugnis für Frieden und Versöhnung zu bauen. Nach Plänen des schottischen Architekten Sir Basil Spence entstand sie 1956-62.

Wir danken English Heritage (Katy Whitacker, Nigel Wilkens) und der Britischen Botschaft Berlin (Helen Hoffmann).

www.coventrycathedral.org.uk (in englischer Sprache)
www.english-heritage.org.uk (in englischer Sprache)


Luftbild Conventry Cathedral
Foto: 1998, English Heritage, Nr. NMR 18174/03, Copyright: English Heritage 2002


"Dorf des Martyriums" Oradour-sur-Glane

Oradour-sur-Glane im Limousin, circa 200 km nordöstlich von Bordeaux, erlangte traurige Berühmtheit durch das deutsche Massaker von Oradour am 10. Juni 1944. Unmittelbar nach der Landung der Allierten in der Normandie am 6. Juni 1944 erhielt die in Südwestfrankreich stationierte 2. SS-Panzerdivision "Das Reich" den Marschbefehl nach Norden. Auf ihrem Weg dorthin verübte sie als Vergeltung für den wachsenden französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer massive Kriegsverbrechen an der Bevölkerung. In Oradour-sur-Glane vermutete sie Widerstandskämpfer und ein Waffenlager der Résistance. Die SS ermordete fast alle Einwohner und setzte anschließend das Dorf in Brand. Es wurden 642 Opfer gezählt, darunter 207 Kinder und 254 Frauen. Als Symbol deutscher Kriegsverbrechen im besetzten Frankreich stärkte das Massaker von Oradour den Widerstand gegen deutsche Besatzer und französische Kollaborateure. 1945 wurde beschlossen, das Dorf Oradour nicht wieder aufzubauen. Die Regierung Charles de Gaulle erklärte das Ruinenensemble 1946 zum nationalen Denkmal Frankreichs. 1999 eröffnete das Centre de la mémoire, das Dokumentationszentrum von Oradour, in Anwesenheit des französischen Präsidenten.

Wir danken dem Service régionale de l'Inventaire, Direction régionale des Affaires Culturelles, Limoges (Alain Maulny, Dominique Costa) und Philippe Hertel, Conservateur des Monuments historiques, Lille Cedex.

www.oradour.org (Centre de la mémoire)


Luftbild Ordadour-sur-Glane
Foto: R. Henrard, Copyright 1997
Inventaire général ADAGP


Marzabotto

Die kleine norditalienische Gebirgsstadt Marzabotto bei Bologna wurde im September/Oktober 1944 Schauplatz eines der schlimmsten deutschen Massaker an der italienischen Zivilbevölkerung. Bei der Verfolgung der Partisanenbrigade "Stella rossa" töteten Besatzungstruppen in zahlreichen Ortsteilen der Gemeinden Marzabotto, Grizzana und Monzuno viele hundert Menschen, darunter vor allem Kinder, Frauen und Greise. Ihre Häuser wurden angezündet, die Kirchen zerstört. Heute ist das Gebiet unbewohnt, die Natur erobert sich die Ruinen zurück. Als offizielles Denkmal und Gedenkstätte erinnert seit 1989 ein circa 6.000 ha großer Geschichtspark, der "Parco storico di Monte Sole", an die Massaker. Zahlreiche Wege verbinden die Orte der Blutbäder mit den umliegenden Bergen, wo noch Reste einer deutschen Befestigungsanlage und Fluchtorte der Partisanen und Zivilisten zu sehen sind. Insgesamt erinnern etwa hundert Mahnmale und Gedenktafeln an die Ermordung der Zivilisten und Partisanen. In der Friedensschule "Campi a quattro voci" treffen sich Jugendliche aus vier Ländern - Italien und Deutschland, Israel und Palästina -, um die Verständigung zwischen den Völkern zu fördern.

Wir danken der Regione Emilia-Romagna, Istituto per i Beni Artistici, Culturali e Naturali (Vito Paticchia, wissenschaftlicher und organisatorischer Koordinator).



Der Friedhof von Casaglia
Foto: Der Friedhof von Casaglia, Vito Paticchia, Regione Emilia - Romagna, Istituto per i Beni Artistici, Culturali e Naturali


Die Atombombenkuppel in Hiroshima

Die Kapitulation Nazi-Deutschlands am 8. Mai 1945 beendete den Krieg in Europa; im asiatischen Raum standen sich weiterhin die Achsenmacht Japan und die USA gegenüber. Am 6. August 1945 zündete die erste Atombombe. Die Küstenstadt Hiroshima wurde zu 80% zerstört, geschätzte 90.000 - 200.000 Menschen starben unmittelbar, viele leiden bis heute an den Folgen der Strahlenverseuchung. In dem Viertel, das direkt unter der Explosion lag, wurde 1949-54 ein großer Friedenspark angelegt, in dem neben anderen Erinnerungsmalen auch die "Atombombenkuppel" steht. Das Gebäude entstand 1915 als Messehalle nach einem Entwurf des tschechischen Architekten Jan Letzel. Einige Mauern und die Metallkonstruktion der Kuppel haben die Bombenexplosion überdauert und wurden zu einem Symbol für den Atomkrieg. 1966 beschloss die Stadt Hiroshima, die Ruine dauerhaft zu erhalten. 1996 erfolgte die Eintragung des "Genbaku Dome" in die Liste des Welterbes - als Zeugnis für den atomaren Krieg, als Symbol für den Versuch, Nuklearwaffen zu verbannen, und für die Hoffnung auf Weltfrieden.

Wir danken dem Hiroshima Peace Memorial Museum (Natsuki Okita).

www.pcf.city.hiroshima.jp (in japanischer und englischer Sprache)
http://whc.unesco.org (in englischer Sprache)


Atombombenkuppel
Foto: Hiroshima Peace
Memorial Museum


Auschwitz

Das Konzentrationslager Auschwitz wurde für die ganze Welt zum Symbol des nationalsozialistischen Terrors, Völkermords und des Holocaust. Es bestand seit 1940. In den darauf folgenden Jahren wurde das Lager ausgebaut und bestand schließlich aus drei Teilbereichen: den Konzentrationslagern Auschwitz I (Stammlager) und Auschwitz II (Birkenau) sowie dem Zwangsarbeiterlager Auschwitz III (Monowitz). Ab 1942 wurde Auschwitz zum Ort des größten Massenmordes in der Geschichte der Menschheit. Nach Auschwitz gingen rund 640 Deportationszüge; unter den Deportierten waren 1,1 Millionen Juden, rund 150.000 Polen, 15.000 sowjetische Kriegsgefangene, 23.000 Sinti und Roma sowie Menschen aus zahlreichen anderen Nationen. Die meisten wurden nie registriert, sondern gleich nach ihrer Ankunft vergast und anschließend verbrannt. Als die Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945 Auschwitz erreichten, konnten sie noch etwa 8.000 meist schwer kranke Häftlinge befreien. Am 2. Juli 1947 beschloss das polnische Parlament, in den zwei erhaltenen Teilbereichen des ehemaligen Konzentrationslagers, Auschwitz I und Auschwitz II - Birkenau, das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau einzurichten. 1979 erklärte die UNESCO diesen Ort zum Welterbe.

Wir danken der Bundesbildstelle des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung (Robert Kreis).

http://whc.unesco.org (in englischer Sprache)


Auschwitz
Foto: Engelbert Reineke,
1977, Bundesbildstelle