Denkmal  
 

Tag des offenen Denkmals 2004

Vorwort der Senatorin für Stadtentwicklung


Stadtentwicklung und Denkmalpflege am Wasser

Berlin ist ohne Wasser nicht vorstellbar, ohne Wasser wäre es gar nicht erst entstanden. Wie alle alten Städte liegt es an einem Fluss. Wasseradern sind Lebensadern der Menschen: Für die Trinkwasserversorgung waren Flüsse in früheren Jahrhunderten ebenso wichtig wie als Transport- und Reiseweg, zum Fischen, Waschen oder für das Handwerk. Wasser ist charakteristisch für viele traditionsreiche Stadt- und Lebensräume von Berlin. Auch zahlreiche Bau- und Gartendenkmale entstanden am Wasser oder in Verbindung mit einer Wasserfunktion.

Berlin unterscheidet sich von anderen Städten am Wasser durch seine Vielfalt an Räumen, die vom Wasser geprägt sind. Obwohl es einst einen der größten Binnenhäfen Europas besaß, ist es doch keine reine Hafenstadt. Zu Berlin gehört eine bemerkenswerte Fülle von städtisch oder landschaftlich geprägten Fluss- und Kanalabschnitten und außerdem eine großartige Seenlandschaft, die ihresgleichen sucht. Flüsse, Häfen, Kanäle und Seen zählen als "Blaues Kapital" zu den weichen Standortvorteilen von Berlin.

Bis vor wenigen Jahren musste man in Berlin die Gewässer oft erst suchen, waren die Ufer doch an vielen Stellen schlecht oder gar nicht zugänglich. Private Hausgrundstücke oder Firmenniederlassungen reichten bis an die Spree, die Kanäle oder die Seeufer; die Panke verschwand über viele Kilometer gleich ganz unter der Erde. Spazierwege am Wasser waren Mangelware, auch neue Wohnquartiere mit bewusst gewähltem Blick auf Flüsse oder Kanäle entstanden kaum. Deshalb hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen Entwicklungsplan für Wasserlagen aufgestellt und begonnen, die Berliner Wasserwege und Wasserflächen wieder in die Stadt zu integrieren. Sie folgt damit dem Leitbild "Innenentwicklung vor Außenentwicklung" und den Handlungsempfehlungen der Lokalen Agenda 21. Heute steht für die öffentliche Hand die stufenweise kleinräumige Weiterentwicklung bestehender Quartiere auf dem Programm, mit dem Ziel, Wasserlagen als attraktive Orte in der Stadt wieder zu entdecken und für viele Menschen zurückzugewinnen. Der Wasserlagenentwicklungsplan eröffnet auch für die Erschließung und Nutzung denkmalgeschützter Wassergrundstücke neue Chancen.

Bereits weit fortgeschritten ist die Aufwertungsstrategie am Spreeufer zwischen Kreuzberg und Friedrichshain. Eine Region, die einst durch die Berliner Mauer in besonderer Weise leiden musste, wurde zu einer der innovativsten und attraktivsten Regionen in der Innenstadt. Ich nenne nur: Universal! MTV! Arena! TrepTower! Damit habe ich noch nicht einmal alle dortigen Attraktionen benannt. Selbst der "Kalte Krieg" und die ehemalige "Grenzsituation" sind noch präsent, tragen paradoxerweise heute zum besonderen Flair und zur Aufwertung des Bereichs bei: die East Side Gallery als Touristenmagnet, die restaurierte Oberbaumbrücke, die breite Spree mit dem neuen Schwimmbad vor der Arena oder der Uferstreifen, wo man sich am "Oststrand" erholen kann. Hier zeigt sich beispielhaft, wie sich auf brachgefallenen Flächen Urbanität etablieren kann. Mit dem Bau der "Anschutz-Arena", mit neuen Brücken und dem Erschließen des Spreeufers für Spaziergänger und neue Aufgaben wird es hier in naher Zukunft weitergehen.

Dass gerade diese Region sich so erstaunlich positiv entwickeln konnte, liegt nicht zuletzt an der hohen Denkmaldichte rund um den ehemaligen Osthafen. Die alten Gebäude auf beiden Seiten des Flusses, die historische Brücke, das junge Denkmal East Side Gallery - sie alle geben dem Gebiet eine individuelle Note, machen es interessant und anziehend auch für innovative Unternehmen. Die gute Bausubstanz tut ein Übriges, neue Nutzer anzulocken.

Das Programmheft für den diesjährigen Tag des offenen Denkmals zeigt, dass "Denkmale und Wasser" überall in der Stadt ein interessantes Thema sind. Es gibt auch in diesem Jahr sehr viel zu entdecken. Ich freue mich, dass wieder so viele Veranstalter bereit sind, ihr Bau- oder Gartendenkmal zu öffnen und es in Führungen oder Ausstellungen den Besuchern zu vermitteln. Allen Aktiven danke ich ganz herzlich für dieses Engagement und wünsche uns allen einen schönen und interessanten Tag des offenen Denkmals 2004.

Ingeborg Junge-Reyer
Senatorin für Stadtentwicklung