Denkmal  
 

Tag des offenen Denkmals 2003

Vorwort des Senators für Stadtentwicklung


Geschichte hautnah - Wohnen im Denkmal

Für den diesjährigen Tag des offenen Denkmals hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die die Veranstaltung 1993 initiierte und bis heute bundesweit die Öffentlichkeitsarbeit dafür organisiert, das Motto "Geschichte hautnah - Wohnen im Denkmal" vorgeschlagen. Aus Berliner Sicht ein spannendes und ein aktuelles Thema. Beim Motto "Wohnen im Denkmal" kann Berlin aus dem Vollen schöpfen, und das merkt man diesem Programmheft deutlich an. Das Thema ist vielfältig und reizvoll, weil in vielen Denkmalobjekten Geschichte erfahrbar und lebendig bleibt. In der Charlottenburger Schustehrusstraße kann man zum Beispiel noch heute sehen, wie beengt Bedienstete aus dem Umkreis des königlichen Schlossen gewohnt haben, und man versteht, wie wichtig es war, die Fenster klein zu halten, um die Kälte auszusperren. In der Treptower Tuschkastensiedlung lässt sich der farbenfrohe Aufbruch zum Reformwohnungsbau studieren, im Künstlerhaus St. Lukas die Verbindung von Wohnen und Arbeiten in arrivierten Künstlerkreisen.

Wohnen im Denkmal - das heißt immer häufiger auch neues und anderes Wohnen in einem umgenutzten Denkmal. Das Loftwohnen in Fabriketagen, eine neue Zweckbestimmung von alten Schulen, ja sogar Kirchengebäude werden als Wohnungen genutzt.

Bei diesem Tag des offenen Denkmals und auch beim 17. Berliner Denkmaltag, der am 11. September das lange Denkmalwochenende eröffnet, kann man sich davon überzeugen, welchen geschichtlichen Entwicklungsprozess der "Wohnort Berlin" bis heute zurückgelegt hat. Es wird gezeigt, wie sich die Stadt auf der einen Seite modernisiert hat, sich auf der anderen Seite aber treu geblieben ist. Die "soziale Stadt", die öffentlichen Räume, die Wohn- und Aufenthaltsqualität in den Quartieren - das sind besondere "Markenzeichen" der Berliner Stadtentwicklung. Daher zielen öffentliche Fördermaßnahmen für den Denkmalschutz, für die Sanierungsgebiete wie auch für unser Quartiersmanagement nicht nur darauf ab, einzelne Gebäude zu sanieren, sondern vor allem die öffentlichen Räume und die soziale Infrastruktur zu verbessern. Damit schaffen wir die Voraussetzung, dass sich Eigentümer auch der Baudenkmale annehmen, die dort noch ungenutzt und leerstehend auf ein neues Leben warten.

Denkmalpflege wird zwar öffentlich gefördert. Doch ohne das Engagement der vielen privaten Eigentümer von Bau- und Gartendenkmalen wäre eine Erhaltung der historischen Bausubstanz nicht zu leisten. So sind die meisten Eigentümer zumindest nebenberuflich auch Denkmal-Schützer, die den Gedanken der Denkmalpflege täglich leben. Sie kennen ihr Haus wie kein anderer, sie lieben, hegen und pflegen es und geben das angehäufte Wissen gerne und überzeugend weiter. Niemand kann so gut die Anliegen der Denkmalpflege vermitteln wie ein stolzer Eigentümer. Deshalb ist es besonders erfreulich, dass sich so viele Eigentümer oder auch Mieter von privat genutzten Denkmalen am Tag des offenen Denkmals beteiligen. Ihnen gebührt der besondere Dank, sind sie doch bereit, ihre private Umgebung für eine Vielzahl von Besuchern zu öffnen.

Ihnen wie auch allen anderen Aktiven beim Tag des offenen Denkmals danke ich herzlich und hoffe, dass ihr Beispiel Schule machen wird. Den Besuchern, denen in diesem Jahr so viel Neues geboten wird, wünsche ich eine schöne Veranstaltung und faszinierende Einblicke in Berlins Wohn- und Denkmalwelten.

Peter Strieder
Senator für Stadtentwicklung