Denkmal  

 

Berliner Denkmalpflegepreis (Quast-Medaille)

Preisverleihung 2003 - Pressemitteilung


Verleihung der Ferdinand-von-Quast-Medaille

Berlin, den 3. Dezember 2003

Senatsbaudirektor Dr. Hans Stimmann verlieh heute im Alten Stadthaus den Berliner Denkmalpflegepreis, die Ferdinand-von-Quast-Medaille, als Anerkennung für besondere denkmalpflegerische Verdienste. Die nach dem ersten preußischen Landeskonservator benannte Auszeichnung ging in diesem Jahr auf Vorschlag des Landesdenkmalamtes Berlin an zwei Preisträger: an die Knobelsdorff-Schule, Oberstufenzentrum Bautechnik I in Berlin-Spandau, die seit Jahren vielfältige Initiativen für die Ausbildung von Jugendlichen im Bereich der Denkmalpflege in die Praxis umsetzt, und an das Ehepaar Karin und Günther Rudat, die mit der Restaurierung des Doppelwohnhauses Sponholzstraße 23-24 in Berlin-Friedenau dem Bezirk eines seiner architektonischen Schmuckstücke zurück gegeben haben.

Die Knobelsdorff-Schule, vertreten durch die langjährige Schulleiterin Heike Pieper, gehört zu den ganz wenigen Ausbildungsstätten in Deutschland, bei denen die Arbeit an eigenen Baustellen wesentlicher Bestandteil der Ausbildung von Jugendlichen im Bauhandwerk ist. Zu ihren Besonderheiten gehört die Ausbildung zum "HaDeBau" (Handwerker in der Denkmalpflege und Bauwerkerhaltung), wo die Auszubildenden am Baudenkmal selbst lernen, historische Gebäude auf der Grundlage handwerklicher Traditionen zu sanieren. So wurden der Schulpavillon von Bruno Taut in Neukölln, das Waschhaus auf dem Gut Gatow, das Erbbegräbnis Wissinger von Max Taut auf dem Südwestfriedhof Stahnsdorf oder das Fort Hahneberg in Spandau in Stand gesetzt.

Senatsbaudirektor Dr. Stimmann: "Es ist enorm wichtig, dass gerade Jugendliche an das Thema Denkmalpflege heran geführt werden. Hier qualifizieren sie sich in Zusammenarbeit mit Restauratoren, Denkmalpflegern und anderen Fachleuten für das zukunftsträchtige Arbeitsgebiet Bauen im Bestand und werden frühzeitig auf die Aufgaben und Anforderungen der Denkmalpflege vorbereitet. Das Vermitteln handwerklicher Techniken trägt ganz unmittelbar zur Bewahrung des kulturellen Erbes bei. Ohne junge Fachkräfte, die sich für den Erhalt historischer Bausubstanz begeistern und in den alten handwerklichen Fähigkeiten geschult sind, wäre die Denkmalpflege auf Dauer überhaupt nicht mehr arbeitsfähig."

Landeskonservator Prof. Dr. Haspel unterstrich das ungewöhnlich starke persönliche Engagement von Frau Pieper für ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege und den Aufbau einer Jugendbauhütte in Berlin.

Die zweiten Preisträger, Karin und Günther Rudat, setzten ihr Haus am S-Bahnhof Friedenau in den Jahren 2001/2002 in Stand. Die Arbeiten erfolgten unter Leitung der Architektin Barbara Splett und des Restaurators Joachim Gerschler und mit Hilfe sorgfältig ausgewählter, besonders qualifizierter Handwerker. "Die Restaurierung des Wohnhauses Sponholzstraße 23-24 ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie private Eigentümer freiwillig und nur aus Liebe zum Denkmal weit über die von Behörden erhobenen Forderungen hinaus gehen, um vorbildliche Lösungen zu erzielen. Karin und Günther Rudat geben damit ein nachahmenswertes Vorbild für den Umgang mit Baudenkmalen in privater Hand", lobte Dr. Stimmann, und Landeskonservator Prof. Dr. Haspel ergänzte: "Obwohl das Unternehmen viel komplexer war als ursprünglich angenommen, bewiesen Karin und Günther Rudat große Aufgeschlossenheit gegenüber neu gewonnenen denkmalfachlichen Erkenntnissen über den Originalzustand ihres Hauses. Sie sprachen sich für denkmalgerechte Lösungen aus, auch wenn dies im Einzelfall zusätzliche Umstände bedeutete". In seiner Laudatio unterstrich Restaurator Joachim Gerschler, dass es Karin und Günther Rudat mit ihrer Begeisterung sogar gelang, die von den Bauarbeiten beeinträchtigten Mieter für die Maßnahmen zu gewinnen.