Denkmal  

 

Berliner Denkmalpflegepreis (Quast-Medaille)

Zur Person: Die Restaurierung der Franziskaner-Klosterkirche


Ferdinand von Quast war 1842-43 als Bauführer an der Restaurierung der mittelalterlichen Franziskaner-Klosterkirche in der Klosterstraße in Berlin-Mitte beteiligt - sein erstes praktisches Bauprojekt in der Denkmalpflege. Die frühgotische Klosterkirche wurde um 1250-65 als dreischiffige, kreuzrippengewölbte Backsteinbasilika errichtet und diente v.a. im 14. Jahrhundert als Begräbnisstätte für die brandenburgischen Markgrafen. Nach der Reformation wurde 1574 in einem Teil der Klostergebäude eine Schule eingerichtet, aus der das berühmte Gymnasium "Zum Grauen Kloster" hervorging. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Franziskanerkirche stark vernachlässigt.

Bereits 1813 sollte das baufällig gewordene Gebäude nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel wieder instand gesetzt werden. Trotz großen Engagements der Öffentlichkeit, die das Bauwerk als Denkmal der Geschichte empfand und seine Erhaltung forderte, begann die Restaurierung der Kirche aber erst 1842-43. Dabei kam es zu einem symptomatischen Konflikt zwischen denkmalgerechter Erhaltung im Sinne Ferdinand von Quasts und künstlerisch-ästhetischer Neugestaltung im Sinne Friedrich Wilhelm IV.

Am 1. Mai 1842 wurde Ferdinand von Quast die Bauleitung übertragen. Ihm ging es bei der Klosterkirche v.a. um die historisch getreue Wiederherstellung, die sich jeder eigenen Zutat enthielt. Das Vorhandene sollte lediglich erhalten und restauriert werden. Ferdinand von Quast schrieb dazu: "Das Ursprüngliche und Echte hat überall einen entschiedenen Werth und nicht das alt Aussehende, sondern das wirklich Alte vermissen wir in Berlin". Ferdinand von Quast untersuchte die ursprüngliche Gestalt und die von Putz und Tünche verdeckte farbige Ausmalung des Bauwerks sowie die figürlichen Malereien und die ehemals überall vorhandenen Glasmalereien. Auch sollte die Franziskanerkirche ihrem Charakter nach nicht mit einem Turm, sondern nur mit einem bescheidenen Glockentürmchen versehen werden. Der Blick auf die Kirche von der Straße aus sollte frei gemacht und der Vorplatz um so viel tiefer gelegt werden, dass die Sockel aus dem inzwischen erhöhten Boden wieder zum Vorschein kämen.

Friedrich Wilhelm IV. hingegen wünschte und befahl eine malerische Umgestaltung der Westfront an der Klosterstraße, mit zwei schlanken Türme vor den Strebepfeilern des Mittelschiffs und einem gemauerten Türmchen auf dem Giebel. Ein Arkadengang, der den Vorhof der Kirche von der Klosterstraße abschirmte, vervollständigte das romantische Architekturbild.

Ferdinand von Quast konnte sich mit seinen Vorstellungen nicht gegen den Willen des Königs durchsetzen. Die mit großem Eifer übernommene Aufgabe wurde für ihn eine große Enttäuschung, so dass er 1843 die Bauleitung wieder abgab.

Nach seinem Rückzug wurden 1844 im Innern die Rundbilder an den Längswänden des Chores abgeschlagen, obwohl sie, wie Ferdinand von Quast bemerkte, wohl aus der Bauzeit der Kirche stammten "und daher zu den ältesten Wandmalereien gehören, welche wir in Deutschland besitzen". Auch die Reste des Lettners beseitigte man, gegen deren Abbruch Ferdinand von Quast im November 1843 als Konservator der Kunstdenkmäler vergeblich Einspruch erhoben hatte.

1926-35 beseitigte man die Zutaten des 19. Jahrhunderts größtenteils wieder. Nach den Kriegszerstörungen ist die Klosterkirche nur noch als Ruine erhalten.

Klosterkirche