Denkmal  

 

Denkmalpflege vor Ort


Kraftwerk Rummelsburg

Hans-Heinrich-Müller-Preis 2005 - Kraftwerk Rummelsburg


Im Wissen um die Verantwortung für das baukulturelle Erbe stiftete die Bewag Aktiengesellschaft & Co. KG zum wiederholten Mal im Rahmen eines studentischen Ideenwettbewerbes den Hans-Heinrich-Müller-Preis. Der mit 5.000 € dotiert Preis erinnert an den Berliner Architekten, der in den 1920er Jahren das umfangreiche Bauprogramm der Bewag zur Realisierung einer stadtweiten Stromversorgung mit einer Vielzahl von Abspannwerken, Netzstationen und Kraftwerkserweiterungen umsetzte. Viele dieser Gebäude sind heute Denkmale der Industriebaukultur. Der unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen stehende Wettbewerb wurde von der Bewag Aktiengesellschaft & Co. KG und dem Landesdenkmalamt Berlin zum Tag des offenen Denkmals am 11. September 2004 ausgelobt.

Im Rahmen des Ideenwettbewerbs sollten Nutzungskonzepte für das stillgelegte Kraftwerk in Berlin-Rummelsburg (Rummelsburger Landstraße 2-12, Treptow-Köpenick) unter Einbeziehung der umliegenden Freiflächen an der Spree entwickelt werden, die zur Erhaltung des denkmalgeschützten Objektes beitragen. Es sollten Revitalisierungschancen aufgezeigt werden, mit denen das hochkarätige Denkmal unter Bewahrung der denkmalgeschützten Substanz und in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen einer neuen Funktion zugeführt und mit zeitgenössischer Architektur ergänzt werden kann.

Das historische Kraftwerk, das sich im Eigentum der Bewag befindet, bildet den Auftakt zu einer architektonisch und zeitgeschichtlich bedeutsamen Industrielandschaft an der Spree. In Nachbarschaft zum Großkraftwerk Klingenberg, der Gaswerkersiedlung und dem ehemaligen DDR-Rundfunkzentrum in der Nalepastraße kommt der Entwicklung des Standortes eine besondere Bedeutung zu.

Das Kraftwerk Rummelsburg wurde 1906-07 nach einem Abkommen mit dem Magistrat erbaut. Da für die Rummelsburger Anlage erstmals ausschließlich Turbinen eingesetzt wurden, übertraf das Werk die Leistung aller bisherigen Kraftwerke. Wie bei früheren Kraftwerksanlagen lagen auch in Rummelsburg Kessel- und Maschinenhalle direkt nebeneinander. Ein kleineres straßenseitiges Schalt- und Betriebsgebäude ergänzte die ursprüngliche Anlage. Der weiterhin steigende Strombedarf machte schon bald ihren Ausbau erforderlich. In mehreren Erweiterungsstufen wurden die Hallen nach Südosten verlängert. Die prägnanteste Erweiterung erfolgte 1925-29 nach Plänen Hans Heinrich Müllers, der den neuen bis an die Grundstücksgrenze reichenden Gebäudeteilen eine monumentale Fassade vorblendete, die sachlichen und expressionistischen Gestaltungsprinzipien verpflichtet ist. Nach fast 60 Jahren Betrieb wurde das Kraftwerk 1966 vom Netz genommen. Mit der Stilllegung wurden die technischen Anlagen weitestgehend demontiert, die Förderanlagen auf dem großen Grundstück an der Spree entfernt und die Schornsteine niedergelegt. Die großen Hallen dienten fortan als Lagerräume. Der fortschreitende Verfall der Anlage führte 2001 zu einem mit dem Landesdenkmalamt abgestimmten Teilabriss. Das vom Einsturz bedrohte Kesselhaus wurde bis auf die von Hans Heinrich Müller angelegte Fassade abgebrochen. Das benachbarte Maschinenhaus und das Schalt- und Betriebsgebäude sind in ihrem Bestand gesichert.
Seit 1994 steht das Kraftwerk als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Wegen seiner Bedeutung für die Energiegeschichte als erstes Dampfturbinenwerk im zur Metropole anwachsenden Berlin der Zeit nach der Jahrhundertwende, seinem baukünstlerischen Wert als wilhelminisches Hochspannungskraftwerk mit den Erweiterungen durch Hans Heinrich Müller ist es ein herausragendes Monument der Berliner Denkmallandschaft. Es verkörpert den Prototyp des Hochspannungskraftwerkes, der Ausgangspunkt für den Sieg der AEG-Kraftwerkstechnologie in der ganzen Welt war.

Mehr als 250 Architekturstudenten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Dänemark, Finnland, Frankreich, Litauen, Polen, Portugal und der Slowakei beteiligten sich am Hans Heinrich-Müller-Preis 2005 und reichten Vorschläge zur Revitalisierung des prominenten Industriedenkmals ein. Dabei reichten die hervorragend ausgearbeiteten Vorschläge vom Yachthafen und Produktionsstandort bis zur Indoor-Golfanlage und Kulturstandort.
Nach eingehender Prüfung und Diskussion der eingereichten Arbeiten entschied sich die Jury für die Verleihung des Hans-Heinrich-Müller-Preis 2006 an:

  • Preis (1.000 Euro) Stattlich bestatten
    Barbara Graf und Jens Lorbeer, Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne, Technische Universität Berlin
  • Preis (1.000 Euro) Yachtwerk
    Leon Lenk und Stefan Schmidt, Fachhochschule Potsdam,
    Lehrstuhl Prof. Ludger Brands
  • Preis (1.000 Euro) ETZ – Energietechnologiezentrum
    Marco Oldenburg und Heico Schoog, Fachhochschule Potsdam, Lehrstuhl Prof. Ludger Brands
  • Preis (1.000 Euro) Kunst – Spiel – Räume
    Aleksandra Dlugaiczyk und Andreas Ebner, Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt,
    Lehrstuhl Prof. Dr. Janofske, Prof. Schirmer, Prof. Voitländer
  • Preis (1.000 Euro) Alles im Fluss
    Mariya Yankulova, Universität Stuttgart,
    Lehrstuhl Prof. Peter Cheret
Die Ergebnisse des Wettbewerbes sind in einer zweisprachigen Publikation (dt./engl.) dokumentiert, die beim jovis-Verlag erschienen ist:

Kraft und Energie. Hans-Heinrich-Müller-Preis 2005.
Berlin 2005. ISBN 3-936314-38-1. 25,- €

Weitere Informationen unter www.laufwerk-b.de.

Kontakt zur Wettbewerbsbetreuung: info@laufwerk-b.de