Denkmal  

 

Bodendenkmalpflege - Mit der U 5 bis ins Mittelalter von Berlin

Februar 2010


Grabungen entlang der Trasse des geplanten Baus der U-Bahnlinie 5, Grabungsfunde


Die Grabungen haben erst vor kurzer Zeit begonnen und doch gibt es bereits einige bemerkenswerte Funde und Befunde:

Auf verschiedenen Grundstücken der ehemaligen Königstraße (heute: Rathausstraße) haben sich Reste von Kellergruben, Brunnen und eines Kalkbrennofens erhalten, die unter den bis 1945 genutzten Kellerbauten liegen. Naturwissenschaftlich durchgeführte Datierungen belegen eine Besiedlung des Areals bereits ab 1220. Bisher hielten viele Historiker die Aufsiedlung im Bereich der ehemaligen Königstraße erst ab der Mitte des 13. Jahrhunderts für möglich. Die nun ausgegrabenen Befunde aus der Zeit der Stadtrechtverleihung um 1230 sind wichtige neue Mosaiksteine zur frühen Stadtgeschichte Berlins.

Neben zahlreichen Keramikfragmenten des 13. und 14. Jahrhunderts aus verschiedenen Befunden und Kulturschichten hat sich in der Verfüllung eines Brunnens ein Mündelbecher aus blaugrauer Keramik erhalten. In einem ehemaligen Holzkeller kam ein Knochenkamm zu Tage. Beide Funde datieren in das 13. Jahrhundert.

In einem Hofbereich, der von Umbauten verschont geblieben war, zeigte sich ein Paket von 12 Kulturschichten. Sie belegen, dass das Gelände seit dem 13. Jahrhundert durch Brandschichten und Aufschüttungen um über zwei Meter in die Höhe gewachsen ist.

Von Bedeutung ist auch der Fund von teilweise erhaltenem spätmittelalterlichem Kellermauerwerk aus der Mitte des 15. Jahrhunderts bzw. vom Anfang des 16. Jahrhunderts auf dem Grundstück Königstraße 61. Das Stadtbild war in jener Zeit durch Fachwerkbauten aus Holz und Lehm geprägt. Bei den nun ergrabenen Mauern handelt es sich um die frühesten bekannten Backsteinmauern bei Profanbauten in der Innenstadt.

Der Nachweis dieser frühen Steinbauten aus Backstein- und Feldsteinmischmauerwerk legt nahe, dass die (spätere) Königstraße mit der Errichtung des Berliner Schlosses ab der Mitte des 15. Jahrhunderts für den Stadtadel und das Bürgertum zur bevorzugten Wohnadresse wurde und sich hier der Backsteinbau früher und schneller durchsetzte als in anderen Stadtquartieren Berlins.

Außerdem wurde hier außergewöhnlich qualitätvolle Keramik gefunden, was ebenfalls für die Anwesenheit wohlhabender Familien in der Königstraße spricht. Zu diesen Funden gehören zwei fast vollständig erhaltene Fußschalen norditalienischer Majolika aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhundert, die mit farbiger Figurenmalerei geschmückt sind. Sie zeigen Szenen aus der römischen Geschichte und dem Neuen Testament, die Inhalte humanistischer Bildung und typisch für die Renaissancezeit waren.

Die Erhaltung von mittelalterlichen Funden und Befunden ist nach derzeitiger Einschätzung besser als erwartet. Die gründerzeitliche Bebauung des späten 19. Jahrhunderts hat weniger Zerstörungen angerichtet als in anderen Quartieren Berlins. Wegen der anhaltend winterlichen Witterung finden die Grabungen im Moment nur in den Kellern der bis 1945 genutzten Häuser statt. Auch dort haben sich mehrere alte Keller aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten, sogar in Gebäuden, die (oberirdisch) erst Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind.

Der Abriss der Mauern und Kellerböden erfolgt, wenn die Frostperiode endet. Danach werden die darunter liegenden mittelalterlichen Holz- und Erdbefunde untersucht und dokumentiert.

 





Kontakt


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