Denkmal  

 

Bodendenkmalpflege


Überblick vom südlichen Teil der Grabungsfläche mit dem Hausgrubenbefund und dem Kalkbrennofen Einlagiger Knochenkamm mit Loch- und Riefenverzierung aus Befund 240
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Germanische Siedlung in Berlin-Buch


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Von Anfang Mai bis Anfang August 2005 fand eine kleine Flächengrabung auf dem germanischen Siedlungsplatz in Buch statt (Bild 1). Insgesamt kamen auf einer Fläche von etwa 1.200 qm 142 Befunde zu Tage, von denen 15 in die frühe Eisenzeit und acht in die frühe römische Kaiserzeit datiert werden können. Neben Pfosten- und Abfallgruben, Feuerstellen, dem Rest eines Holzkohlemeilers und drei offenen Brenngruben unbekannter Funktion, waren der Fund zweier Grubenhäuser, einer mit Kalksteinen gefüllten Grube und eines Kalkbrennofens aus der römischen Kaiserzeit von besonderem Interesse.

Eine große Überraschung bildete das Auffinden eines Depots von schollenartig geschlagenen Kalksteinen in einer Grube (Bild 2). Die enthaltene Menge der Kalksteine betrug ca. 70 Liter. Ursprünglich könnte der Vorrat in der Grube etwa 100 Liter betragen haben. Mit der Entdeckung eines ovalen Kalkbrennofens (Bild 3 und 4). von ca. 1,60 x 1,30 m Größe (1) in etwa 10 m Entfernung wird die Nutzung von Kalkstein als Rohmaterial für die Herstellung von Branntkalk auf der kaiserzeitlichen Siedlung sehr wahrscheinlich. Bisher ging man davon aus, dass in der römischen Kaiserzeit nur Wiesenkalk oder vereinzelt Osteoknollen (Kalkknollen) für die Gewinnung von Branntkalk verwendet wurden. Da aber bei Kalkstein wie bei Wiesenkalk die gleichen Temperaturen von etwa 900 Grad C benötigt werden um Branntkalk zu gewinnen, bildete die bekannte Technologie kein Hindernis für die Verwendung von Kalkstein.

Die Untersuchung des in Buch gefundenen Kalksteins ergab, dass der Kalkstein von den Rüdersdorfer Steinbrüchen stammt (2) und es sich nicht um eiszeitlich verlagerten skandinavischen Kalkstein handelt. Dieses Ergebnis ist insofern besonders interessant, da man den Beginn des Abbaus von Kalkstein in Rüdersdorf bisher ins deutsche Mittelalter datierte.

Beim Freilegen der zwei Hausgruben zeigte sich, dass es sich um ehemals 8-Pfosten-Grubenhäuser handelte, die beide im 2. Jh. n. Chr. errichtet und genutzt wurden. An einer Stelle gab es eine leichte Überschneidung, wobei erkannt wurde, dass die südlichere Hausgrube (Befund 240) die Andere (Befund 241) schnitt und somit jünger ist. Die Größe der Häuser betrug ca. 3,60 x 4,00 m bzw. 3,00/3,40 x 4,00 m.

Eine bautechnische Besonderheit wies der Grubenhausbefund 240 auf. Im Planum 3 kam zwischen dem Mittel- und Außenpfosten an der Schmalseite des Hauses ein Steinpflaster zu Tage (Bild 5 und 6). Das Pflaster bestand aus faust- bis kindskopfgroßen, ungebrannten Steinen, die ein- bis zweilagig verlegt waren. Es befand sich zu 2/3 vor der hier zu vermutenden Eingangstür und verlief vor dem Haus waagerecht und im Inneren mit einem leichten Gefälle (Bild 7). Eine so eindeutige Befestigung eines Zugangs zu einem Grubenhaus ist im Berlin-Brandenburgischen Raum bisher nicht bekannt. Ob eine besondere Nutzung des Gebäudes oder bei Unwetter der ständige Matsch vor und in dem Haus zur Pflasterung des Eingangsbereiches führten, bleibt unbekannt.

Nach Aufgabe der Gebäude wurden die Hausgruben als Abfallgruben genutzt. Vor allem in der noch 35-40 cm starken Hausgrubenfüllung des Befundes 240 lagen Hunderte von Keramikfragmenten und Tierknochen, die kurz nach der Nutzungszeit des Baus in die Grube gelangten. Die Erfassung der Funde ergab u. a., dass etwa 20 verschiedene Kümpfe (bauchiges Gefäß mit einziehendem Rand), 10 Schalen, je zwei bis drei Großgefäße, Schüsseln, Henkeltöpfe, Pokale und Töpfe in der 2. Hälfte des 2. Jh. n. Chr. von den Bewohnern entsorgt wurden. Darunter befand sich eine mehrzeilig-rädchenverzierte Schale mit einem sich wiederholenden geometrischen Mäandermotiv (2 x Bild 8: Zeichnung und Foto) und ein riefenverzierter Topf mit einem sich wiederholenden floralen Motiv (2 x Bild 9: Zeichnung und Foto). Ein einlagiger Knochenkamm mit Loch- und Riefenverzierung lag ebenfalls in den Füllschichten des Grubenhauses (Bild 10).

Die Tierreste belegen die typischen Schlacht- und Nahrungsabfälle von Siedlungen der römischen Kaiserzeit. Insgesamt ließen sich 344 Funde tierartlich bestimmen (3), wovon 330 von Haustieren stammen. Davon entfallen 123 auf das Rind, 144 auf Schaf bzw. Ziege, 51 auf das Schwein und 12 auf das Pferd. Auffällig ist der bisher auf keiner anderen kaiserzeitlichen Siedlung im Spree-Havel-Gebiet nachgewiesene hohe Anteil von Schafen und Ziegen unter den Tierresten. Es müssen für die vermehrte Haltung dieser Tiere günstige Bedingungen in Buch bestanden haben und neben der Fleisch- und Milchgewinnung wird vor allem das Bedürfnis nach Wolle ausschlaggebend für die Aufzucht von Schafen gewesen sein. Der Wildtieranteil betrug 4,1% der bestimmbaren Tierreste und bestand aus Knochen vom Reh, Rothirsch, Wildschwein und Hasen. Die Jagd besaß demzufolge für die Sicherstellung der Ernährung der Bewohner keine wesentliche Bedeutung.



(1) Ein gleichartig gebauter, jedoch größerer Ofen (Befund 851) kam bereits 1990 im Terrain der kaiserzeitlichen Siedlung zu Tage. Vgl. M. Hofmann: Die Ausgrabung einer germanischen Siedlung in Berlin-Buch. Berliner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte, Neue Folge, Bd. 11, 2003, 19 f.
(2) Die Untersuchung des Kalksteins führte freundlicherweise Frau Dipl.-Geol. Beate Mekiffer von der TU Berlin durch.
(3) Die Bestimmung der Tierreste führte freundlicherweise Herr Prof. Dr. Norbert Benecke vom Deutschen Archäologischen Institut durch.