Denkmal  

 

"Erkennen und Erhalten" - Faltblattreihe

St. Hedwigs-Kathedrale

Bebelplatz, Berlin-Mitte

Opernplatz mit Hedwigskirche, 1841; Abbildung: Stich von Brehme  


Von der Straße Unter den Linden, dem prominenten Prachtboulevard der Hauptstadt, fällt am Bebelplatz (Forum Fridericianum) ein Bauwerk durch seine ungewöhnliche Form als Rundbau ins Auge: Die St. Hedwigs-Kathedrale schließt als Blickpunkt die Südostecke des barocken Rechteckplatzes ab.

König Friedrich II. (1712-1786, seit 1740 König) ließ die Hedwigskirche am Forum Fridericianum, in bevorzugter Lage, als erste repräsentative katholische Kirche nach der Reformation in Berlin erbauen. Der entsprechend den Vorstellungen des Königs nach dem Pantheon-Motiv in Rom errichtete Zentralkuppelbau stellt heute das älteste und zugleich zentrale historische Bauzeugnis in Berlin dar, das aus der gemeinsamen politischen Vergangenheit Preußens und Polens hervorgegangen ist. Friedrich II. hatte durch den Sieg über Österreich im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) die bereits 1740 eroberte Provinz Schlesien endgültig gesichert. Er widmete die den katholischen Mitbürgern errichtete Kirche der Schutzpatronin Schlesiens, der Heiligen Hedwig (1147-1243).

Das freistehende, außen wie innen klar als Rundbau erkennbare Berliner Monument öffnet sich nach der Platzseite hin, diagonal zu dessen Nord-Süd-Richtung, mit einer repräsentativen vorgelagerten Eingangshalle in Form eines Säulenportikus mit Giebeldreieck, der von drei Seiten her über eine neunstufige Treppenanlage erreichbar ist. Auf der dem Portikus gegenüber liegenden Seite ist von außen, ebenfalls über kreisrundem Grund, eine Sakristei angefügt.

Eine frühe Darstellung des Opernplatzes mit Hedwigskirche aus dem Jahr 1747 zeigt den Kirchbau mit hoher überkuppelter Laterne, wie er im barocken Verständnis hätte aussehen sollen. Die Kuppel erhielt jedoch gleich ihrem römischen Vorbild ein rundes Oberlicht, durch das das Himmelslicht direkt in den Gottesraum trat. Das Gebäude galt so als unfertig und erhielt 1884/87 eine stattliche barockisierte Laterne als Kuppelbekrönung.

Während in der überlieferten Nachkriegsgestaltung die Außenfassaden entsprechend ihrer historischen Gestaltung wiederhergestellt wurden, hat der Architekt Hans Schwippert für die Kuppel den ursprünglichen Grundgedanken mit einfachem Oberlicht wieder aufgegriffen und das Motiv des Kreises in der neuen Innenraumgestaltung thematisiert. Unter bestmöglicher Wahrung des historischen Raumgefüges schuf er einen zeitgenössischen modernen Raum, der durch die Reduktion der Oberflächendekoration auf die primäre Struktur und Gliederung und auf seine Bauteile sowie durch die gediegene Materialwahl und Oberflächenbehandlung eine große Konzentration, Klarheit und zurückhaltenden edlen Glanz ausstrahlt. Der Raum stellt die einzige moderne Kirchraumschöpfung einer kriegszerstörten Bischofskirche in Deutschland nach dem Kriege dar. Durch den Einbau der Unterkirche anstelle der ehemaligen Krypta und die Neuordnung des liturgischen Hauptraumes war nun, fast 30 Jahre nach seiner Erhebung zur Kathedrale, das Gotteshaus den funktionalen Anforderungen an eine zeitgenössische Bischofskirche gerecht gemacht worden, wobei der Zentralraum den Architekten teilweise Forderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) vorwegnehmen ließ.

Trotz kontinuierlicher Baupflege seit ihrem Wiederaufbau vor rund einem halben Jahrhundert mussten in den letzten Jahren die Außenfassaden und die Reliefe umfassend saniert werden. Bauvorbereitende Untersuchungen und das Anlegen einer Musterachse zeigten, dass die Konservierung der jetzigen Putzfassung möglich ist, die Bereiche von Sandsteinimitation mit "gestockten" bzw. "scharrierten" Oberflächen enthält. Obwohl nur die Gesimse und der Sockel aus Sandstein bestehen, wirkt die gesamte Fassade mit der Putzquaderung wie eine Natursteinfassade. Besondere Sorgfalt verlangte die Instandsetzung der architektonischen und figürlichen Teile aus Sandstein. Für die Arbeiten wurden 960.000,00 Euro benötigt.


Spendenaufruf

Die Kirchengemeinde freut sich auch weiterhin über jede finanzielle Unterstützung von Ihnen:

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Für ihre Gemeindeglieder sowie die zahlreichen auswärtigen Gläubigen und Touristen (über 200.000 pro Jahr) leistet die kleine Gemeinde eine herausragende kirchendienstliche und kulturelle Arbeit: Die Pforten stehen jederzeit offen. Sonntags werden jeweils vier und wochentags je zwei Heilige Messen gefeiert. Jährlich werden über 900 Heilige Messen zelebriert. Neben dem religiösen stellt die Kirche auch ein Zentrum zur Pflege der Kirchenmusik dar. In der Oberkirche finden 438 und in der Unterkirche 100 Menschen einen Sitzplatz. Zu den Sonntagsgottesdiensten kommen durchschnittlich 900 bis 1.000 Gläubige. Es werden Führungen in Deutsch und in Fremdsprachen, insbesondere Englisch, Polnisch, Russisch und Portugiesisch, angeboten.


Stand: April 2009


Hauptebene, aktueller Grundriss; Abbildung: Archiv Landesdenkmalamt Berlin
Hauptebene, aktueller Grundriss

Sandstein mit barocker Oberfläche (Scharrierung) und Steinmetzzeichen; Foto: Frank Loyal, BBI B GmbH
Sandstein mit barocker Oberfläche (Scharrierung) und Steinmetzzeichen
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Zeittafel

1747/1773   Baubeginn (Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, 1699-1753 und Johann Boumann d.Ä. 1706-1776)/ Kirchweihe
1821   Bindung der Berliner Katholiken an das Fürstbistum Breslau
1884/1887   Renovierung, Errichtung der Laterne (Max Hasak, 1856-1934)
13.08.1929   Der Delegaturbezirk wird zum selbstständigen Bistum Berlin erhoben, Dr. Christian Schreiber wird erster Bischof
1930   Bistumsgründung, Erhebung zur Kathedrale, Umgestaltung (Clemens Holzmeister, 1886-1983)
1943   Kriegszerstörung
1952/1963   Wiederaufbau, 1960/63 Innenraum (Hans Schwippert, 1899-1973)
01.11.1963   Altarweihe durch Bischof Alfred Bengsch
ab 1976   Einbau der Klais-Orgel, fortlaufend Erhaltungsarbeiten
2002   Restaurierung des Tympanonreliefs (Schötschel und Bluhm)
2005/2009   Bauvorbereitung, Musterachse, Restaurierung von Fassaden und Reliefen (Planungsbüro BBI B GmbH, Restauratorenkollektiv Schwarzer und Ricken, Restaurator Burkhard Bluhm)
 


Faltblatt-Impressum

  • Herausgeber: Katholische Kirchengemeinde St. Hedwig
  • Abbildungen:
    2000/2001 - Wolfgang Bittner, Landesdenkmalamt Berlin,
    2006 - Frank Loyal, BBI B GmbH, 2008 - Burkhard Blum, 2009 - Sibylle Schulz
    andere - Archiv Landesdenkmalamt Berlin
  • Text: Sibylle Schulz, Frank Loyal
  • Idee/Redaktion: Sibylle Schulz/Landesdenkmalamt Berlin
  • Herstellung/Gestaltung: pro.fund gmbh/© Jo Hartmann
  • Aus der Reihe: Erkennen und Erhalten in Berlin 2007, Nr. 18
    (1. aktualisierte Nachauflage 4/2009)
    Initiative Landesdenkmalamt Berlin

Links

Innenraum 2001, mit Blick in beide Ebenen; Foto: Wolfgang Bittner, Landesdenkmalamt Berlin
Innenraum 2001, mit
Blick in beide Ebenen

Hedwigskirche um 1750, Stich von Schleuen; Abbildung: Archiv Landesdenkmalamt Berlin
Hedwigskirche um 1750, Stich von Schleuen

Aufnahme 1935; Foto: Archiv Landesdenkmalamt Berlin
Aufnahme 1935

nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, 1946; Foto: Archiv Landesdenkmalamt Berlin
nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, 1946

Aufnahme 2001; Foto: Wolfgang Bittner, Landesdenkmalamt Berlin
Aufnahme 2001

Detail Ziergitter am Eingang der Sakristei, 2009; Foto: Sibylle Schulz, Landesdenkmalamt Berlin
Detail Ziergitter am Eingang der Sakristei, 2009

Portikus, Detail Relief 'Verkündigung' Vorzustand, 2008; Foto: Burkhard Blum
Portikus, Detail Relief "Verkündigung" Vorzustand, 2008

Portikus, Detail Relief 'Verkündigung' Nachzustand, 2008; Foto: Burkhard Blum
Nachzustand, 2008