Denkmal  

 

"Erkennen und Erhalten" - Faltblattreihe

Herz-Jesu-Kirche

Fehrbelliner Straße 98, Berlin-Prenzlauer Berg

Herz-Jesu-Kirche, Postkarte um 1900, Abbildung: Repro Landesdenkmalamt Berlin  


Auf der Anhöhe zum Prenzlauer Berg, nördlich der Torstraße, wirkt der 55 Meter hohe Glockenturm der katholischen Kirche Herz Jesu weit in das Stadtbild hinein. Während sich in der Fassadenflucht zur Fehrbelliner Straße hin das eingebaute Kirchenschiff zusammen mit dem Pfarrhaus präsentiert, öffnet sich das Grundstück an der Schönhauser Allee 182 mit einem Hof, der durch zwei gegenüberliegende Gebäude, ehemals Mädchenwohnheim und höhere Mädchenschule, räumlich gefasst ist. Im Blickpunkt steht die dreischiffige, in niedersächsisch-romanischem Stil errichtete Basilika. - Wer würde schon hinter der Fassade aus Sandstein und Muschelkalk-Bruchstein mit ihrer regellosen Fugenordnung ein Raumkunstwerk erwarten, das weit über Berlin hinaus einzigartig ist!

1895 wurde der Kirchenneubau für die 1892 gegründete neue Pfarrei beschlossen, die unter dem Patronat des Heiligsten Herzen Jesu stand.

Die Bevölkerungsentwicklung in den umgebenden Quartieren verlangte auch der Katholischen Kirche vielseitige Aufgaben ab, für die die Gebäude auf dem über 3000 qm großen, unregelmäßigen Grundstück optimal anzuordnen waren.

1895 übernahm Christoph Hehl (1847-1911) die Entwurfsgestaltung.
Die Kirche wurde im Oktober 1898, nach nur 16 Monaten Bauzeit, eingeweiht und zählt zu den Hauptwerken Hehls.

Wegen der geringen Bauplatzverhältnisse war der Kircheninnenraum frühzeitig für den Schwerpunkt der theologisch-künstlerischen Ausstattung bestimmt worden. Schließlich kam ab 1911 dessen komplette Ausmalung zur Ausführung, die sich bis heute erhalten hat: Eine byzantinisch anmutende, farbige Gestaltung überwältigt. Ikonographisches Programm und Bildfolge knüpfen an frühromanische Kirchen in Italien an. Über Stucco-Lustro-Malereien mit grün-weißen Marmorimitationen erhebt sich eine Zone mit figürlichen Darstellungen von Heiligen. Die Gewölbe sind mit Dekorationsmalerei und christlicher Symbolik gefasst.

Die Herz-Jesu-Kirche zeigt einen der ältesten, authentisch überlieferten, mit Mineralfarben der Firma Keim ausgemalten Innenräume. In den letzten Jahren hat die Kirchengemeinde alle Vorbereitungen zur Sanierung der inzwischen düster scheinenden und teilweise gefährdeten Ausmalung getroffen; denn eine ganze Reihe von Schadensursachen und die komplizierte Schadensdynamik waren zu klären, bevor mit der Restaurierung begonnen werden konnte. Es waren unfangreiche Maßnahmen an der baulichen Hülle erforderlich.

Erst als im Zusammenwirken der Gemeinde mit Denkmalpflegern, Architekten, Restauratoren und Naturwissenschaftlern ein konservatorisch wie optisch akzeptables Restaurierungskonzept entwickelt und erprobt war, konnte mit dem dringlichsten Sanierungsabschnitt begonnen werden: Zu Weihnachten 2004 waren die Malereien im westlichen Seitenschiff in ihrem tatsächlichen, neu entstandenen alten Glanz wiedererlebbar. Dies wurde durch großflächige Salzgipsumwandlung, Salzrückdrängung, Salzreduzierungsmaßnahmen und Schließung von Fehlstellen sowie dank restauratorischem Geschick möglich. Kürzlich konnten die Arbeiten im östlichen Seitenschiff abgeschlossen werden.

Über gut besuchte Gottesdienste hinaus organisiert die "junge" und vitale Gemeinde kulturelle Veranstaltungen. Der Kindergarten bereichert das Gemeindeleben.


Spendenaufruf

Für die Nebenapsiden, den Chorbereich und Tambour - den theologisch höchsten Raumteilen - appellieren wir an das bürgerschaftliche Engagement.

Spenden bitte an:
Förderkreis der Herz-Jesu-Kirche in Berlin-Prenzlauer Berg e.V.,
Konto-Nr. 6000 898 013, BLZ 100 601 98, Pax-Bank eG Berlin


Stand: August 2005


Innenraum, nach Süd, Blick zum Chor, 2005, Foto: Frank Vetter
Innenraum, nach Süd, Blick zum Chor, 2005
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Zeittafel

1889   Erwerb des Gründstücks, erste Gottesdienste in einer Kapelle
1892   Gründung der Pfarrei Herz Jesu
1895   Beschluss zum Kirchenneubau, Planungsleitung durch Professor Hehl
1896   Baubeginn: Mädchenwohnheim, höhere Mädchenschule
Juni 1897   Grundsteinlegung Kirche, Weihe Oktober 1898, Hauptschiff 15m breit/
Tonnengewölbe, Seitenschiffe 4 m breit/Kreuzgewölbe
1899   Einweihung der Orgel von Firma Eggert/Paderborn (40 Register);
älteste erhaltene Orgel im Erzbistum Berlin
1911-13   Ausmalung durch Friedrich Stummel (Chor, Zentralkuppel)
1926-28   Vollendung durch Karl Wenzel (Schüler von Stummel)
1992   Verlegung der Mädchenschule (Theresienschule)
seit 1998   schrittweise grundlegende Sanierung der Gebäude (Tobias Jaklin)
seit 2004   Restaurierung der Raumausmalung
(Katrin Pöhland/Katrin Drabner, Gottfried Grafe)
 


Faltblatt-Impressum

  • Herausgeber: Förderkreis der Herz-Jesu-Kirche in Berlin-Prenzlauer Berg e. V.
  • Abbildungen:
    Titelbild: Postkarte um 1900
    Fotos: Innenraum - Frank Vetter
    Zustandsfotos/Kartierung - Drabner, Pöhland
    Historische - Repro - Landesdenkmalamt Berlin
  • Konzept/Redaktion: Sibylle Schulz, Landesdenkmalamt Berlin
  • Text: Wiebke Kötter
  • Herstellung/Gestaltung: © Divergenz GmbH/Jo Hartmann
  • Aus der Reihe: Erkennen und Erhalten in Berlin August 2005, Nr. 5
    Initiative Landesdenkmalamt Berlin
Die Maßnahmen wurden durch das Landesdenkmalamt Berlin, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Links

Lageplan und Grundriss von Christoph Hehl, Abbildung: Repro Landesdenkmalamt Berlin
Lageplan und Grundriss von Christoph Hehl

westliches Seitenschiff, Kreuzgewölbe, restauriert 2004, Foto: Drabner, Pöhland
westliches Seitenschiff, Kreuzgewölbe, restauriert 2004

westliches Seitenschiff, Schadenskartierung, Ausschnitt, Abbildung: Drabner, Pöhland
westliches Seitenschiff, Schadenskartierung, Ausschnitt

westliches Seitenschiff, Gewölbekappe 4, Joch 1-2 (Ausschnitt), Vorzustand (links) und nach Abschluss der Restaurierung (rechts), Fotos: Drabner, Pöhland
westliches Seitenschiff, Gewölbekappe 4,
Joch 1-2 (Ausschnitt),
Vorzustand (links) und nach Abschluss der Restaurierung (rechts)