Denkmal  

 

Berliner Siedlungen der 1920er Jahre auf der UNESCO Welterbe-Liste

"Außenwohnräume"


Hauseingang
Hauseingang

Licht, Luft und Sonne

Bis in die zwanziger Jahre hinein grassierte in Berlin als typische Krankheit der städtischen Armen die Tuberkulose. Als Inbegriff von "Licht, Luft und Sonne" erhielt das wohnungsnahe Grün in den neuen Siedlungen deshalb konstitutive Bedeutung. Das zeigt sich schon an der Beteiligung führender Gartenkünstler wie Ludwig Lesser und Leberecht Migge an den Planungen.

Taut sah in den Freiräumen "Außenwohnräume" - eine Fortsetzung der Wohnung in luftigen, grünen Zimmern, während sie bei Scharoun zum prägenden Merkmal der angestrebten "Nachbarschaft" wurden.

Um die Gartenanlagen einheitlich zu gestalten, entwickelte bereits Lesser für die Privatgärten der Gartenstadt Falkenberg detaillierte, verbindliche Pflanzlisten. Für die Hufeisensiedlung standardisierte Migge zehn Jahre später die Grundausstattung der Siedlergärten, indem er Mustergärten als Vorbilder anlegen ließ.

Ludwig Lesser
Ludwig Lesser
1869 - 1957

Die wichtigsten Gartenarchitekten
der sechs Siedlungen
Leberecht Migge
Leberecht Migge
1881 - 1935

Privat, gemeinschaftlich, öffentlich

Parallel zur wachsenden Verdichtung zeigt die Abfolge der sechs Siedlungen dabei einen Funktionswandel der Freiräume: In Falkenberg gehörte zu jeder Wohnung noch ein 135 bis 600 m² großer Mietergarten, der auch der Selbstversorgung diente. In der Siedlung Schillerpark dominieren bereits gemeinschaftlich genutzte, halboffene Gartenhöfe. In der Ringsiedlung schließlich zeigen die zwar öffentlich zugänglichen, aber eben doch zur Siedlung gehörenden Grünanlagen, dass der Wandel vom individuellen Nutzgarten zum von allen Bewohnern genutzten Erholungsgrün vollzogen war.

Damit einher geht ein ästhetischer Wandel, der das Pittoreske der Gartenstadtbewegung immer mehr aufgibt und durch großflächigere Parkanlagen ersetzt.

Heute sind gerade die Privatgärten in ihrer ursprünglichen Form gefährdet. Der Wandel vom Nutz- zum Wohn- und Ziergarten führte etwa zum Verschwinden vieler Obstgehölze. Im Zentrum der denkmalpflegerischen Bemühungen steht deshalb die Aufklärung der Bewohner, ohne die eine Wiedergewinnung der ursprünglichen Anlagen nicht möglich ist.

Gartenhof in der Wohnstadt Carl Legien, um 1930
Gartenhof in der Wohnstadt Carl Legien, um 1930
Frisch gepflanzte Hochobststämme und Staudenrabatten
Frisch gepflanzte Hochobststämme und Staudenrabatten

Wieder aufgepflanzte Robinienreihe und Spalierobst an einer Hauswand im Akazienhof
Wieder aufgepflanzte Robinienreihe und Spalierobst an einer Hauswand im Akazienhof

Schmuckbeet in der Wohnstadt Carl Legien, um 1930
Schmuckbeet in der Wohnstadt Carl Legien, um 1930

Selbstversorger in der Gartenstadt Falkenberg, um 1920
Selbstversorger in der Gartenstadt Falkenberg, um 1920

Gartenstadt Falkenberg, Akazienhof mit der Robinienallee, um 1930
Gartenstadt Falkenberg, Akazienhof mit der Robinienallee, um 1930