Denkmal  

 

Berliner Siedlungen der 1920er Jahre auf der UNESCO Welterbe-Liste

Städtebau und Architektur


Die Architekten der sechs Siedlungen
Bruno Ahrends
Bruno Ahrends
1878 - 1948
Otto Bartning
Otto Bartning
1883 - 1959
Wilhelm Büning
Wilhelm Büning
1881 - 1958
Fred Forbát
Fred
Forbát

1897 - 1972
Walter Gropius
Walter Gropius
1883 - 1969
Hugo Häring
Hugo
Häring

1882 - 1958
Paul R. Henning
Paul R. Henning
1886 - 1986
O. R. Salvisberg
O. R. Salvisberg
1882 - 1940
Hans Scharoun
Hans Scharoun
1893 - 1972
Bruno Taut
Bruno
Taut

1880 - 1938
Heinrich Tessenow
Heinrich Tessenow
1876 - 1950
Martin Wagner
Martin Wagner
1885 - 1957

Zeile statt Block

Die Planer entwickelten neue ganzheitliche Siedlungsgrundrisse, die ihre wohnreformerischen Leitbilder widerspiegelten. Sie versuchten, das Beste von Stadt und Land zu vereinen.

Dabei löste sich das überkommene Stadtbild mehr und mehr auf. Zeilenkonzepte ersetzten zunehmend die Blockbebauung. Die Hierarchie der Vorder- und Rückseite des Hauses wurde bewusst aufgegeben, das Hinterhaus abgeschafft. Damit verloren die Häuser aber auch in weiten Zügen ihren traditionellen Bezug zur Straße und zur überkommenen Figur der Stadt.

Spätestens mit dem Rückgang der Einnahmen aus der Hauszinssteuer zwang die Finanznot die Planer zu einer immer höheren Verdichtung der monofunktionalen Wohnsiedlungen. Denn der öffentliche Wohnungsbau verursachte einen hohen kommunalen Finanzaufwand, der - wie sich bald abzeichnete - nicht durchzuhalten war.

Form statt Ornament

Wie im Städtebau manifestiert sich auch in der Architektur der sechs Siedlungen ein Bruch mit der Kaiserzeit. Während bei Taut die Farbe noch zum Mittler zwischen dem Schmuckwillen der Vorkriegszeit und dem Minimalismus des heraufziehenden International Style wird, zeigen die späteren Siedlungen einen immer weitergehenden Purismus der Form und des Materials.

Die Grundrisse orientierten sich am neuen Ideal der Kleinfamilie. Getrennte Zimmer für Wohnen und Schlafen, geflieste Bäder, Balkon oder Loggia, Doppelfenster, elektrisches Licht, oft Zentralheizung und immer häufiger auch Kinderzimmer markierten die konzeptionellen Eckpunkte der Zuschnitte.

Auch dabei erzwangen indes die schwindenden Ressourcen der Stadt Änderungen der ursprünglichen Ansätze. Nicht zuletzt deshalb überwiegen bei den später entstandenen Siedlungen kleine Wohnungen bis zu einer Größe von zwei Zimmern.

Großsiedlung Siemensstadt - Ringsiedlung -
Großsiedlung Siemens­stadt - Ringsiedlung -

Wohnungsgrundrisse von Hans Scharoun, 1929
Wohnungsgrundrisse von Hans Scharoun, 1929

Lageplan der Großsiedlung Siemensstadt
Lageplan der Groß­siedlung Siemensstadt

Umgestaltung nach Bruno Taut, 1923 (links: Arbeiterwohnzimmer, rechts: Bürgerliches Wohnzimmer)
Umgestaltung nach Bruno Taut, 1923