Denkmal  

 

Welterbe / Preußische Schlösser und Gärten

Jagdschloss und Jagdschlosspark Glienicke


Jagdschloss Glienicke; Foto: Sabine Hierath
Foto: Sabine Hierath
Jagdschloss Glienicke, Gartengestaltung durch Peter Joseph Lenné, Teich; Foto: Wolfgang Reuss, Landesdenkmalamt Berlin
 Foto: Wolfgang Reuss, LDA

Königstraße 36, Steglitz-Zehlendorf, Ortsteil Wannsee;
1682-84 von Charles Philippe Dieussart, später barocke Erweiterung, 1889-90 Umbau durch Albert Geyer, 1963-64 teilweiser Umbau durch Max Taut, 1859-62 Gartengestaltung durch Peter Joseph Lenné


Das Jagdschloss Glienicke geht in seinen Grundmauern auf Friedrich Wilhelm I. zurück. Der Große Kurfürst liebte die Jagd und ließ die erste Glienicker Brücke errichten, um schnell von Berlin in die Jagdgebiete nach Potsdam und nach Babelsberg zu gelangen. 1682-84 ließ er sich südlich der nach Potsdam führenden Straße auf der Berliner Seite nach Plänen des Bildhauers und Architekten Charles Philippe Dieussart das Schloss errichten, das auch Tier- und Weingärten sowie einen von dem Gärtner Heydert gestalteten Park erhielt

Anfang des 18. Jahrhundert erfuhr das Jagdschloss durch Kurfürst Friedrich III., der 1701 als Friedrich I. den preußischen Königsthron bestieg, seine barocke Erweiterung. Vermutlich wurden damals auch der Kavalierflügel und der Marstall hinzugefügt. Friedrich besaß eine Vorliebe für das Jagdschloss und weilte mit seiner Frau Sophie Charlotte oft hier. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, hielt es dagegen für "entbehrlichen Luxus" und richtete für sein Garderegiment ein Lazarett ein. Sein Enkel, Friedrich der Große, schenkte es 1763 dem Fabrikanten Isaac Levin Joel, der hier Tapeten herstellte. Sowohl Friedrich Wilhelm II., der vor allem in dem von ihm erbauten Marmorpalais residierte, als auch Friedrich Wilhelm III. zeigten am Schloss wenig Interesse, so dass es 1827 an den Pädagogen Wilhelm von Türk verkauft wurde. Türk, der in Potsdam als Regierungs- und Schulrat tätig war, richtete ein Zivil-Waisenhaus ein. Um seine Zöglinge zu beschäftigen, griff er die unter Friedrich dem Großen eingeführte Seidenraupenzucht wieder auf, die als Glienicker Maulbeerplantage bekannt wurde.

1859 gelangte das Jagdschloss in den Besitz Prinz Carls von Preußen, der es als Hochzeitsgeschenk für seinen Sohn Friedrich Carl erwarb. Carl war bereits seit 1824 auf dem benachbarten Landgut Glienicke ansässig, das er in einen Landschaftspark mit Schloss und zahlreichen Nebengebäuden verwandelt hatte. Mit dem Ankauf des Prinzen erhielt das Jagdschloss eine neuerliche Veränderung. Ferdinand von Arnim baute es im französischen Barockstil um. Bis 1862 wurde auch der Garten von dem bereits in Glienicke tätigen Peter Joseph Lenné im Stil des Landschaftsgartens gestaltet. Anders als in Glienicke wurde hier nicht auf das Motiv des Pleasuregrounds (hausnaher, künstlerisch gestalteter Garten) zurückgegriffen, sondern auf einen Landschaftsgarten, in den ein geschwungenes Wegesystem, ein Teich und eine Brücke einbezogen wurden.

In späteren Jahren erfuhr das Jagdschloss noch zwei weitere Veränderungen. Der Enkel Carls, Carl Friedrich Leopold, ließ es 1889-90 von Albert Geyer im neobarocken Stil umbauen. Es wurde aufgestockt und erhielt einen Turm. Auch das Maschinenhaus wurde hinzugefügt. Die zweite Veränderung erfuhr das Jagdschloss 1963-64 durch Max Taut. Das Hauptgebäude wurde bis in das zweite Geschoss vollständig entkernt und ein moderner Glasbau vorgelagert. Da das Jagdschloss in dieser Zeit unmittelbar an der innerdeutschen Grenze lag, wurde auch der alte, an der Ostfassade gelegene Haupteingang zur Parkseite nach Westen hin verlegt.

1939 ging das Jagdschloss in den Besitz Berlins über und wurde von der UFA Filmgesellschaft genutzt. Da es den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstand, wurde es 1945 als Kadettenanstalt der Roten Armee, 1947 als Kinderheim und später als Jugendherberge benutzt. Nach dem Umbau durch Max Taut wurde eine Jugendbildungsstätte eingerichtet.

2003 geriet bei einem Brand der Südflügel des Schlosses in Mitleidenschaft. Seit 2005 laufen die Wiederaufbauarbeiten, betreut vom Architekturbüro Petersen.
Jagdschloss Glienicke; Foto: Wolfgang Reuss, Landesdenkmalamt Berlin
Foto: Wolfgang Reuss, LDA