Denkmal  

 

Welterbe / Preußische Schlösser und Gärten

Schloss und Park Glienicke


Schloss Glienicke mit Löwenfontäne; Foto: Wolfgang Reuss, Landesdenkmalamt Berlin
Foto: Wolfgang Reuss, LDA
Schloss Glienicke, Casino von Carl Friedrich Schinkel; Foto: Wolfgang Bittner, Landesdenkmalamt Berlin
 Foto: Wolfgang Bittner, LDA

Schloss Glienicke, Königstraße 36, Steglitz-Zehlendorf, Ortsteil Wannsee;
1824-25 Casino, Schloss und Kleine Neugierde sowie 1837-38 Große Neugierde und Löwenfontäne von Carl Friedrich Schinkel, 1841-1845 Erweiterungen durch Ludwig Persius; Pleasureground 1816 und Park 1824-45 von Peter Joseph Lenné


1816 entwarf Peter Joseph Lenné für das an der Straße von Berlin nach Potsdam gelegene Landgut des Staatskanzlers Karl August Fürst von Hardenberg einen Pleasureground (hausnaher, künstlerisch gestalteter Garten) nach englischem Vorbild. Er war der erste dieser Art in Preußen und grenzte an das Herrenhaus an. Nachdem Prinz Carl 1824 das Gut erworben hatte, wurde noch im selben Jahr von Karl Friedrich Schinkel das oberhalb des Havelufers gelegene Billardhaus in ein Casino umgebaut und die Gartengestaltung durch Lenné weiter vorangetrieben. 1825-28 wandelte Schinkel das alte Herrenhaus im Stil einer italienischen Villa mit Kavalierflügel um. Das Innere war dem Klassizismus verpflichtet und ging ebenfalls auf Schinkels Entwürfe zurück. Den Mittelpunkt bildete der rote Salon, um den sich ein grüner Salon, eine Bibliothek und ein türkises Schlafzimmer gruppierten. Die Fassade war mit zahlreichen antiken Spolien (Teile älterer Bauten) bestückt, die Prinz Carl auf seinen Reisen nach Italien erworben hatte.

Auch in den 1830er Jahren war Schinkel in Glienicke tätig. Die 1837 errichtete Große Neugierde, einer der Aussicht zur Glienicker Brücke dienenden Rotunde (kreisförmiger Baukörper), und die aus derselben Zeit stammende Löwenfontäne gehen auf seine Entwürfe zurück. Nach dem Tod Schinkels wurde das Schloss durch seinen Schüler Ludwig Persius um ein Geschoss aufgestockt sowie der Portikus am Eingang (offene Vorhalle) und der mit Reliefs reich verzierte Balkon der Südfassade hinzugefügt. Unweit der Löwenfontäne wurde 1842 ein Stibadium (halbrunde, überdachte Sitzbank) mit einer das Dach tragenden Karyatide (Gebälkträgerin) von Persius errichte.

Auch die 1838 geschaffene, einen künstlichen Wasserfall überspannende hölzerne Ruine der Teufelsbrücke sowie das 1838-39 erbauten Gärtner- und das Maschinenhaus, die Orangerie, die Treibhäuser und das Matrosenhaus im Schweizer Stil entstammen seiner Feder.

Als Persius 1845 starb, führte Ferdinand von Arnim die Bauausführungen fort. Auf ihn gehen das Pförtnerhaus von 1848-49 und das Johanitertor von 1862 zurück, das den Zugang von der Königstraße in den Park bildet.

In der Zeit des Nationalsozialismus gingen Park und Schloss in den Besitz der Stadt Berlin über. Damals wurde auch die hölzerne Ausführung der Teufelsbrücke durch eine aus Stein ersetzt.

In der Nachkriegszeit erfuhren Schloss und Park größere Veränderungen, wobei Pleasureground und Wegenetz weitgehend beseitigt wurden. Als kurz nach Einführung des Berliner Denkmalschutzgesetzes 1977 Restaurierungsarbeiten begannen, galt der 1850 erreichte historische Zustand als konservatorisch verbindliche Grundlage. Gartendenkmalpflegerisches Ziel war es, die Sichtbeziehungen nach Potsdam, nach Babelsberg, nach Sacrow und zur Pfaueninsel wiederherzustellen und den Pleasureground wieder mit den ehemaligen Gestaltungselementen - Bildwerken, Blumenbeeten und Sitzplätzen - und mit dem ursprünglichen Wegenetz auszustatten. 1999 wurde ein Parkpflegewerk erarbeitet, das die kontinuierliche Pflege des gesamten Parks gewährleistet.

Von der ursprünglichen inneren Ausstattung des Schlosses sind heute lediglich Fragmente erhalten. Das Gebäude selbst beherbergt seit 2006 das Hofgärtnermuseum, das auch eine Galerie der preußischen Hofgärtner umfasst.

2007 konnte die von der Cornelsen Kulturstiftung finanziell geförderte Restaurierung der Teufelsbrücke beendet werden.

Links


Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg:

Große Neugierde; Foto: Wolfgang Reuss, Landesdenkmalamt Berlin
Foto: Wolfgang Reuss, LDA

Teufelsbrücke; Foto: Wolfgang Bittner, Landesdenkmalamt Berlin
Foto: Wolfgang Bittner, LDA