Denkmal  

 

Kirchen

Gethsemanekirche


Gethsemanestrasse

Gethsemanekirche, Stargarder Straße 77, Prenzlauer Berg;
Ev. Gethsemanekirche, 1890-93 von August Orth


Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin zur größten Industriestadt in Deutschland. Um einen enormen Bevölkerungszustrom bewältigen zu können, mussten große Stadterweiterungsgebiete angelegt werden. Die Bebauung des Prenzlauer Berges, die seit der Reichsgründung mit enormer Geschwindigkeit vorangetrieben wurde, folgte dem 1862 aufgestellten Plan von James Hobrecht. Noch bevor das Häusermeer im Norden bis an die Stargarder Straße herangewachsen war, legte Kaiserin Auguste Viktoria den Grundstein zum Bau der Gethsemanekirche. Die Kirche stand also schon bevor die benachbarten Grundstücke bebaut waren. Sie gehört zu jenen 53 Kirchen, die im Verlauf von nur 15 Jahren (1890-1905) mit kaiserlicher Unterstützung in und um Berlin entstanden. Wilhelm II. hoffte, auf diese Weise ein "Bollwerk gegen die Sozialdemokratie" errichten zu können. Der Architekt der Gethsemanekirche August Orth war einer der bedeutendsten Architekten, Stadtplaner und Fachautoren der Kaiserzeit. Er war einer der bemerkenswertesten Kirchenarchitekten des 19. Jahrhunderts, hat aber auch auf dem Gebiet der Eisenbahnarchitektur hervorragendes geleistet.

Orth schuf durch die Kombination eines gängigen Langhauses mit einem eingeschriebenen Oktogon einen weiten, hellen Einheitsraum mit Emporen. Aus künstlerischen Gründen reduzierte er die sehr schlanken und hohen Pfeiler auf die geringst notwendige Zahl, so dass er sogar Probleme mit der Bauaufsicht bekam, sich aber durchsetzen konnte. Dadurch erzeugte er einen eleganten, leichten Raumeindruck. Orth hielt am Rundbogenstil des protestantischen Kirchenbaus seiner Vorgänger Schinkel und Stüler fest, erweiterten diesen aber durch eine eigenständige Mischung aus romanischen und gotischen Formen. Er gab nicht der zeitgenössischen Mode nach, stilreine neugotische Kirchen zu schaffen.