Denkmal  

 

Denkmale der Alliierten in Berlin - USA

Titania-Palast

Ehem. Lichtspieltheater

Titania-Palast; Foto: Wolfgang Bittner
Titania-Palast; Foto: Wolfgang Bittner

Gutsmuthsstraße 28, Schloßstraße 4/5 in Steglitz-Zehlendorf, Ortsteil Steglitz
Bauzeit/-geschichte: 1927-28 von Schöffler, Schlönbach und Jacobi


Der Titania-Palast diente 1945-48 den US-amerikanischen Streitkräften als Kasino, Kino, Konzerthaus und Theater. In den Räumen des ehemaligen Cafés war darüber hinaus eine Bibliothek untergebracht.

Der Titania-Palast wurde 1927-28 nach Plänen der Düsseldorfer Architektengemeinschaft Schöffler, Schlönbach und Jacobi als ein 2000 Sitzplätze umfassendes Film- und Uraufführungstheater für die Grundstücks-Theater-Betriebs-Gesellschaft mbH ("Gruteb") erbaut. Er steht wie der Admiralspalast und das Marmorhaus in der Tradition der großen Berliner Filmtheater der Weimarer Republik. Auch das von Erich Mendelsohn im zeitgleich errichteten Universum-Kino angewendete werbepsychologische Konzept wird im Titania-Palast umgesetzt: "Du sollst hinein ins Leben, zum Film, an die Kasse!" (Erich Mendelsohn).

Beim Titania-Palast erregte ein hoch aufragender turmartiger Baukörper an der dichtbefahrenen Schloßstraße die Aufmerksamkeit der Passanten. Die ineinander verschachtelten stereometrischen Bauteile waren durch eine auffällige nächtliche Beleuchtung weithin sichtbar. Die hochgezogenen Fassaden dienten in den oberen Geschossen ausschließlich als Werbefläche. Auch der Turm war nicht ausgebaut, sondern reine Kulissenarchitektur. Im Zuschauerraum existiert keine gerade Linie, weder Ecken noch Kanten sind vorzufinden. Auch hier wurden Lichteffekte zur Gestaltung des Raumes eingesetzt.

Der Titania-Palast war im Zweiten Zeltkrieg nicht wesentlich beschädigt worden und kam nach dem Ende des Krieges sofort unter Verwaltung der US-Militärregierung. Bereits am 26. Mai 1945 gaben hier die Berliner Philharmoniker mit Genehmigung der Amerikaner ihr erstes Konzert nach Kriegsende. Am 22. August 1948 hielt der Bauhausarchitekt Walter Gropius, der vor den Nationalsozialisten in die USA emigriert war, im Titania-Palast seinen berühmten Vortrag "Neue Städte aus Nachbarschaften". Darin empfahl er die Abkehr von der bis dahin in Berlin üblichen Blockrandbebauung und die Hinwendung zu dezentralisierten und mit großen Grünflächen durchzogenen Wohngebieten. Dieses Konzept des Neuen Bauens war Teil des von der US-Militärregierung ins Leben gerufenen Re-education-Programms und sollte die Berliner Bevölkerung mit demokratischem Denken vertraut machen.

Auch die im Titania-Palast untergebrachte, anfangs nur aus einigen Tausend Büchern bestehende Bibliothek basierte auf der Vorstellung der Re-education. Der Berliner Bevölkerung sollte wieder ein großes Medienspektrum frei zugänglich sein. Die Bibliothek des Titania-Palastes wurde später Bestandteil der 1952-54 erbauten und dem US-amerikanischen Vorbild der Public Library folgenden Amerika-Gedenkbibliothek.

Ende August 1948 wurde der Titania-Palast von der Militärregierung aufgegeben und wieder den Deutschen zur Nutzung übergeben. Am 4. Dezember 1948 wurde hier die von den USA vorangetriebene Gründung der Freien Universität besiegelt. 1953 und 1969 fanden größere Umbaumaßnahmen zu einem Ladenzentrum statt, die den Innenraum wesentlich veränderten. Ab den 1970er Jahre nutzten die Staatlichen Schauspielbühnen den zweiten Stock als Probebühne. Seit 1995 ist der Titania-Palast wieder zu seiner ursprünglichen Bestimmung als Lichtspielhaus zurückgeführt und beherbergt seitdem ein Cineplexkino mit fünf Sälen für 1200 Besucher.