Denkmal  

 

Denkmale der Alliierten in Berlin - USA

Residenz Lucius D. Clay

Ehem. Villa Von Simson

Villa Von Simson; Foto: Wolfgang Reuss
Villa Von Simson; Foto: Wolfgang Reuss

Im Dol 48 in Steglitz-Zehlendorf, Ortsteil Dahlem
Bauzeit/-geschichte: 1914 von Otto Bartning, 1926 Erweiterung durch Heinrich Schweitzer


Von 1945 bis 1949 war das Landhaus Im Dol 48 in Dahlem die Residenz Lucius Dubignon Clays (1898-1978). Dieser war seit 1945 stellvertretender Militärgouverneur für Deutschland, 1947 wurde er zum Oberkommandierenden der US-Streitkräfte in Europa und Deutschland befördert. Clay war der Initiator der Berliner Luftbrücke, bei der die Berliner Bevölkerung während der sowjetischen Blockade aus der Luft mit Gütern versorgt wurde. Sein Einsatz hat wesentlich zum Bestehen der westlichen Sektoren Berlins und zur Demokratisierung Deutschlands beigetragen.

Das Landhaus wurde 1914 nach den Plänen des vor allem im Kirchen- und Siedlungsbau hervorgetretenen Architekten Otto Bartning für den Rechtsanwalt und Notar Robert von Simson errichtet. Bartning entwarf keine Villa im klassischen Sinne, sondern ein in einen weitläufigen Garten eingebettetes, an englischen Vorbildern orientiertes Landhaus. Es ist auf winkelförmigem Grundriss mit zwei gleichrangigen Flügeln errichtet und besitzt Fenstererker und hohe, teilweise heruntergezogene Giebeldächer. Die schlichten Konturen und ungeteilten Metallfenster lassen bereits den Stil der Neuen Sachlichkeit anklingen. 1926-27 wurde die Villa durch Heinrich Schweitzer nach Westen verlängert. 1939 kam ein als Senkgarten gestaltetes, von Natursteinen gesäumtes Schwimmbad hinzu. Die zeitgleich mit der Ausführung des Hauses erfolgte Gartengestaltung lag vermutlich ebenfalls in den Händen Bartnings. Der Garten ist nicht zum angrenzenden Finkenpark ausgerichtet, sondern wird durch drei Heckengärten, die südwestlich des Hauses liegen, gegliedert. Es gibt einen Stauden-, einen Obst- und einen Rosengarten. Ein geradliniger Weg führt von einem Bereich in den anderen.

Nach dem Tod Robert von Simsons wurde die Villa an den Vorstand der Gerling Versicherungsgruppe, Walter Forstreuter, verkauft. Im Krieg nicht beschädigt, wurde sie von den sowjetischen Streitkräften 1945 beschlagnahmt. Nach Einzug der US-Truppen wurde sie von deren Militärregierung requiriert.

Clay bewohnte die Villa von Simson anfangs alleine, ab April 1946 zusammen mit seiner Gattin. Das Haus lag in unmittelbarer Nachbarschaft seines Amtssitzes im Hauptquartier. "Ich bekam immer häufiger Besuch aus den USA. Das war ein weiterer Grund für mich, in ein kleineres Haus umzuziehen. So konnte ich die Besucher im Gästehaus unterbringen. Mein Arbeitstag war so lang, dass ich abends nicht auch noch aufbleiben konnte, um meine Besucher auf alle möglichen Arten zu unterhalten" (Lucius Clay).

Mit seinem beruflichen Abschied aus Berlin am 15. Mai 1949 kehrte Clay in die USA zurück. Als eine seiner vielen Ehrungen wurde am 1. Juni 1949 die Kronprinzenallee in Clayallee umbenannt, ein in der Geschichte Berlins einmaliger Vorgang, denn Straßen wurden bis dahin nicht nach lebenden Persönlichkeiten benannt. Am 5. Mai 1962 wurde Clay Ehrenbürger Berlins. Am 26. Juni 1963 begleitete er John F. Kennedy auf seiner Berlinreise. Am 30. Jahrestag des Endes der Berlin-Blockade erhielt das US-Hauptquartier den Namen "General Lucius D. Clay United States Headquarters".

1954 wurde die Villa der Familie Forstreuter zurückgegeben und verblieb bis 1995 in ihrem Besitz. 2000 erwarb sie die marokkanische Botschaft und baute sie 2001 zur Residenz des Botschafters um. Der Garten wurde entsprechend denkmalpflegerischer Kriterien restauriert.

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