Denkmal  

 

Denkmale der Alliierten in Berlin - USA

Klinikum der Freien Universität Berlin – "Klinikum Steglitz"

Heute Charité Campus Benjamin Franklin (CBF)

  • Klinikum Steglitz - Campus Benjamin Franklin (CBF); Foto: Wolfgang Bittner
    Klinikum Steglitz - Campus Benjamin Franklin (CBF); Foto: Wolfgang Bittner
  • Klinikum Steglitz - Campus Benjamin Franklin (CBF); Foto: Wolfgang Bittner
    Klinikum Steglitz - Campus Benjamin Franklin (CBF); Foto: Wolfgang Bittner
  • Klinikum Steglitz - Campus Benjamin Franklin (CBF); Foto: Wolfgang Bittner
    Klinikum Steglitz - Campus Benjamin Franklin (CBF); Foto: Wolfgang Bittner

Hindenburgdamm 30, in Steglitz-Zehlendorf, Ortsteil Lichterfelde
Bauzeit/-geschichte: 1959/61-68 vom Architekturbüro Curtis & Davis (hauptsächlich Arthur Davis) und Franz Mocken


Die medizinische Fakultät der 1948 in Westberlin gegründeten Freien Universität (FU) besaß in den ersten Jahren ihres Bestehens kein Klinikum, da die Universitätsklinik Berlins, die Charité, als Klinikum der Humboldt-Universität im Ostteil der Stadt lag. Dieser unbefriedigende Zustand sowie der gravierende Mangel an Akutbetten als Folge des Krieges begründete die Initiative für den Bau eines neuen großen Klinikums im Südwesten der Stadt. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt warb auf einer Reise nach Washington im Frühjahr 1958 für das Projekt. Daraufhin ließ das Department of State der USA die Benjamin-Franklin-Stiftung (BFS) die Notwendigkeit des Anliegens prüfen und fasste angesichts der fragilen politischen Lage der Stadt im Juni 1958 den Beschluss, wonach "in Anbetracht der außergewöhnlichen Bedürfnisse der Stadt ... die Vereinigten Staaten von Amerika der Regierung Berlins helfen bei der Errichtung medizinischer Einrichtungen auf einem von der Regierung Berlins zu stellenden Gelände, wodurch Betten für Patienten geschaffen werden und die Bildung eines neuen medizinischen Lehrzentrums für die Universität angeregt wird." Als treibende Kraft hinter diesem Beschluss wird allgemein Eleanor Lansing Dulles, die Leiterin des Berlin-Ressorts im Bureau of German Affairs im amerikanischen Außenministerium angesehen, die auch 1955 die Benjamin-Franklin-Stiftung (BFS) ins Leben gerufen und über diese Stiftung zuvor die Finanzierung der Kongresshalle im Tiergarten initiiert hatte. Die BFS übernahm die Bauherrenschaft für das Klinikum und plante mit amerikanischen und Berliner Fachleuten das Raumprogramm. Da das amerikanische Krankenhaussystem zu jener Zeit sehr fortschrittlich war, wurde die Auflage gemacht, die Planung von einem amerikanischen Architekturbüro durchführen zu lassen und in der Konzeption der Klinik amerikanischen Vorbildern zu folgen. Das von dem Expertengremium aufgestellte "Building Programm for the Medical Center Free University of Berlin" bestimmte, dass nach Standards modernster Kliniklogistik gebaut und das stark auf die leitenden Chefärzte der einzelnen Abteilungen ausgerichtete System abgeschafft und ein neues interdisziplinäres System eingeführt wwerden sollte. Alle zentralen Einrichtungen für den Unterricht auf dem Gebiet der medizinischen Forschung und der Krankenpflege sollten unter einem Dach zusammengefasst sein. Auch die Ausbildung der Medizinstudenten sollte modernisiert werden. Die Methode des "Bedside-Teaching" sollte eingeführt werden: Die Kranken wurden nicht mehr in großen Hörsälen vorgestellt, sondern die Medizinstudenten direkt am Krankenbett an den Untersuchungen beteiligt.
Nach seiner Fertigstellung wurde das Klinikum in der Literatur als "modernster Krankenhausbau Europas" bezeichnet. Es war das erste Zentralklinikum Deutschlands, das fast alle medizinischen Fachkliniken unter einem Dach vereinte.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit stellte Eleanora Lansing Dulles den Kontakt zum Architekturbüro Curtis & Davis aus New Orleans her, wie sie es bereits mit dem Architekten Hugh Stubbins bei der Planung der Kongresshalle getan hatte. Die technische Planung in Berlin wurde – wie schon zuvor bei der Kongresshalle – Franz Mocken übertragen. Auf seiten des amerikanischen Büros war Arthur Davis für das Projekt zuständig.
Im Oktober 1959 erfolgte die Grundsteinlegung, der zustimmende Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses folgte erst 1960. Zunächst war ein Bau in zwei Abschnitten vorgesehen, diese Planung wurde jedoch noch vor Beginn der Bauarbeiten verworfen, wodurch sich der Baubeginn bis zum September 1960 verzögerte. Der Rohbau begann im Sommer 1962, das Richtfest fand 1964 statt. Zahlreiche prominente Politiker nahmen an der Einweihung des Klinikums Steglitz am 9. Oktober 1968 teil und unterstrichen so seine politische Bedeutung. Die ersten Patienten bezogen ihre Zimmer zu Beginn des Jahres 1969.
Von den geschätzten 133 Mio. DM Baukosten übernahm die BFS 60 Mio., zum Abschluss der Arbeiten belief sich die Gesamtsumme auf 302 Mio. DM.

Das Klinikum Steglitz bildet einen imposanten Solitär in der vorstädtischen, von Grünflächen und dem Teltowkanal geprägten Umgebung. Aus vier großen, ungegliederten Kuben zusammengesetzt versteckt es seine Größe nicht, bemüht sich nicht um Anpassung oder Unterordnung, sondern präsentiert sich selbstbewusst als gewaltiger Bau. In diesem Sinne wirkt auch, dass alle vier Seiten gleichwertig behandelt sind. Graduell hervorgehoben ist die Seite zu Kanal, Schloss und der Dorfaue Lichterfelde, von der sich Besucher und Studenten nähern, denn hier ist das Klinikum in weite Grünflächen eingebettet und entfaltet über diese Distanz hinweg seine Wirkung als städtebauliche Dominante von skulpturaler Qualität.
Der enorme Raumbedarf von 160.000 Quadratmetern war auf diesem Areal nur mit einer kompakten Bauweise zu verwirklichen. Es entstand ein Baukörper von 113 x 233 Metern Fläche, der soweit nach Nordosten gerückt ist, dass an dieser Seite nur noch die Nebengebäude (Wirtschaftsgebäude, Schwesternwohnheim, Schwesternschule und Kesselhaus) Platz fanden.

Die größte architektonische Leistung der Architekten des Klinikums Steglitz war es, einem ungemein komplizierten Geflecht von 18 verschiedenartigen medizinischen Abteilungen – Behandlungs- und Pflegebereichen, Gemeinschaftseinrichtungen sowie dem Universitätsbetrieb – eine funktionierende und leicht zu durchschauende Ordnung zu geben. Die Klinik ist ein Muster konsequenter Konzentration. Die komplexe Struktur lässt sich mit einem einfachen Leitsystem bewältigen. Die Wegetrennung von Patienten, Personal, Studenten und Besucher ist vorbildlich. Gleichzeitig gelang es dem Architektenteam, alle diese Funktionen in einem Baukörper zu fassen, der die wichtigsten Einzelfunktionen überaus deutlich zum Ausdruck bringt, und ihn gestalterisch zu einer einprägsamen Stadtskulptur zu steigern. Die Architekten übersetzten das fortschrittliche medizinische Programm eindrucksvoll in ein zeitlos modernes Bauwerk. Dem riesigen Komplex ist jegliche Schwere genommen. Der Flachbau schwebt gleichsam über den zurückgesetzten Kellergeschossen und die vorkragenden Bettenhäuser scheinen über dem Flachbau zu schweben. Der Screen und die rasterartigen Rahmen der Bettenhäuser geben den Baukörpern zusätzliche Leichtigkeit.
Das Bild des Klinikums wird wesentlich durch die feinteiligen Screenfassaden des Flach- und des Behandlungsbaues geprägt. Solch durchbrochene Sonnenschutzelemente hatte Le Corbusier unter dem Begriff Brisesoleil in den 1930er Jahren in die moderne Architektur eingeführt und ist damit das klimatische Problem des gläsernen Curtainwalls angegangen. An seinem Ministerium für Erziehung und Gesundheit in Rio de Janeiro 1936 wurde erstmals ein Brisesoleil ausgeführt. In den 1950er Jahren fanden solche Screens aus Metall oder Beton öfter Verwendung. Besonders die neuen US-amerikanischen Botschaften in tropischen Ländern, die im Zuge eines breit angelegten Bauprogramms des amerikanischen Außenministeriums in dieser Zeit entstanden, variieren das Motiv in Material und Struktur. Am Klinikum Steglitz kommt also ein Motiv zur Anwendung, das im gleichzeitigen US-amerikanischen Botschaftsbau weit verbreitet war. Im weiteren Sinne war auch das Klinikum ein "Botschaftsgebäude" der Amerikaner in Berlin. Der feine Betonscreen bringt dies formal zum Ausdruck.

In Anerkennung der Unterstützung der US-Amerikaner beim Aufbau und als Ausdruck der Verbundenheit zu Amerika wurde das Klinikum 1994 in "Universitätsklinikum Benjamin Franklin" (UKBF) unbenannt. Im Zuge der Neuordnung der Berliner Krankenhauslandschaft erfolgte 2003 die Fusion mit der Charité, die somit das größte Klinikum Europas darstellt.