Denkmal  

 

Denkmale der Alliierten in Berlin - USA

Berlin Dokument Center

Ehem. Abhörstation des Luftfahrtministeriums

Wohnanlage, Wasserkäfersteig 1; Foto: Wolfgang Bittner
Wohnanlage, Wasserkäfersteig 1; Foto: Wolfgang Bittner

Wasserkäfersteig 1 in Steglitz-Zehlendorf, Ortsteil Zehlendorf
Bauzeit/-geschichte: 1939-1941


Unmittelbar nach Kriegsende ist das Berlin Document Center (BDC) von den amerikanischen Streitkräften als Sammellager für beschlagnahmte Dokumente aus der NS-Zeit zur Vorbereitung der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und der Entnazifizierung eingerichtet worden. Die ausgedehnte Kelleranlage mit dicken Betonwänden, die für die Dokumentenarchivierung genügend Platz bot, war ausschlagegebend für die Standortwahl.

1939 kaufte die Deutsche Reichspost westlich des Siedlungsterrains das Grundstück Wasserkäfersteig 1 und errichtete darauf vom Sommer 1939 bis 1941 eine Telefonvermittlungsstelle mit mehreren kleinen Gebäuden und ausgedehnten, bunkerartig geschützten Kellerräumen, in denen eine Verstärkeranlage für Telefongespräche eingebaut war. Das "Forschungsamt" des Luftfahrtministeriums, Göhrings Nachrichtendienst, nutzte diese Anlage als Abhörzentrale für Telefonate, die zwischen Berlin und dem Westen des Reiches geführt wurden, weil sie alle über diese Verstärkerstation geleitet wurden.

Die Anlage zwischen Wasserkäfersteig und Täubchenstraße war relativ unauffällig, da oberirdisch nur wenige, recht kleine, ein- bis zweigeschossige Gebäude im Heimatschutzstil mit Sattel- und Schleppdächern errichtet wurden. Unter den Häusern befindet sich eine ausgedehnte Bunkeranlage, von der nur ein als Gartenpavillon getarnter Luftauslass zu sehen war.

Fast unbeschädigt hat der Gebäude- und Bunkerkomplex die Luftangriffe und die Schlacht um Berlin überstanden. Im Mai 1945 besetzte zunächst die Rote Armee das Gelände und übergab es im Juli 1945 US-Einheiten. Mit der Telefontechnik konnte die amerikanische Militärregierung jedoch nichts anfangen, für sie war die trockene und sichere Bunkeranlage von Interesse, und so wurde hier nach Entfernung der Installationen das 6889. Document Center OMGUS eingerichtet, das sich der Aufbereitung und Auswertung von Personen- und Verwaltungsakten aus der NS-Zeit widmete. Im November 1946 ist es in 7771. Document Center umbenannt worden und übernahm die von amerikanischen Soldaten in ihrem Gebiet nach und nach aufgespürten Dokumente. Eine der ersten Arbeiten des 7771. Document Centers bestand in der Sortierung der Akten und Karteikarten, die aus der Münchner NSDAP-Zentrale und anderen zahlreichen Materialsammlungen stammten.

Erstes Ziel der Alliierten war es, Nationalsozialisten zur Rechenschaft zu ziehen und Kriegsverbrecher zu bestrafen. Daher gehörte das Internationale Militärtribunal von Nürnberg zu den ersten, die die Bestände des BDC nutzten. Die Verfahren stützten sich zu einem erheblichen Teil auf Unterlagen, die das BDC bereitstellte. Unmittelbar nach Kriegsende begann die amerikanische Militärregierung ihr Entnazifizierungsprogramm mit Entlassungen in Verwaltung und Wirtschaft, im Justiz- und Erziehungswesen. Der Alliierte Kontrollrat verabschiedete im Januar 1946 eine Direktive, nach der alle Parteimitglieder aus Behörden und verantwortlichen Positionen zu entlassen seien. Durch die nahezu vollständige Zentralkartei der NSDAP war es möglich, detaillierte Angaben zur Parteizugehörigkeit einzelner Personen zu machen. Jedoch erfolgte bereits 1947 ein Wandel in der Entnazifizierungspraxis der USA, denn der wirtschaftliche Wiederaufbau Westdeutschlands wurde nun in den Vordergrund gestellt. Als im Mai 1949 das Grundgesetz der BRD in Kraft trat, zogen sich die USA aus der Verfahrenskontrolle zurück und deutsche Behörden übernahmen die Verantwortung. Zwischen 1949 und 1954 erließen die Bundesländer Abschlussgesetze zur Entnazifizierung. Das BDC wurde für die Vergangenheitsaufarbeitung kaum mehr genutzt, die Zahl der Nachfragen ging deutlich zurück und betraf nun u.a. Unbedenklichkeitserklärungen für Touristen und Einwanderer in die USA und Anfragen deutscher Behörden wie der Wehrmachts-Auskunftsstelle zu Dienstzeiten und Diensträngen ehemaliger Wehrmachtsangehöriger für die Berechnung von Rentenansprüchen. Seit Ende der 1960er Jahre trat jedoch immer mehr der Wert der Unterlagen als historische Quelle hervor, das BDC wurde zu einem Ort zeitgeschichtlicher Forschung und der Dokumentenbestand wurde auf Mikrofilm kopiert.

1953 übergab die amerikanische Militärverwaltung das Document Center dem amerikanischen Außenministerium, es erhielt die neue Bezeichnung Berlin Document Center (BDC). 1988 wurden nach Aufdeckung des Diebstahls von mehreren tausend Akten umfangreiche Sicherheitseinrichtungen im BDC installiert. Mit der Wiedervereinigung und dem Ende der Besatzungsrechte 1990 wurde das BDC als Außenstelle in das Bundesarchiv Koblenz überführt, blieb aber bis zum Abschluss der Aktenverfilmung 1994 unter amerikanischer Verwaltung. Es wird geschätzt, dass sich ca. 20 Mio. Karteikarten und Akten im Bestand der Anlage am Wasserkäfersteig befanden. Die National Archives in College Park (US-Bundesstaat Maryland) verfügen über eine vollständige Mikrofilmkopie des gesamten Materials. 1996 sind die Unterlagen des ehemaligen BDC von Zehlendorf in den Standort des Bundesarchivs nach Berlin-Lichterfelde überführt und mit den Beständen der Abteilung Deutsches Reich zusammengeführt worden. Die Kelleranlage am Wasserkäfersteig dient heute als Tiefgarage einer familienfreundlichen Wohnanlage.