Denkmal  

 

Denkmale der Alliierten in Berlin - UdSSR

Büro, Speicher, Offizierskasino und Gefängnis der sowjetischen Streitkräfte

Kath. Kirche St. Marien

Kath. Kirche St. Marien; Foto: Wolfgang Bittner
Kath. Kirche St. Marien; Foto: Wolfgang Bittner

Gundelfinger Straße 36/37 in Lichtenberg, Ortsteil Karlshorst
Bauzeit/-geschichte: 1910 Pfarrhaus von August Kaufhold, 1935-36 Kirche von Clemens Lohmer


Als die sowjetischen Streitkräfte die Pionierschule in Karlshorst als Zentrale der Militärverwaltung requiriert hatten, wurde nördlich der Bahnlinie ein Sperrbezirk eingerichtet. Innerhalb dieses Sperrgebiets lag auch die Katholische Kirche St. Marien und ihr angrenzendes, mit einer Kapelle versehenes Pfarrhaus. Von 1945 bis 1950 stand sie unter sowjetischer Verwaltung.

Bereits um die Jahrhundertwende hatte die katholische Gemeinde Karlshorst ein Grundstück in der Gundelfinger Straße erworben und darauf 1910 ein viergeschossiges Pfarrhaus im neogotischen Stil nach den Plänen August Kaufholds errichten lassen. An dieses Pfarrhaus schloss sich eine kleine Kapelle an, in der der Gottesdienst stattfand. Als sich 1922 die Karlshorster Katholiken von der Kirchengemeinde Zum Guten Hirten abspalteten und die selbstständige Gemeinde St. Marien gründeten, wurde ein Kirchenneubau erwogen. 1925 rief man einen Kirchenbauverein ins Leben.

Der aus Leipzig stammende Architekt Clemens Lohmer wurde 1935 beauftragt, Pläne zum Bau der Kirche vorzulegen, sodass am 27. Oktober desselben Jahres der Grundstein gelegt werden konnte. Im Dezember 1936 waren die Baumaßnahmen abgeschlossen und am 20. Juni 1937 wurde die Kirche geweiht. Lohmer erlebte dies nicht mehr, er war bereits im März 1936 verstorben.

Obwohl in der Zeit des Nationalsozialismus erbaut, orientiert sich die Architektursprache Lohmers nicht am offiziellen Baustil. Die Kirche wurde im neoromanischen Stil als frühchristliche Basilika mit Lang- und Querhaus und einem 40 Meter hohen Campanile nach italienischem Vorbild entworfen. Das Ziegelmauerwerk wurde verputzt. Hauptfassade und Turm erhielten eine Verkleidung aus grau-weißen Kalksteinen.

Im Zweiten Weltkrieg bot die Kirche der angrenzenden Bevölkerung Schutz vor Bombenangriffen. Sie wurde nicht wesentlich zerstört, lediglich das Dach war von einer Granate getroffen worden.

Gleich nach dem Ende der Kampfhandlungen um Karlshorst wurde die Kirche von den sowjetischen Streitkräften requiriert. Der Pfarrer musste das Pfarrhaus räumen und bezog außerhalb des sowjetischen Sperrgebiets ein Wohnhaus, in dem anfänglich auch der Gottesdienst stattfand.

Die Kirche wurde in einen Möbel- und Kohlespeicher verwandelt. Auch Tiere waren dort untergebracht. Das Pfarrhaus bezogen anfangs Dienststellen der Sowjetischen Militäradministration (SMAD), später dann die Militärstaatsanwaltschaft. In der Krypta der Kapelle wurden zwei Gefängniszellen eingerichtet. Der Pfarrsaal diente zuerst als Offizierskasino, dann als Autowerkstatt.

Am 1. Januar 1950 wurden Kirche und Pfarrhaus der katholischen Gemeinde zurückgegeben und unter der Leitung des Architekten Paul Zeh wieder instandgesetzt. Der Innenraum wurde gestrichen, die Fenster neu verglast sowie der Hochalter und das Altarkreuz restauriert. Das Kirchengestühl und große Teile der Orgel mussten neu angeschafft werden. Der erste Gottesdienst fand am 8. August 1950 im Pfarrhaus statt. Ab dem 23. März 1952 war die Kirche wieder geweiht.