Denkmal  

 

Denkmale der Alliierten in Berlin - Großbritannien

Residenz des Britischen Stadtkommandanten

Ehem. Villa Lemm

  • Villa Lemm; Foto: Wolfgang Bittner
    Villa Lemm; Foto: Wolfgang Bittner
  • Villa Lemm, Garten; Foto: Wolfgang Bittner
    Villa Lemm, Garten; Foto: Wolfgang Bittner
  • Villa Lemm, Gartenpavillon; Foto: Wolfgang Bittner
    Villa Lemm, Gartenpavillon; Foto: Wolfgang Bittner

Rothenbücherweg 2/4 in Spandau, Ortsteil Gatow
Bauzeit/-geschichte: 1907-08 von Max Werner, Gartenerweiterung 1912-13 von Ludwig Späth


Die Villa Lemm gilt als eines der schönsten und bedeutendsten großbürgerlichen Anwesen Berlins und war von 1945 bis 1990 die Residenz des britischen Stadtkommandanten. Das villenartige Landhaus ist in einen großzügig angelegten 24.000 Quadratmeter einnehmenden Garten, der sich zum westlichen Havelufer erstreckt, eingebettet.

Die im englischen Landhausstil errichtete Villa ist ein zweigeschossiger Bau mit einem in das hochaufragende Mansarddach eingefügten Obergeschoss. Die symmetrisch aufgebaute Gartenfassade hat als Mittelmotiv eine sich vorwölbende Veranda, die im Obergeschoss eine Terrasse vor einem Zwerchgiebel ausbildet. Im Erdgeschoss ist ihr eine Terrasse mit Freitreppe vorgelagert. In den Hausecken stehen schräg gestellte Erkerausbauten. Den Eingang bildet ein der nördlichen Fassade vorgelagerter Anbau. Die Haupteinfahrt zum Gelände erfolgt über das parallel zur Straße gelegene Pförtnerhaus.

Das Landhaus mit Nebengebäuden und Garten wurden 1907-08 nach den Plänen Max Werners für den Fabrikanten Otto Lemm errichtet. Das Anwesen steht in der Tradition der englischen Landschaftsgärten des ausgehenden 19. Jahrhunderts und repräsentiert den Wandel des Dorfes Gatow zum Villenvorort Berlins.

1912-13 wurde der Garten durch eine von oberitalienischen Villengärten inspirierte Terrassenanlage im Stil der Neorenaissance ergänzt. Sie entsprach ganz dem Zeitgeschmack und wurde von Ludwig Späth konzipiert. Neben einem Palmenhaus wurden ein Wasserbecken, eine Kegelbahn und ein Tennisplatz hinzugefügt. Die Freiflächen wurden mit zahlreichen Skulpturen und Plastiken geschmückt.

1930 ging die Villa in den Besitz des Arztes Janos Plesch über und wurde zu einem bedeutenden Treffpunkt der Berliner Gesellschaft von Künstlern und Wissenschaftlern (Max Slevogt, Arthur Schnabel, Albert Einstein u.a.). 1930 wurde auf der unteren Rosenterrasse ein Schwimmbecken angelegt. Plesch musste 1933 vor den Nationalsozialisten fliehen und emigrierte mit seiner Familie nach England.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Villa ohne Beschädigung. Als Spandau zur britischen Besatzungszone erklärt wurde, konfiszierten die Briten die Villa samt Garten. Die Sicherheitslage machte größere Um- und Einbauten nötig.

Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende der alliierten Kontrollhoheit wurde die Villa von der Stadt Berlin erworben, stand aber mehrere Jahre leer. Kurzzeitig war sie als Residenz des Bundeskanzlers im Gespräch. 1995 ging sie in Privatbesitz über und wurde mit Unterstützung des Landesdenkmalamtes Berlin denkmalgerecht hergerichtet.