Denkmal  

 

Denkmale der Alliierten in Berlin

Die Alliierten in Berlin


Hauptquartier US-Army, Villa Borsig, Hauptquartier British Army, Dienststelle der SMAD (v.l.n.r.); Fotos: Wolfgang Bittner, Wolfgang Reuss (Villa Borsig)
Hauptquartier US-Army, Villa Borsig, Hauptquartier British Army, Dienststelle der SMAD;
Fotos: Wolfgang Bittner, Wolfgang Reuss (Villa Borsig)

Besatzungspolitik und bauliche Hinterlassenschaften der Jahre 1945 bis 1994

Neben den noch heute sichtbaren Resten der Berliner Mauer dokumentieren vor allem die baulichen Zeugnisse der Besatzungsmächte die Sonderrolle und Teilung der Stadt während des Kalten Krieges. Kasernengebäude, Bunkeranlagen, Wohngebiete für Familienangehörige der hier stationierten Soldaten oder auch kulturelle Einrichtungen prägen das Bild Berlins an vielen Stellen. Sie erinnern daran, dass die Entwicklung und das Schicksal Berlins zwischen 1945 und 1990 untrennbar mit der Anwesenheit der amerikanischen, britischen, französischen und sowjetischen Truppen verbunden war. Nirgendwo anders standen sich die beiden verfeindeten Supermächte USA und Sowjetunion so nahe gegenüber wie in der geteilten Stadt, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem Hauptstreitobjekt der beiden Blöcke des Ost-West-Konflikts entwickelt hatte. Der Ausbruch einer militärischen Auseinandersetzung im Stadtgebiet hätte eine Ausweitung des Konflikts auf andere Weltregionen und möglicherweise einen dritten Weltkrieg zur Folge gehabt, weshalb die Vorgänge in Berlin von der Weltöffentlichkeit aufmerksam verfolgt wurden.

I. Berlin unter Verwaltung der Vier Mächte 1945-1948

Erste Nachkriegspläne für Berlin
Mit der Niederlage der Nationalsozialisten zogen die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion gemeinsam als Siegermächte in die deutsche Hauptstadt ein. Pläne für die Aufteilung Berlins in unterschiedliche Sektoren hatten sich bereits während der Kriegskonferenzen konkretisiert. Auf der Moskauer Außenministerkonferenz im Oktober 1943 wurde die Gründung der Europäischen Beratungskommission beschlossen. Die dort sitzenden Vertreter arbeiteten von September bis November 1944 erste Vorschläge zur Gestaltung eines besiegten Nachkriegsdeutschlands aus. Neben der Errichtung von drei Besatzungszonen in Deutschland sollte die Fläche Groß-Berlins als "besonderes Berliner Gebiet" ausgewiesen werden und damit einen Sonderstatus erhalten. Hier sollten die Siegermächte bis zum Abschluss eines Friedensvertrages gemeinsam die Befehlsgewalt ausüben und die Verwaltung der Stadt übernehmen. Dazu war die Aufteilung des Stadtgebiets in drei Sektoren vorgesehen. Im entsprechenden Protokoll war zu lesen:

Das Berlin-Gebiet (unter diesem Begriff wird das Gebiet von „Groß-Berlin“ verstanden, wie es durch das Gesetz vom 27. April 1920 festgelegt wurde) wird gemeinsam von den Streitkräften des Vereinigten Königreiches, der USA, und der UdSSR besetzt werden, die von den betreffenden Oberkommandierenden bestimmt werden. 1)

Auch der Verlauf der späteren Sektorengrenzen wurde ausgearbeitet. Die damaligen Bezirke Pankow, Prenzlauer Berg, Mitte, Weißensee, Friedrichshain, Lichtenberg, Treptow und Köpenick sollten von Truppen der UdSSR besetzt werden. Für die westlichen Stadtteile war die Teilung in einen britischen und einen amerikanischen Sektor vorgesehen.
Auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 wurden diese als Londoner Protokoll bekannten Ausarbeitungen von den Regierungschefs der drei verhandelnden Großmächte im Wesentlichen bestätigt. Mit der Aufnahme Frankreichs in den Kreis der Siegermächte im Mai ging die Aufteilung Deutschlands in nun vier Besatzungszonen und die Schaffung eines vierten Sektors in Berlin einher.

1) zitiert aus: Zonenprotokoll vom 12. September 1944, abgerufen am 16.9.2009.
Die "Alleinherrschaft" der Sowjets
Als erste Besatzungsmacht trafen Einheiten der Roten Armee in Berlin ein. Diese hatten die Stadt nach der Schlacht um Berlin, die am 16. April 1945 mit dem Sturm auf die Seelower Höhen begonnen hatte, bis Ende April vollständig eingenommen. Die Verteidigung der Hauptstadt endete offiziell am 2. Mai mit dem Befehl General Helmuth Weidlings, die Kämpfe einzustellen. Als Stadtkommandant Berlins unterzeichnete er am gleichen Tag die Kapitulation seiner Truppen in Tempelhof. Damit wurde die Befehlsgewalt über Berlin vier Tage nach Hitlers Selbstmord im Führerbunker unter der Reichskanzlei in die Hände der Roten Armee gelegt.
In den folgenden Wochen geriet die gesamte Stadt vorerst ausschließlich unter sowjetische Kontrolle. Noch vor der Unterzeichnung der gesamtdeutschen Kapitulationsurkunde in Berlin-Karlshorst am 9. Mai durch Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel begann die Rote Armee damit, in bereits eroberten Stadtgebieten eine neue Verwaltungsstruktur zu etablieren. Diese folgte sowjetischem Muster. Gleichzeitig wurde allerdings auch die Neueinrichtung von deutschen Stellen vorangetrieben. Unterstützung erhielten die Sowjets von der "Gruppe Ulbricht", die sich aus Funktionären der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zusammensetzte und am 30. April aus dem sowjetischen Exil zurückgekehrt war. Die Devise Walter Ulbrichts, dem Namensgeber der Gruppe, lautete:

Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand behalten. 2)

Dies betraf auch die neu entstehende Parteienlandschaft. Zwar erlaubten die Sowjets bereits am 10. Juni 1945 die Gründung von Parteien, es zeigte sich jedoch bald, dass die KPD eindeutig bevorzugt wurde. Daneben konstituierten sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Christlich Demokratische Union (CDU) und die Liberalen.
Die neuen Machthaber sahen sich vor große Herausforderungen gestellt. Das Ausmaß der Zerstörungen war beträchtlich. Im gesamten Stadtgebiet waren ca. ein Drittel der Wohnungen vernichtet. 3) Vor allem die Bezirke innerhalb des S-Bahn-Ringes wiesen durch den Bombenkrieg einen hohen Zerstörungsgrad auf. Der Bezirk Tiergarten verzeichnete beispielsweise über 50 % der Wohnungen als unbewohnbar. 4) Darüber hinaus waren Gas-, Wasser- und Stromleitungen größtenteils zerstört und der öffentliche Nahverkehr zusammengebrochen.
Die Rote Armee sorgte für erste Aufräumarbeiten, die vor allem auf den Wiederaufbau des Verkehrsnetzes zielten. Straßen und Plätze wurden von Trümmerschutt befreit und ein kleiner Teil des öffentlichen Nahverkehrs bereits im Mai 1945 wieder in Betrieb genommen.
Daneben hatte die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln Priorität. Eine Rationierung der Lebensmittel sollte eine gerechte Verteilung gewährleisten. Doch nur die höchste der fünf eingeführten Lebensmittelklassen ermöglichte eine halbwegs ausreichende Ernährung. Erschwerend hinzu kam der anhaltende Flüchtlingsstrom aus den Ostgebieten: Monatlich erreichten ungefähr 500.000 Vertriebene die Stadt. 5)
Der Umgang der Sowjets mit den Berlinern war unterschiedlich. Obwohl Marschall Konstantin Konstantinowitsch Rokossowski den Befehl gab, Plünderer oder Vergewaltiger vor das Kriegsgericht zu stellen oder zu erschießen, sind zahlreiche Übergriffe auf Zivilpersonen belegt.
Als die West-Alliierten im Juli 1945 Berlin erreichten, endete die Alleinherrschaft der sowjetischen Besatzungsmacht über die Stadt. Trotz des relativ kurzen Zeitraums von zwei Monaten war es den Sowjets gelungen, den Verwaltungsaufbau und die Personalpolitik maßgeblich in ihrem Interesse zu beeinflussen. Hohe Positionen im Gerichtswesen, bei der Polizei, in den Medien und an der Friedrich-Wilhelms-Universität Unter den Linden waren größtenteils mit politisch zuverlässigen Personen besetzt worden. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet waren entscheidende Eingriffe vorgenommen worden. In den späteren westlichen Sektoren hatten die Sowjets 80 % der Industriemaschinen demontiert, im Ostteil dagegen nur 30 %. Zudem waren leistungsstarke Betriebe in die Sowjetische Aktien-Gesellschaft (SAG) umgewandelt worden. Dies stellte bereits einen ersten groben Verstoß gegen die Abmachung der Alliierten dar, eine gemeinsame Wirtschaftspolitik anzustreben. 6)

2) Leonhard, Wolfgang: Die Revolution entlässt ihre Kinder, 22. Auflage, Köln 2005, S. 317.
3) Vgl. Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Geschichte Berlins. Zweiter Band. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart, München 1987, S. 1093.
4) Ebd.
5) Ebd., S. 1032.
6) Vgl. Flemming, Thomas: Berlin im Kalten Krieg. Der Kampf um die geteilte Stadt, Berlin 2008, S. 12.
Berlin als Viersektorenstadt 1945-1948
Am 1. Juli 1945 trafen die ersten Truppen der Amerikaner und der Briten in der Stadt ein. Einen Tag später landete eine französische Vorausabteilung auf dem Flugplatz in Gatow.
Die Sowjets zogen sich wie im Londoner Protokoll festgelegt auf die östlichen Bezirke zurück. Neukölln, Kreuzberg, Tempelhof, Schöneberg, Steglitz und Zehlendorf wurde von den Amerikanern besetzt, Charlottenburg, Spandau, Tiergarten und Wilmersdorf den britischen Truppen zugesprochen. Als letzte Besatzungsmacht übernahmen die Franzosen am 12. August die Kontrolle über ihren Sektor. Dieser setzte sich aus den Bezirken Wedding und Reinickendorf zusammen.
Zur Klärung von Fragen, die ganz Berlin betrafen, wurde am 11. Juli als oberstes Entscheidungsgremium die Alliierte Kommandantur ins Leben gerufen. Diese sollte die Arbeit der vier Stadtkommandanten, die den einzelnen Sektoren vorstanden, koordinieren und ein gleichberechtigtes Nebeneinander der vier Siegermächte in Berlin garantieren. Der Vorsitz wechselte monatlich zwischen den einzelnen Stadtkommandanten. Militärische und zivile Fachkomitees unterstützten deren Arbeit. Zu den wichtigsten Aufgaben zählten die Sicherstellung der Versorgung, der Wiederaufbau der zerstörten Stadt, die Gewährleistung von Ruhe und Ordnung und die Entnazifizierung. Als Ausführungsorgan dieser Beschlüsse fungierte der Berliner Magistrat. Der Sitz der Alliierten Kommandantur befand sich in Zehlendorf in der Kaiserswerther Straße 16-18.
Von den Sowjets vor der Gründungssitzung erlassene Befehle und Anordnungen wurden von den westlichen Sektoren übernommen. Zukünftige Anordnungen mussten innerhalb des Gremiums einstimmig beschlossen werden. Dies hatte zur Folge, dass vorangegangene Maßnahmen der Sowjets nicht mehr rückgängig gemacht werden konnten, da diese das Vetorecht für sich in Anspruch nahmen.
Auf der vierten Sitzung der Alliierten Kommandantur am 4. August 1945 wurde der Grenzverlauf zwischen den Sektoren endgültig bestätigt. Die Westsektoren erstreckten sich zusammen auf einer Fläche von 481 Quadratmetern. Der sowjetische Sektor fiel mit 403 Quadratmetern etwas kleiner aus. Im Sommer 1945 lebten in ganz Berlin etwa 3,3 Millionen Menschen, beinahe zwei Drittel davon im späteren Westteil der Stadt. 7)
Hatte der gemeinsame Kampf gegen Hitlerdeutschland die unterschiedlichen Systeme vereint, wurde nach Kriegsende deutlich, dass die Siegermächte jeweils sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Nachkriegsordnung hatten. Dies betraf auch Fragen hinsichtlich der zukünftigen Berlinpolitik. Während Moskau bestrebt war, den Einflussbereich der Sowjetunion auf ganz Berlin und Gesamtdeutschland auszudehnen, waren die von der sowjetisch besetzten Ostzone völlig umschlossenen Westsektoren für die Westmächte mit dem sich abzeichnenden Ost-West-Konflikt vor allem von politisch-strategischem Interesse. Zunächst markierten einfache Hinweisschilder den Verlauf der Sektorengrenze. Erst als sich die Differenzen zwischen den westlichen Bündnispartnern und der Sowjetunion in der Folgezeit verstärkten, wurde die Freizügigkeit der Berliner Bevölkerung Schritt für Schritt eingeschränkt.

7) Vgl. Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Geschichte Berlins. Zweiter Band. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart, München 1987, S. 1039.
Erste freie Wahlen und die Folgen
Im Vorfeld der ersten freien Wahl nach 1933, die am 20. Oktober 1946 unter Aufsicht der Alliierten stattfand, war es durch die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im sowjetischen Sektor bereits zu Missstimmungen unter den Besatzungsmächten gekommen. Da ein Großteil der Berliner SPD-Mitglieder die Fusion nicht mittragen wollte, bestand die Partei in den westlichen Sektoren eigenständig fort.
An der Wahl zur neuen Stadtverordnetenversammlung beteiligten sich 92,3 % der Bevölkerung. Mit 48,7 % der abgegebenen Stimmen ging die SPD, die im Ostsektor während des Wahlkampfs stark behindert worden war, als klarer Gewinner hervor. Die CDU erzielte 22,2 %, die SED 19,8 %, die Liberalen 9,3 %. 8)
Am 5. Dezember 1946 wählte die Stadtverordnetenversammlung den neuen Magistrat. Der von den Sowjets am 17. Mai 1945 eingesetzte Oberbürgermeister Arthur Werner musste sein Amt an den SPD-Politiker Otto Ostrowski abgeben. Dieser setzte in den folgenden Monaten auf eine Zusammenarbeit mit der SED, was parteiintern heftig umstritten war und im April 1947 zu seinem Rücktritt führte. Als sein Nachfolger wurde in geheimer Abstimmung mit 89 Ja-Stimmen, 17 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen Ernst Reuter (SPD) gewählt. Die Sowjets reagierten sofort mit einem Veto auf die Wahl. Reuters strikt antikommunistische Linie und seine Unterstützung von Seiten der Amerikaner bedrohten die Interessen Moskaus. Die Stadtverordnetenversammlung beharrte jedoch auf ihrer Entscheidung, die von den westlichen Siegermächten anerkannt wurde. Die Regierungspolitik gestaltete sich nun zunehmend schwieriger. Im sowjetischen Sektor wurden gewählte, nichtkommunistische Bezirksamtsmitglieder aus ihren Ämtern gedrängt oder an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. Dies hatte zur Folge, dass viele Magistratsdienststellen ihren Sitz in die Westsektoren verlegten. Große Interessengegensätze zwischen der SED und den restlichen Parteien führten dazu, dass keine Einigung über eine neue Verfassung für Berlin erzielt werden konnte.
Zur selben Zeit vollzog sich auch die Spaltung der Berliner Polizei, da die sowjetische Führung am Polizeipräsidenten Paul Markgraf festhielt, obwohl diesem im November 1947 von der Stadtverordnetenversammlung das Misstrauen ausgesprochen worden war.
Einen weiteren folgenreichen Einschnitt gab es ein Jahr später, als der Landesverband der SED am 30. November 1948 im Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße zu einer außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung zusammentrat. Neben SED-Mitgliedern nahmen beinahe 1.600 Personen, die den von den Sowjets installierten Massenorganisationen wie dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB), dem Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) und der Freien Deutschen Jugend (FDJ) angehörten, an der Sitzung teil. Als Ergebnis der Versammlung wurde der gewählte Gesamtberliner Magistrat für abgesetzt erklärt und ein neuer Magistrat bestimmt.
Die kurz darauf stattfindenden Neuwahlen zur Stadtverordnetenversammlung blieben dann auch auf die Westsektoren begrenzt und fanden ohne Beteiligung der SED statt. Die SPD unter Ernst Reuter wurde mit 64,5 % eindeutig bestätigt. 9) Die Regierungsgeschäfte des (West-)Magistrats wurden ab Dezember 1948 vom Roten Rathaus in das Schöneberger Rathaus verlegt, wo er bis zum Fall der Mauer seinen Sitz hatte.
Die administrative Spaltung der Stadt war damit vollzogen. Und auch auf wirtschaftlicher Ebene entwickelten sich die beiden Stadthälften zunehmend auseinander.

8) Vgl. Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Geschichte Berlins. Zweiter Band. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart, München 1987, S. 1044.
9) Ebd., S. 1061.
Wirtschaftlicher Wiederaufbau in den unmittelbaren Nachkriegsjahren
Ein wesentliches Ziel des Wiederaufbaus bestand darin, die durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogene Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen. Doch vor allem umfangreiche Demontagen, die hauptsächlich unter sowjetischer Führung, später aber auch von den Franzosen vorgenommen wurden, behinderten eine Besserung der ökonomischen Situation im Nachkriegsberlin. Erst Ende des Jahres 1949 einigten sich die Westmächte im Rahmen des Petersberger Abkommens darauf, die Demontage in Westberlin zu beenden.
Ein weiteres Hindernis für eine wirtschaftliche Entspannung stellte der Interzonenhandel dar. Obwohl die Siegermächte in mehreren offiziellen Dokumenten ihr Festhalten an einem einheitlichen deutschen Wirtschaftsraum betonten, war die Zusammenarbeit hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen von Anfang an schwierig. Dies betraf auch Berlin, wo die Aufteilung in Sektoren den Wirtschaftsbetrieb zusätzlich behinderte. Bestimmungen der Sowjets führten dazu, dass jeder Sektor aus der Zone der jeweiligen Besatzungsmacht versorgt werden musste. Als Gründe für diese Anordnung wurden drohende Versorgungsschwierigkeiten für Berlin angegeben, sollte die gesamte Stadt weiterhin ausschließlich aus dem Umland beliefert werden. Dies war natürlich nur ein vorgeschobener Einwand, der den Einfluss der Westmächte zurückdrängen sollte. Als Konsequenz wurden die westlichen Sektoren von ihrem natürlichen Hinterland getrennt.
Während sich die Westmächte sehr schnell auf eine Zusammenarbeit einigen konnten, wurde im sowjetischen Sektor der Aufbau einer sozialistischen Planwirtschaft vorangetrieben. Bedeutende Privatbetriebe wurden in Volkseigentum umgewandelt und die Zuteilung von Rohstoffen und Maschinen zentral gesteuert. Der amerikanische General Lucius D. Clay stellte daraufhin fest, dass es sich bei der sowjetisch besetzten Stadthälfte und den westlichen Sektoren um hermetisch abgeschlossene Gebiete mit fast keinerlei freiem Austausch an Gütern, Personen und Ideen handele. 10) Die Haltung der Sowjets führte dann auch dazu, dass Westberlin, anders als ursprünglich geplant, zunehmend in die westlichen Besatzungszonen integriert wurde.

10) Vgl. Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Geschichte Berlins. Zweiter Band. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart, München 1987, S.S1052.
Die Währungsreformen im Jahr 1948
Die Differenzen auf wirtschaftlichem Gebiet betrafen auch die Geldpolitik. Nachdem die Einführung einer neuen gesamtdeutschen Währung gescheitert war, wurde in den drei westlichen Zonen am 20. Juni 1948 die alte Reichsmark durch die Deutsche Mark ersetzt. Vier Tage später wurde in der sowjetischen Zone die Ostmark eingeführt. Unklar blieb zunächst, wie die vier Besatzungsmächte im gemeinsam verwalteten Berlin verfahren würden. Während die Westalliierten auf die Einführung der D-Mark in ihren Sektoren aufgrund des Sonderstatus' der Stadt zunächst verzichteten, schlug die Sowjetunion einen konfrontativen Kurs ein. Der sowjetische Finanzexperte Vladimir Sitnin machte deutlich, dass die Währung Berlins sich nicht von der sowjetisch besetzten Zone unterscheiden dürfe. 11) Zwar erklärten sich die westlichen Vertreter dazu bereit, die Einführung der Ostmark in ganz Berlin zu akzeptieren, stellten aber gleichzeitig die Bedingung, dass die Kompetenzen der Währungspolitik der Alliierten Kommandantur übertragen werden müssten. Dies wurde von der Sowjetunion entschieden abgelehnt. Ab dem 24. Juni wurde der Ostberliner Bevölkerung die Verwendung von Geldscheinen aus den westlichen Zonen untersagt und eine Währungsreform für Groß-Berlin durchgeführt. Die Westmächte reagierten mit der sofortigen Einführung der Westmark in ihren Sektoren. Zwei Maßnahmen zeigten, dass die Westmächte durchaus noch auf die Rückkehr zu einer einheitlichen Währung hofften: Bis zum 20. März 1949 wurde die Ostmark noch als Zahlungsmittel akzeptiert, außerdem waren die in den Westsektoren ausgegeben D-Mark-Scheine mit dem Stempelaufdruck "B" versehen.
Zu einer Währungsunion kam es jedoch nicht mehr. Gespräche zwischen den Besatzungsmächten, die sich noch bis Anfang 1949 hinzogen, scheiterten allesamt.
Als Folge der zunehmenden Differenzen zwischen den Siegermächten verließ am 16. Juni 1948 die sowjetische Delegation die Alliierte Kommandantur, nachdem sich die Sowjets schon am 20. März aus dem für Gesamtdeutschland zuständigen Alliierten Kontrollrat zurückgezogen hatten. Die Vier-Mächte-Verwaltung Berlins, die nie richtig funktioniert hatte, war damit formal beendet. Die Alliierte Kommandantur bestand zwar weiter, konnte nun allerdings keinen Einfluss mehr auf die Umsetzung ihrer Beschlüsse in den Ostsektoren nehmen. Insgesamt wurden während der etwa dreijährigen gemeinsamen Arbeit in 93 Sitzungen 1.168 Befehle und Verordnungen erlassen. 12)
Mit dem Austritt des sowjetischen Stadtkommandanten wurde spätestens im Verlauf des Jahres 1948 deutlich, dass eine dauerhafte Spaltung Berlins sowie Deutschlands sowohl auf politischer als auch wirtschaftlicher Ebene unausweichlich war.

11) in: Quellensammlung Berlin. Quellen und Dokumente.
12) Vgl. Jeschonnek, Friedrich/Riedel, Dieter/Durie, William: Alliierte in Berlin 1945-1994. Ein Handbuch zur Geschichte der militärischen Präsenz der Westmächte, Berlin 2007, S. 59.


II. Krisen um Berlin und die endgültige Teilung der Stadt 1961

Die Berlin-Blockade 1948/49
In den unmittelbaren Nachkriegsjahren zielte die sowjetische Deutschlandpolitik auf die Beherrschung des ganzen Landes. Als sich dieses Vorhaben aufgrund der Existenz der Westzonen nicht umsetzen ließ, konzentrierte man sich auf die Konsolidierung des Machtbereichs in der eigenen Zone. Die westlichen Sektoren in Berlin, die von der sowjetischen Zone bzw. dem sowjetischen Sektor vollständig eingeschlossen waren, waren dabei ein Hindernis. Eine sich allmählich verstärkende Behinderung des zivilen wie militärischen Verkehrs durch die sowjetische Besatzungsmacht sollte die westliche Präsenz in der Stadt schwächen und mittelfristig zum Rückzug zwingen. Die während der Kriegskonferenzen ausgearbeitete Vier-Mächte-Verwaltung der Stadt wurde von sowjetischer Seite nicht mehr anerkannt. Die Differenzen anlässlich der Währungsreform boten Moskau schließlich einen willkommenen Anlass, die gesamten Land- und Wasserwege nach Westberlin zu blockieren.
Unter der Führung des amerikanischen Generalgouverneurs Lucius D. Clay und nach Absprache mit dem US-Präsidenten Harry S. Truman reagierten die westlichen Alliierten mit der Einrichtung einer Luftbrücke und machte damit deutlich, dass sie keineswegs bereit waren, die westlichen Sektoren den sowjetischen Besatzern zu überlassen. Bereits 24 Stunden nach Verhängung der Blockade erreichten die ersten Transportmaschinen den Flughafen Tempelhof. Über drei jeweils 32 Kilometer breite Luftkorridore von Berlin aus Richtung Hamburg, Hannover und Frankfurt/Main waren es bald mehr als 500 amerikanische und britische Flugzeuge, welche die Versorgung der Westsektoren mit Lebensmitteln und anderen lebenswichtigen Gütern sicherstellen sollten. 13) Die tägliche Transportleistung betrug zunächst 120 Tonnen und konnte bis August auf 4.254 Tonnen gesteigert werden; bis zum Frühjahr 1949 erfolgte eine weitere Zunahme auf über 8.000 Tonnen. 14) Die Maschinen landeten schließlich im Zweiminutentakt in Tempelhof, Gatow und auf dem neu errichteten Flughafen Tegel. Damit konnte die Bevölkerung Westberlins ernährt und die Versorgung mit Energie aufrechterhalten werden. Auch die Wirtschaft blieb in geringem Maß funktionstüchtig.
Am 9. September 1948 versammelten sich 300.000 Berliner vor der Ruine des Reichstags, da sie bei zeitgleich stattfindenden Verhandlungen der vier Siegermächte eine Einigung auf Kosten der Westsektoren befürchteten. In einem eindringlichen Appell an die westlichen Besatzungsmächte rief der Regierende Oberbürgermeister Ernst Reuter die Verhandlungspartner zu überlegtem Handeln auf:

Heute ist der Tag, wo das Volk von Berlin seine Stimme erhebt… In all diesem Handeln und Verhandeln wollen wir Berliner kein Tauschobjekt sein…Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt! Und erkennt, daß ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben könnt! 15)

Die Luftbrücke beschleunigte die weitere Teilung der Stadt, da bedingt durch die Blockade ein eigenständiges Versorgungsnetz innerhalb der westlichen Sektoren aufgebaut werden musste. In das Jahr 1949 fällt die Trennung der Wasserversorgung und der Abfallwirtschaft. Ende des gleichen Jahres konnte das Kraftwerk Ruhleben seinen Betrieb aufnehmen und machte die westlichen Sektoren von der Stromversorgung aus dem Ostteil unabhängig. Mit der Gründung des Westberliner Gasversorgungsunternehmens GASAG wurde außerdem die Spaltung des Gasnetzes vorbereitet.
Letzten Endes erreichte die UdSSR mit der Blockade keines ihrer Ziele. Die Westberliner Bevölkerung solidarisierte sich mit den westlichen Alliierten. Außerdem wurde die Westintegration beschleunigt fortgesetzt. Dies führte dazu, dass nach Gesprächen beider Parteien in New York ab dem 4. Mai 1949 die Verkehrsverbindungen zwischen Westberlin und Westdeutschland wiederhergestellt werden konnten. Bis dahin hatten amerikanische und britische Maschinen beinahe 1,8 Milliarden Tonnen Güter in die Stadt geflogen. Davon waren 28 % Lebensmittel, 63 % Kohle und 9 % Industriegüter. 16)

13) Vgl. Flemming, Thomas: Berlin im Kalten Krieg. Der Kampf um die geteilte Stadt, Berlin 2008, S. 21.
14) Vgl. Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Geschichte Berlins. Zweiter Band. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart, München 1987, S. 1064. 15) Flemming, Thomas: Berlin im Kalten Krieg. Der Kampf um die geteilte Stadt, Berlin 2008, S. 22. 16) Vgl. ebd., S. 24.
Aus Besatzungsmächten werden Schutzmächte
Die Besatzungspolitik der Westmächte konzentrierte sich in der Folgezeit hauptsächlich darauf, die Lebensfähigkeit und Sicherheit Westberlins zu gewährleisten. Ein Rückzug Großbritanniens, der USA und Frankreichs aus den Westsektoren wäre dem Eingeständnis gleichgekommen, gegenüber der Sowjetunion unterlegen zu sein. Deshalb verständigte man sich auf eine automatische militärische Beistandspflicht, die im Falle eines militärischen Vorgehens Moskaus gegen die Westsektoren greifen sollte. Um bei einer erneuten Blockade die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, wurden an geheimen Orten im gesamten Westteil der Stadt Reserven an Lebensmitteln und anderen Gütern angelegt.
Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der drei westlichen Besatzungszonen brachte auch den westlichen Sektoren Berlins größere Selbstbestimmungsrechte. Dem Magistrat wurde mit dem so genannten kleinen Besatzungsstatut vom 14. Mai 1949 eine weitreichende Selbstständigkeit zugesprochen. Am 1. Oktober konnte für den Westteil der Stadt auch eine neue Verfassung verabschiedet werden. Berlin wurde damit zugleich in den Rang eines Landes und einer Stadt überführt, der auch heute noch seine Gültigkeit besitzt, und Senat und Abgeordnetenhaus nach dem Vorbild der freien Hansestädte eingeführt. Eine vollständige Eingliederung in die BRD unterblieb jedoch aufgrund der weiterhin formal gültigen Vier-Mächte-Verwaltung. Das Besatzungsrecht galt bis zur deutschen Einheit 1990, weshalb in Bonn verabschiedete Bundesgesetze erst nach Billigung der Westalliierten in Berliner Gesetze umgewandelt werden konnten.
Die am 7. Oktober 1949 verabschiedete Verfassung der innerhalb der sowjetischen Zone gegründeten Deutschen Demokratischen Republik erklärte Berlin zur Hauptstadt des deutschen Teilstaates. Dies bedeutete eine grobe Rechtsverletzung des offiziellen Vier-Mächte-Status' der Stadt. Der entsprechende Artikel wurde von den Westmächten jedoch hingenommen.
Die gute Kooperation zwischen den USA, Großbritannien und Frankreich mündete in die Einrichtung des alliierten Stabes, der ab Oktober 1950 als Schaltzentrale der Zusammenarbeit dienen sollte. Sicherheits- und Zugangsfragen sowie Notfallplanungen wurden innerhalb dieses Organs erörtert.
Im Mai 1955 formulierten die westlichen Alliierten die "Erklärung über Berlin". Dieses Dokument sollte gegenüber den Sowjets die Unantastbarkeit (West-)Berlins verdeutlichen. Die drei westlichen Stadtkommandanten besaßen demnach weiterhin besatzungsrechtliche Funktionen und kooperierten gleichberechtigt innerhalb der Alliierten Kommandantur, die ab 1955 den Botschaftern der Alliierten in Bonn und Berlin unterstand. Im Jahresdurchschnitt erließen die Westmächte in der Folgezeit allerdings nur noch fünf Verordnungen. 17)
Im Ostsektor zeichnete sich parallel dazu eine ähnliche Entwicklung ab, die jedoch früher einsetzte und großzügiger verlief. Im November 1955 erklärte der sowjetische Stadtkommandant, dass der östliche Sektor zur DDR gehöre und die Vier-Mächte-Kontrolle beendet sei. Im gleichen Jahr wurde mit der Stationierung von Truppeneinheiten der Nationalen Volksarmee begonnen. Trotz dieser Entwicklungen blieb die Sowjetunion bis 1990 aufgrund ihrer großen Einflussnahme faktische Besatzungsmacht.

17) Vgl. Jeschonnek, Friedrich/Riedel, Dieter/Durie, William: Alliierte in Berlin 1945-1994. Ein Handbuch zur Geschichte der militärischen Präsenz der Westmächte, Berlin 2007, S. 70.
Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953
Durch die Überführung großer Teile der Industrie in volkseigene Betriebe war der ostdeutsche Teilstaat zum größten Arbeitgeber aufgestiegen. Obwohl sich die DDR als Arbeiterstaat feierte, gab es für die Arbeitnehmer keine spürbaren Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Der FDGB entpuppte sich als eine SED-treue Massenorganisation. Mit der Auflösung von Betriebsräten war eine Mitbestimmung der Arbeiterschaft kaum mehr möglich. Seit Herbst 1952 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage erheblich. Um eine Steigerung der Arbeitsproduktivität zu erreichen, beschloss die DDR-Führung Mitte Juni 1953 die allgemeine Erhöhung der Normen. Am 16. Juni sammelten sich daraufhin rund 200 Ostberliner Bauarbeiter auf den Baustellen des Krankenhauses am Friedrichshain und an der Stalinallee, um ihren Protest durch Arbeitsniederlegung und Streik zum Ausdruck zu bringen. Durch eine breite Berichterstattung des Westberliner Rundfunksenders RIAS weitete sich die Streikbewegung am folgenden Tag auf andere Städte in der DDR aus. Parteibüros der SED und Gefängnisse wurden gestürmt. Forderten die Demonstranten zunächst ausschließlich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, drängten sie nun auch auf politische Teilhabe und den Rücktritt der Regierung. In Ostberlin gingen etwa 60.000 Menschen auf die Straße. 18)
Der sowjetische Stadtkommandant reagierte um 13 Uhr mit der Verhängung des Ausnahmezustandes. Volkspolizei und sowjetische Panzerfahrzeuge schlugen den Aufstand blutig nieder, 21 Tote, mindestens drei Todesurteile und 1.400 Verurteilungen waren die Folge. 19) Der Westen griff nicht ein, sondern versuchte lediglich ein Übergreifen der Proteste in die eigenen Sektoren zu verhindern – ein Umstand, der dazu führte, dass die jeweiligen Einflusssphären bestätigt wurden.

18) Vgl. Flemming, Thomas: Berlin im Kalten Krieg. Der Kampf um die geteilte Stadt, Berlin 2008, S. 30.
19) Vgl. Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Geschichte Berlins. Zweiter Band. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart, München 1987, S. 1084.
Das Chruschtschow-Ultimatum
Der Konflikt um Berlin spitzte sich Ende der 1950er Jahre weiter zu. Durch eine endlose Fluchtbewegung aus dem Ostteil der Stadt und der DDR nach Westberlin schien die Konsolidierung des noch jungen Arbeiter- und Bauernstaates in Gefahr, daher wurde 1957 der Grenzübertritt entscheidend erschwert. Die Erteilung von Reisegenehmigungen für Westdeutschland wurden beschränkt, der Autobus- und Straßenbahnverkehr über die sowjetische Sektorengrenze eingestellt. Dennoch war der Besuch der anderen Stadthälfte für die Berliner Bevölkerung weiterhin selbstverständlich. So kamen etwa ein Viertel aller Studierenden an den Westberliner Universitäten, Fach- und Hochschulen aus Ostberlin oder der DDR. 20)
Im November 1958 forderte der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita Chruschtschow den Abzug der Westmächte aus der Stadt. Die Vier-Mächte-Verwaltung Berlins und die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen seien rechtswidrig und würden allein westlichem Machtstreben dienen. Für Berlin sah Chruschtschow die Zukunft in einer selbstständigen politischen und entmilitarisierten "Freien Stadt". Schließlich forderte er die westlichen Alliierten dazu auf, innerhalb der nächsten sechs Monate Verhandlungen mit der Sowjetunion aufzunehmen, andernfalls werde die Sowjetunion einen Vertrag mit der DDR abschließen, welcher dieser die volle Souveränität und Kontrolle über die Wege nach und von Berlin zu Wasser und Land sowie über den Luftraum übertrüge. Die Westmächte gingen auf die Forderungen aus Moskau nicht ein. Im Dezember des gleichen Jahres bekräftigten sie ihre Absicht, Westberlin nicht aufzugeben. Auch die Bundesregierung versprach die weitere wirtschaftliche Unterstützung. Die 1959 abgehaltene Genfer Außenministerkonferenz brachte keine Einigung zwischen den Beteiligten. Ein gutes Jahr später drohte Chruschtschow erneut mit dem Abschluss eines separaten Friedensvertrages mit der DDR. Der Drohung folgten jedoch keine Taten, zumal die USA an ihrer Entschlossenheit festhielten, Westberlin zu halten. Dies betonte der amerikanische Präsident John F. Kennedy erneut Mitte des Jahres 1961. Die Stadthälfte stellte einen unverzichtbaren Vorposten des Westens im Kampf der Systeme dar.
Zwar hätte die Sowjetunion durch ihre lokalen Vorteile die Stadt wahrscheinlich problemlos einnehmen können, jedoch gelang es den Westalliierten, die Existenz der Westsektoren durch ein Sicherheits- und Garantienetz zu gewährleisten. Ein Angriff gegen Westberlin von sowjetischer Seite aus hätte einen Angriff gegen die NATO-Staaten bedeutet. Dies vor Augen forcierte Moskau schließlich die Abgrenzung Ostberlins vom Westteil – eine Entwicklung, an deren Ende der Bau der Berliner Mauer stehen sollte.

20) Vgl. ebd., S. 1088.
Die endgültige Teilung der Stadt
Als im Februar 1961 die Evangelische Kirche daran gehindert wurde, Veranstaltungen im Ostsektor durchzuführen, war die Spaltung der letzten gesamtdeutschen Einrichtung besiegelt. Unter dem Eindruck verschärfter Grenzkontrollen nahm der Flüchtlingsstrom zur gleichen Zeit stark zu. Zwischen Oktober 1949 und Dezember 1960 hatten bereits mehr als 2,5 Millionen Menschen der DDR den Rücken gekehrt. 21) Im März 1961 schlug Walter Ulbricht erstmals die Ziehung eines Stacheldrahtzauns vor, ein Vorschlag, der in Moskau jedoch zunächst auf Ablehnung stieß. Als Ulbricht am 15. Juni auf einer internationalen Pressekonferenz gefragt wurde, ob geplant sei, eine Staatsgrenze am Brandenburger Tor zu errichten, antwortete dieser:

Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Ääh, mir ist nicht bekannt, dass [eine] solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. 22)

Anfang August kam schließlich das Einverständnis der Sowjets, die Sektorengrenze nach Westberlin hin baulich zu sichern. Nachdem die Volkskammer der DDR am 11. August dem Ministerrat den Auftrag erteilt hatte, den "Reiseverkehr" in den Westen zu verringern, folgte in den Morgenstunden des 13. August die Sperrung durch Volkspolizei und Nationale Volksarmee. Der S-Bahn-Verkehr wurde unterbrochen und das Betreten Westberlins allen Ostberlinern strengstens untersagt. Zunächst wurden die Grenzbefestigungen mit provisorischem Stacheldrahtzaun gesichert. Nach und nach folgte der Bau einer vier Meter hohen Betonplattenwand, die mit schließlich 107,3 Kilometern Länge die westlichen Sektoren zum Großteil umschloss. Dazu kamen auf eine Länge von 65,3 Kilometern Gitterzäune aus Metall und insgesamt 300 Beobachtungstürme. 23)
Die Reaktion der Westmächte auf die Abriegelung fiel zur Enttäuschung vieler Westberliner zurückhaltend aus. Da die Sperrmaßnahmen die westliche Militärpräsenz in Berlin, den freien Zugang in die Stadt und die Freizügigkeit in Westberlin nicht in Frage stellten, folgten nur verbale Attacken.
Am 17. August erging an die Sowjetunion die Aufforderung, die Sperrung durch die Mauer aufzuheben, da sie den Vier-Mächte-Status der Stadt verletze und keine rechtliche Grundlage besitze. Die UdSSR zeigte jedoch keine Verhandlungsbereitschaft. Stattdessen verschärfte sich die Situation weiter. Am 23. August wurde von Behörden Ostberlins die Anordnung gegeben, dass künftig auch Westberliner zum Besuch der östlichen Stadteile einen Passagierschein beantragen müssten. Die Anzahl der Grenzübergangsstellen wurde auf sieben reduziert; vier davon waren für Westberliner, zwei für Westdeutsche und eine für Ausländer vorgesehen.
Im Oktober kam es dann zu einem ernsten Zwischenfall an der Mauer. Mehrmals waren Angehörige der Westalliierten am Checkpoint Charlie von DDR-Volkpolizisten wegen Ausweiskontrollen angehalten worden. Da dies gegen das alliierte Recht des ungehinderten Zugangs zum Ostsektor verstieß, fuhren am 25. Oktober 1961 auf amerikanischer Seite mehrere Panzer auf. Kurze Zeit später bezogen sowjetische Panzer Stellung. Erst nach drei Tagen konnten sich die beiden Seiten auf einen Abzug einigen, ohne dass es zu einem militärischen Konflikt kam.

21) Vgl. Flemming, Thomas: Berlin im Kalten Krieg. Der Kampf um die geteilte Stadt, Berlin 2008, S. 56.
22) Wikipedia: Berliner Mauer, abgerufen am 2.10.2009.
23) Vgl. Jeschonnek, Friedrich/Riedel, Dieter/Durie, William: Alliierte in Berlin 1945-1994. Ein Handbuch zur Geschichte der militärischen Präsenz der Westmächte, Berlin 2007, S. 101.
Die Folgen des Mauerbaus
Der Bau der Berliner Mauer markierte den Abschluss einer Entwicklung, die 1948 mit der administrativen Spaltung des Berliner Magistrats begonnen hatte. Nun war die Teilung der Stadt in jeder Hinsicht vollzogen. Mindestens 138 Menschen fanden bis 1989 bei Fluchtversuchen an der Berliner Mauer den Tod, mehr als 3.200 DDR-Bürger wurden festgenommen. 24)
Die beiden Stadthälften entwickelten sich als Folge des Mauerbaus zu zwei eigenständigen Stadtgebilden. Während das historische Zentrum um den Alexanderplatz zur Mitte Ostberlins avancierte, wurde die Gegend um den Breitscheidplatz zum Mittelpunkt Westberlins ausgebaut.
Um die westliche Stadthälfte zu stärken, plante der dort regierende Bürgermeister Willy Brandt (SPD), als Bekenntnis zu den westalliierten Schutzmächten eine Volksabstimmung durchzuführen. Diese Unternehmung scheiterte an der angespannten politischen Lage, die inzwischen mit der Kuba-Krise an neuer Schärfe gewonnen hatte. Als weitere Antwort auf die unzumutbaren Zustände der Berliner Bevölkerung wurde überlegt, die Vereinten Nationen mit der Lösung des Problems zu betrauen. Sogar die Verlegung des UN-Hauptquartiers nach Westberlin wurde in Erwägung gezogen. Doch eine Lösungsfindung innerhalb eines Organs, das ebenfalls von der Blockbildung dominiert wurde, schien utopisch.
Als Kennedy im Juni 1963 Westberlin besuchte, sprach er auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses stehend, seine bekannten Worte: Ich bin ein Berliner. Damit betonte er noch einmal die dauerhafte Präsenz der Westalliierten in Berlin, was von der vor dem Rathaus versammelten Menge mit Begeisterung aufgenommen wurde.
Für Weihnachten 1963 konnte eine Passierscheinregelung gefunden werden. Auf eine dauerhafte Besuchsregelung verständigten sich beide Seite im darauf folgenden Jahr. Nun hatten Westberliner das Recht, fünfmal im Jahr Verwandte in Ostberlin zu besuchen.
Um die Lebensfähigkeit der nun völlig isolierten Westberliner Stadthälfte aufrechtzuerhalten, einigte sich die Bonner Regierung auf einen Ausbau der Subventionen. Auch die Ansiedlung von Bundesdienststellen von 1959 bis 1962 diente der Stärkung Westberlins. Daneben wurde die Kulturpolitik gezielt gefördert. Der Bau des Kulturforums mit Philharmonie und neuer Staatsbibliothek fällt nicht zufällig in diese Zeit und trug seinen (kulturellen) Teil zum Kampf der Systeme bei. Auch der Bau der Berliner Stadtautobahn geht indirekt auf die Teilung der Stadt zurück. Neben einer Verbesserung der Infrastruktur sollte auch die Bewegungsmöglichkeit von Truppenteilen innerhalb des Stadtgebiets bei militärischen Operationen verbessert werden.
Der Ostsektor wurde währenddessen mehr und mehr in die DDR integriert. Im August 1962 beendete der sowjetische Stadtkommandant seine Arbeit und wurde durch einen deutschen "Stadtkommandanten für die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik" ersetzt. Ab 1976/77 erfolgte die allmähliche Gleichstellung des Ostsektors mit den Bezirken der DDR. So wurden beispielsweise im Jahr 1976 die Kontrollposten an den Ausfallstraßen von Ostberlin geschlossen. Der Sonderstatus Groß-Berlins, der in der von den Vier Mächten gemeinsam verwalteten Stadt seinen Ausdruck finden sollte, wurde damit weiter unterlaufen.

24) Vgl. ebd. S. 103; Chronik der Mauer, abgerufen am 19.1.2015.


III. Von der Entspannungspolitik zur deutschen Einheit

Das Viermächteabkommen 1971/1972
Der Bau der Berliner Mauer steht für das Scheitern der Gespräche zwischen Ost und West, aber auch die allmähliche Bereitschaft beider Seiten, den Teilungszustand Berlins auf Dauer zu akzeptieren. Dadurch konnte sich das Verhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion mittelfristig bessern. Diese Entwicklung führte schließlich zum Abschluss des Viermächteabkommens am 3. September 1971. Bereits in den Jahren 1961/62 war es zu ersten Verhandlungen zwischen den Blöcken gekommen, die jedoch kein konkretes Ergebnis brachten. Viele ungeklärte, vor allem rechtliche Fragen verlangten jedoch nach eindeutigen Regelungen. Eine neue Initiative kam vom amerikanischen Präsidenten Richard Nixon, als er am 27. Juni 1969 in Berlin erklärte, dass es Zeit für Gespräche sei; keine zwei Wochen später signalisierte der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko ebenfalls Verhandlungsbereitschaft. Ende März 1970 kam es zu einem ersten Treffen im ehemaligen Gebäude des Berliner Kammergerichts. Vorerst beherrschten unterschiedliche Auffassungen die Agenda. Besonders über die verfassungsrechtliche Stellung Berlins konnten die Beteiligten keine Einigung erzielen. Das politische Klima stimmte jedoch optimistisch. Die hauptsächlich unter der Regierung von Willy Brandt und Walter Scheel neu ausgerichtete bundesdeutsche Ostpolitik setzte auf Entspannung und Ausgleich mit den osteuropäischen Staaten. Schließlich war die UdSSR im Gegenzug dazu bereit, die Bindungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin offiziell anzuerkennen. Die Ergebnisse der Verhandlungen wurden in drei Vertragswerken festgehalten. Westberlin wurde weiterhin kein fester Bestandteil der BRD, gewisse Bindungen nach Bonn wurden allerdings von allen Seiten akzeptiert. Dazu gehörte das Recht, Abgeordnete in den Bundestag und Bundesrat zu schicken und Bundesgesetze zu übernehmen. Darüber hinaus wurde der Bundesrepublik zugebilligt, die Bewohner Westberlins konsularisch betreuen zu können und Westberlin auf internationaler Ebene zu vertreten. In Berlin abgehaltene Bundesversammlungen sowie Plenarsitzungen von Bundestag und Bundesrat waren dagegen zukünftig untersagt. Die DDR wurde von den drei Westmächten diplomatisch anerkannt, dies betraf auch die Rolle Ostberlins als Hauptstadt des ostdeutschen Teilstaates.
Außerdem wurden innerdeutsche Fragen geklärt. Dazu gehörten unter anderem Transitabkommen, Vereinbarungen über Besuche und eine einfachere Straßenbenutzung durch die Westalliierten. Durch den Austausch von kleinen Gebieten wurde der Grenzverlauf begradigt und die Wiedereröffnung des Teltow-Kanals ermöglicht. Die Rechte der Alliierten erfuhren eine weitgehende Bestätigung. Dazu gehörten die wechselseitigen Patrouillenfahrten in den jeweiligen Sektoren, die gemeinsame Kontrolle über die Luftsicherheitszentrale und die gemeinsame Bewachung des Spandauer Kriegsverbrechergefängnisses.
Alles in allem führte das Viermächteabkommen zu einer merklichen Beruhigung der Situation in der geteilten Stadt. Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks im Jahr 1989 waren Fragen hinsichtlich Berlins dann auch von einer Entspannungspolitik geprägt. Alle Beteiligten gewöhnten sich an den Status quo. Ernsthafte politische Krisen traten bis zur deutschen Einheit nicht mehr auf.
Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 als Folge des Zusammenbruchs des Ostblocks erhielt Deutschland seine volle Souveränität zurück. Die Grundlage hierfür bildete der Zwei-plus-Vier-Vertrag, der am 12. September 1990 von den Besatzungsmächten unterzeichnet wurde. Ein zusätzliches Abkommen vom Oktober des gleichen Jahres regelte den Abzug der sowjetischen Truppen bis zum Jahr 1994 aus der DDR und Ostberlin. Die Streitkräfte der westlichen Alliierten blieben auf Wunsch der Bundesregierung bis dahin als Sicherheitsgarantie in Berlin stationiert, nahmen aber keinen Einfluss mehr auf das politische Geschehen.


IV. Die Infrastruktur und Standorte der Alliierten in Berlin

Militärstützpunkte und Wohnstandorte
Das Besatzungsstatut galt für Berlin bis zum 3. Oktober 1990 und äußerte sich vor allem darin, dass die Besatzungsmächte das Recht besaßen, vor Ort eigene Truppen zu stationieren.
Die Gruppengröße der sowjetischen Streitkräfte und der Nationalen Volksarmee im Berliner Raum wird zusammen auf 90.000 Personen geschätzt. 25) Nach dem Mauerbau kamen 11.000 Mann der Grenztruppe hinzu. 26) Den entmilitarisierten Westsektoren stand zudem der Ostteil der Stadt gegenüber, der schrittweise in das Militärwesen der DDR eingebunden wurde.
Insgesamt hielten sich in den Westsektoren durchschnittlich ungefähr 12.200 Soldaten auf, darunter 6.000 aus den USA, 3.600 aus Großbritannien und 2.600 aus Frankreich. 27) Mit den Angehörigen kamen die westlichen Besatzungsmächte auf 30.000 Personen und stellten damit rund 2 % der Westberliner Bevölkerung. 28) Die militärische Ausrüstung bestand aus 69 Panzern, 86 gepanzerten Mannschaftstransportern und sechs Artilleriekanonen. Kampfflugzeuge standen in Berlin nicht zur Verfügung. 29)
Waren die unmittelbaren Nachkriegsjahre von zahlreichen Umzügen und Neustrukturierungen geprägt, bildeten sich im Laufe der Zeit in jedem Sektor Schwerpunkte in der Standortwahl heraus. Auffällig ist, dass die wichtigsten Stützpunkte weit außerhalb der von der Ringbahn umschlossenen Berliner Innenstadt lagen, was mit dem hohen Zerstörungsgrad im Zentrum zusammenhing. An der Peripherie konnten die Alliierten auf einen intakten sowie modernen Gebäudebestand zurückgreifen und diesen ihrer Nutzung zuführen. Dies betraf vor allem militärische Einrichtungen, die von deutscher Seite aufgrund der Entmilitarisierung nach der Kriegsniederlage nicht weiter genutzt werden konnten. Daneben wurden in den ersten Jahren der Besatzung aber auch private Liegenschaften beschlagnahmt und neue Wohnstandorte errichtet. Meist handelte es sich dabei um kompakte Wohnsiedlungen, die in der Regel frei zugänglich waren. Insgesamt wurden im Westsektor etwa 5.300 Wohnungen für die Westalliierten neu gebaut. 30) Eine vergleichbare Bautätigkeit gab es in Ostberlin nicht. Die Westalliierten nutzten etwa 4,5 % der Fläche Westberlins und unterhielten 70 Liegenschaften. 31) Für den sowjetischen Sektor sind entsprechende Zahlen nicht bekannt.

25) Vgl. Presse- und Informationsamt des Landes Berlin (Hrsg.): Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt, Berlin 1993, S. 33.
26) Vgl. Flemming, Thomas: Berlin im Kalten Krieg. Der Kampf um die geteilte Stadt, Berlin 2008.
27) Vgl. ebd.
28) Vgl. Jeschonnek, Friedrich/Riedel, Dieter/Durie, William: Alliierte in Berlin 1945-1994. Ein Handbuch zur Geschichte der militärischen Präsenz der Westmächte, Berlin 2007, S. 93.
29) Vgl. Presse- und Informationsamt des Landes Berlin (Hrsg.): Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt, Berlin 1993, S. 33.
30) Vgl. Simon, Christian: Ausländische Einrichtungen in Berlin – Standorte, Funktion und innerstädtische Verflechtung; S. 50.
31) Vgl. Jeschonnek, Friedrich/Riedel, Dieter/Durie, William: Alliierte in Berlin 1945-1994. Ein Handbuch zur Geschichte der militärischen Präsenz der Westmächte, Berlin 2007, S. 88.


V. Einrichtungen für die Berliner Bevölkerung

Kultureinrichtungen
Einige Kulturinstitutionen wandten sich direkt an die Berliner Bevölkerung. Im Februar 1946 wurde in der Kleiststraße in Schöneberg eine Bibliothek eröffnet, die vor allem Werke zum Bestand zählte, die unter den Nationalsozialisten verboten waren. Aus dieser ging später das Amerika-Haus hervor, das im Juni 1957 sein endgültiges Domizil in der Hardenbergstraße 22-24 beziehen konnte.
Eine weitere von der amerikanischen Regierung finanzierte Institution ist die 1954 eröffnete Amerika-Gedenkbibliothek. Die 1957 fertig gestellte Kongresshalle (heute Haus der Kulturen der Welt), das von 1959 bis 1964 errichtete Studentendorf Schlachtensee und einige Einrichtungen der im Jahr 1948 neu gegründeten Freien Universität wurden ebenfalls von amerikanischer Seite finanziert. Die Namensgebung der Hochschule sollte die ideologiefreie Lehre verdeutlichen.
Kulturzentren, die den wissenschaftlich-kulturellen Austausch fördern sollten, waren das 1948 gegründete British Centre/British Council, welches im Jahr 1962 vom Lehniner Platz in die Hardenbergstraße zog, und drei von den Franzosen unterhaltene Einrichtungen: das Centre Culturel Français in der Müllerstraße 74 im Wedding, das Foyer Berthezène am Kurt-Schumacher-Damm 16-24 und das französische Kulturzentrum am Zeltinger Platz in Frohnau.
Die Sowjets richteten in der Ehrenfelsstraße in Karlshorst ein kleines Theater ein, das in der Folgezeit hauptsächlich als Kino genutzt wurde. Im Jahr 1984 wurde in der Friedrichstraße 176-179 das Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur eröffnet. Das Gebäude beinhaltete vier Kongressräume, Ausstellungsflächen, eine Bibliothek und einen Buchladen.
Schutzeinrichtungen
Während des Kalten Krieges wurden Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg umgenutzt oder sogar reaktiviert. Ab Ende der 1950er Jahre diente ein Drittel der 81 größeren Luftschutzbunker im Westteil der Stadt als Lagerraum für "Senatsreserven", welche die Einwohner Westberlins im Falle einer erneuten Blockade mit lebenswichtigen Gütern versorgen sollten. 32)
1965 erließ der Senat in Abstimmung mit den Westalliierten eine Anordnung zur Errichtung von Schutzräumen für die Bevölkerung. Neben der Reaktivierung von elf bereits bestehenden Anlagen wurde ab den 1970er Jahren auch der Bau neuer Schutzräume vorangetrieben. Als "Mehrzweckanlagen" entstanden zwei Tiefgaragen und zwei U-Bahnhöfe, die im Notfall 14.500 Berlinern Schutz geboten hätten. 33) Außerdem wurde am Fehrbelliner Platz ein Regierungsbunker für den Senat eingerichtet. In Ostberlin existierten mindestens sieben vergleichbare Schutzräume. Insgesamt standen in 23 Bunkeranlagen in West- und Ostberlin etwa 27.000 Plätze zur Verfügung. 34)

32) Vgl. Dietmar, Arnold/Janick, Reiner: Sirenen und gepackte Koffer. Bunkeralltag in Berlin, Berlin 2003, S. 181.
33) Ebd., S. 184.
34) Vgl. Jeschonnek, Friedrich/Riedel, Dieter/Durie, William: Alliierte in Berlin 1945-1994. Ein Handbuch zur Geschichte der militärischen Präsenz der Westmächte, Berlin 2007, S. 92.


Weiterführende Literatur
  • Ribbe, Wolfgang (Hrsg.): Geschichte Berlins. Zweiter Band. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart, München 1987.
  • Presse- und Informationsamt des Landes Berlin (Hrsg.): Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt, Berlin 1993.
  • Simon, Christian: Ausländische Einrichtungen in Berlin – Standorte, Funktion und innerstädtische Verflechtung, Berlin 1991.
  • Jeschonnek, Friedrich/Riedel, Dieter/Durie, William: Alliierte in Berlin 1945-1994. Ein Handbuch zur Geschichte der militärischen Präsenz der Westmächte, Berlin 2007.
  • Flemming, Thomas: Berlin im Kalten Krieg. Der Kampf um die geteilte Stadt, Berlin 2008.