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Denkmale in Berlin.

Ev. Pfarrhaus Dahlem

OBJ-Dok-Nr.: 09075403 Zum Denkmalkartenausschnitt
  
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Straße: Pacelliallee
Hausnummer: 61
Denkmalart: Baudenkmal
Denkmalname: Ev. Pfarrhaus Dahlem
Sachbegriff: Pfarrhaus

Abbildung des Denkmals
Datierung: Datierung
num-Dat.: 1909-1910
Objekt @ Künstler: Entwurf
Architekt/Künstler: Straumer, Heinrich
ber. Funktion: Architekt
Objekt @ Sozietät: Bauherr
Name: Kirchengemeinde Dahlem
Topographietext: Das ehemalige Pfarrhaus, Pacelliallee 61, das Heinrich Straumer 1909-10 für die ein Jahr zuvor neu gebildete Dahlemer Kirchengemeinde und ihren ersten Pfarrer Robert Gelfert erbaut hat, schließt nördlich von St.-Annen-Kirche und Friedhof unmittelbar an. (1)Bekannt wurde das Haus später vor allem als Wohnhaus von Pfarrer Martin Niemöller und als Zentrum der Bekennenden Kirche. (2) Der Backsteinbau im Landhausstil bezieht sich in Material und Farbigkeit sowie mit seiner Einfriedung in Feldsteinmauerwerk unmittelbar auf die Dorfkirche und bildet mit ihr zusammen ein malerisches Ensemble. (3) Der architektonische Reiz des Gebäudes liegt sowohl in diesem Zusammenklang als auch in der gelungenen Mischung von Funktionalität im Inneren und einer besonderen künstlerischen Qualität der Gestaltung, die den Prinzipien der englischen Landhausarchitektur folgt.

Auf winkelförmigem Grundriss orientiert sich das zweigeschossige Haus mit Souterrain und steilem Satteldach nach Süden zum Friedhof. Hier bildet es einen kleinen, um fünf Stufen erhöhten Hof, von dem aus man das Haus über eine Treppe und einen hölzernen Windfang betritt. Die Südfront mit holzverschaltem Giebel und dem markanten Runderker des damaligen Pfarrbüros wendet sich dem Fachwerkgiebel von St. Annen zu und stellt so eine direkte Beziehung her. Das geräumige Haus mit mehr als 500 Quadratmetern Nutzfläche erfüllte seine Doppelfunktion als Amtssitz und Wohnhaus für den Pfarrer durch die sinnvolle Anordnung von öffentlichen und privaten Bereichen. Ein Saal sowie Räume für den Gemeindediener waren im Souterrain mit separatem Eingang untergebracht. Das Amtszimmer des Pfarrers mit Vorraum und Kirchenarchiv lag im Erdgeschoss, die Schlafräume befanden sich im Obergeschoss. Die weitläufige Raumflucht im Parterre - bestehend aus Küche, Speise-, Empfangs- und Wohnzimmer sowie einer Loggia mit Zugang zum Garten - entsprach damaligen großbürgerlichen Wohnverhältnissen und war den Repräsentationspflichten des Amtes im aufstrebenden Villenvorort angemessen. (4) Seit 1981 dienen die Räume, die in ihren Grundrissen und vielen Ausstattungsdetails in ihrem bauzeitlichen Zustand erhalten sind, dem "Friedenszentrum Martin-Niemöller-Haus". (5)

Als einer der ersten Bauten des für den Landhausbau in Berlin so bedeutenden Architekten Heinrich Straumer weist das Pfarrhaus bereits einige der für ihn charakteristischen Gestaltungsmerkmale auf: die Ausrichtung des Hauses auf die Topografie und die Sonne, die enge Verbindung von Wohnräumen und Garten, das lebhafte Muster der bündig im weiß verfugten Ziegelmauerwerk sitzenden, weiß gerahmten Sprossenfenster in unterschiedlichen Formen (u.a. Parabelbogen, Fenstererker) oder auch die Ziegelmuster in den Mauerflächen. (6) Das Haus strahlt noch heute eine gediegene und traditionsverbundene Behaglichkeit aus, die durch eine hohe handwerkliche Qualität gekennzeichnet ist.
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(1) Robert Gelfert (1864-1921) war 1908-21 Pfarrer in der Dahlemer Gemeinde, die nach 200 Jahren Zugehörigkeit zu Wilmersdorf 1908 ihre Selbstständigkeit zurück erhalten hatte. Straumers Entwurf für das Pfarrhaus war im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt worden. Vgl. BusB VI, S. 315 und 441; Jaumann, Anton: Ländliche Häuser von Heinrich Straumer. In: Deutsche Kunst und Dekoration 51 (1911), S. 313-20; Stubert 1995, Bd. 2, Nr. 13.
(2) Martin Niemöller (1892-1984), Pfarrer in Dahlem 1931-37, Gründer der Bekennenden Kirche und des Pfarrernotbundes, 1937 verhaftet, 1941 aus dem KZ Sachsenhausen befreit. Vgl. Kaak 1992/1, S. 143 ff.
(3) Von Straumer in einer Handzeichnung vorgeführt. Vgl. Jaumann, Anton: Heinrich Straumer. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 1 (1914/15), S. 524.
(4) Bis 1930 hatte Dahlem sich mit rund 12.000 Einwohnern zu einer der wohlhabendsten Gemeinden der evangelischen Kirche in Deutschland entwickelt. Vgl. Kaak 1992/1, S. 143.
(5) Bis 1979 vom jeweiligen Dahlemer Pfarrer bewohnt, ist das Haus seit 1981 an den ein Jahr zuvor gegründeten Trägerverein "Friedenszentrum Martin-Niemöller-Haus e.V." vermietet. Der Verein, der aus mehr als 20 Gruppen und Initiativen besteht, wurde zu einem Zentrum der Friedensbewegung, der Menschenrechts-, der Frauenbewegung und der engagierten Kirchenarbeit. Vgl. Kaak 1992/1, S. 157.
(6) Stubert 1995, Bd. 2/3, Obj. 13.
Lit-Kurzt.: Bauwelt 2 (1911) 24
Stelle: 23
Lit-Kurzt.: Topographie Dahlem, 2011
Stelle: 83
Lit-Kurzt.: Berliner Architekturwelt 12 (1910)
Stelle: 161
Lit-Kurzt.: Deutsche Bauhütte 16 (1912)
Stelle: 202
Lit-Kurzt.: Der Profanbau 11 (1915)
Stelle: 302, 307, 321
Lit-Kurzt.: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 1 (1914/15)
Stelle: 502, 524
Lit-Kurzt.: BusB VI 1997
Stelle: 441
Ausw-Stelle: LDA
Eintr-Datum: 1985.06.05
  
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Revisionsdatum Datenbank: 10.04.2014