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Denkmale in Berlin.

Fernsehturm mit Fußumbauung und Freiflächen

OBJ-Dok-Nr.: 09065023,T Zum Denkmalkartenausschnitt
  
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Straße: Gontardstraße & Karl-Liebknecht-Straße & Panoramastraße & Rathausstraße
Denkmalart: Gesamtanlage
Denkmalname: Fernsehturm mit Fußumbauung und Freiflächen
Sachbegriff: Sendeanlage & Gaststätte & Freifläche

Abbildung des Denkmals
Datierung: Datierung
num-Dat.: 1965-1969
Datierung: Umbau
num-Dat.: 1969-1972 & 1985
Objekt @ Künstler: Entwurf
Architekt/Künstler: Henselmann, Hermann
ber. Funktion: Architekt
Objekt @ Künstler: Entwurf
Architekt/Künstler: Herzog, Walter & Aust, Herbert
Objekt @ Sozietät: Ausführung
Name: VE BMK Kohle und Energie, Betriebsteil Industrieprojektierung Berlin
Objekt @ Sozietät: Bauherr
Name: Deutsche Post
Topographietext: Die Grün- und Freifläche zwischen Fernsehturm und Spree ist ein wesentlicher Abschnitt eines zusammenhängenden städtebaulichen Bandes, der "Zentralen Achse", die das wesentliche Motiv der Hauptstadtplanung der DDR bildete und von der Karl-Marx-Allee über den Alexanderplatz, die Schlossinsel und die Straße Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor reichte. Der Fernsehturm war in diesem Zusammenhang nicht nur als Funktionsbau für den Fernseh- und Rundfunkempfang konzipiert, sondern auch als ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt. Mit den gestalteten Grünflächen unterhalb des Fernsehturms, rund um Neptunbrunnen und Marienkirche, wurde im Herzen der Stadt ein weitläufiger Erholungsraum geschaffen. Er ergänzte die in den 1960er und 1970er Jahren geschaffene großstädtische Umgebung mit Einkaufszentren wie der Markthalle, den Rathauspassagen oder dem Warenhaus am Alexanderplatz, mit Restaurants, Großhotels, internationalen Kultureinrichtungen und einem innerstädtischen Wohngebiet mit über 1300 Wohnungen. (1) Das Marx-Engels-Denkmal, inmitten der Grünanlage, leitete über zum ehemaligen Regierungszentrum der DDR auf der Schlossinsel und am Werderschen Markt.
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(1) Wohnen im Stadtzentrum wurde im Gegensatz zu den "City-Entwicklungen kapitalistischer Länder" als programmatischer Bestandteil sozialistischer Stadtplanung aufgefasst. Vgl. Graffunder 1973, 342. Die Anzahl der Wohnungen nennt Peters 1995, S. 262.


Die in den 1950er Jahren beschlossene "sozialistische Umgestaltung des Stadtzentrums" sollte die räumliche Verbindung des historischen Zentrums mit den östlichen Wohnbezirken in Form einer Magistrale vom Brandenburger Tor über Alexanderplatz und Karl-Marx-Allee bis zur Frankfurter Allee schaffen. Als Höhepunkt dieser "Zentralen Achse" am Standort des abgerissenen Stadtschlosses war ein monumentales Regierungshochhaus als "Zentrales Gebäude" vorgesehen, das den neuen Staat repräsentieren sollte. (1) Trotz eines Wettbewerbs 1958-59 und verschiedener Planungsvarianten für dieses Konzept entstanden stattdessen ab 1964 das Zentrum der politischen Macht am Marx-Engels-Platz mit den Bauten für Staatsrat, Volkskammer und Außenministerium und an der Gontardstraße der Fernsehturm. (2) Der 365 Meter hohe Turm - 1965-69 ausgeführt und am 7. Oktober 1969 zum 20. Jahrestag der Gründung der DDR eingeweiht - wurde durch seine prägnante Form und als höchstes Bauwerk Berlins zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen der Stadt. In seiner wechselvollen Planungsgeschichte steht der Turm für einen Wandel der städtebaulichen Ideale in der DDR. Moderne, technikorientierte Architekturkonzepte lösten die an sowjetische Architektur angelehnten monumentalen Projekte ab. Ein "Turm der Signale" wurde zur Dominante des Berliner Zentrums. (3)
Der kugelförmige Turmkopf mit einem Durchmesser von 32 Metern enthält sieben Geschosse, die sendetechnische Anlagen des Hör- und Fernsehfunks sowie eine Aussichtsplattform und das drehbare "Telecafé" aufnehmen. Die Kugel setzt auf 200 Metern Höhe an und umschließt den insgesamt 250 Meter hohen Stahlbetonschaft, auf dem der 115 Meter hohe Antennenmast verankert ist. Die äußere Umhüllung der Kugel ist aus zu Pyramiden geformten und geschliffenen Edelstahlblechen auf trapezförmigem Grundriss zusammengesetzt. Die Umbauung des Fernsehturms mit Ausstellungsräumen und Restaurant war ursprünglich als Rundbau entworfen, ist aber 1969-72 unter Leitung von Walter Herzog und Herbert Aust als flache, dynamisch gegliederte Pavillonarchitektur mit freitragenden, ab- und aufwärts geneigten Dachflächen ausgeführt worden. Im Grundriss zeichnen die zweigeschossige Turmumbauung und eine vorgelagerte Terrasse mit Wasserbecken und Springbrunnen die Grundform eines Sechsecks nach, das zwischen der Rundung des Turms und dem Rechteck des Platzes vermitteln sollte. (4)
Die etwa sechs Hektar große Freifläche am Fuße des Fernsehturms wurde 1970-73 von einem Kollektiv unter der Leitung von Manfred Prasser und Hubert Matthes gestaltet. (5) Grundlage der Planung war ein 60-Grad-Winkel zur Turmhauptachse, der die Lage der Pavillonbauten unter dem Fernsehturm sowie die Formen der Beete und Rasenflächen bestimmt und die Schrägstellung der St. Marienkirche berücksichtigt. Die Bereiche nördlich und südlich des Mittelraums - in der Achse des Fernsehturms mit Kaskaden, Rosenparterres und Neptunbrunnen - sind durch lockere Baumgruppen, Ziergehölze und zahlreiche Sitzplätze bestimmt. Das Großgrün besteht hauptsächlich aus Linden, im Mittelraum wurden Kugelahorn und Japanische Kirschbäume gepflanzt.
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(1) Vgl. Näther 1968; Haspel 1995, S. 35ff.
(2) "Internationaler Wettbewerb zur sozialistischen Umgestaltung des Zentrums der Hauptstadt der DDR", ausgeschrieben am 7.10.1958. Vorgegeben wurde eine Kette städtebaulicher Ensembles (Marx-Engels-Platz als politisches Forum mit zentralem Platz für Kundgebungen, von dort bis zum Alexanderplatz Wohn- und Handelszentrum), die zum Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens ausgebaut werden sollte. Die Gestaltung des Stadtzentrums wurde als zutiefst gesellschaftspolitische Aufgabe angesehen. Vgl. Topfstedt 1988, S. 69.
(3) Basierend auf der Idee von Hermann Henselmann, der 1959 einen "Turm der Signale" als zentrales Gebäude vorgeschlagen hatte, war 1964 entschieden worden, auf der Fläche zwischen Alexanderplatz und Spree einen Turm zu errichten. Den Planern stellte man die Aufgabe, "für das Zentrum der Hauptstadt der DDR ein in der Form einmaliges, einprägsames und dem Betrachter einen bleibenden Eindruck hinterlassendes Turmbauwerk zu projektieren, das einer technischen Zweckbestimmung und einem gesellschaftlichen Auftrag dienend, zu einem städtebaulichen Höhepunkt und einer politisch-gesellschaftlichen Manifestation wird." Vgl. Dieter 1970, S. 462. In der oben genannten Veröffentlichung wurden Fritz Dieter und Günter Franke als Entwerfer des Turmes genannt und Hermann Henselmann als künstlerischer Berater. Die Autorenschaft für den Turm ist allerdings umstritten. Hermann Henselmann hat sich immer als Autor des Gesamtentwurfs bezeichnet (vgl. Müller 1999, S. 129). Seit 1989 reklamiert der ehemalige Präsident der Deutschen Bauakademie Gerhard Kosel als Gesamtleiter des Projekts in den Jahren 1964-65 die Autorenschaft für sich. Der Streit, der schon Standesorganisationen und Gerichte beschäftigt hat, kann an dieser Stelle nicht entschieden werden. Für eine umfassende Darstellung des Problems vgl. Müller 1999, S. 128-139.
(4) Vgl. Herzog/Aust 1969.
(5) Vgl. Rühle 1969.
Lit-Kurzt.: Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983
Stelle: 37
Lit-Kurzt.: BusB X B 4 1987 BusB VIII B 1980 The Architectural review 150 (1971)
Stelle: 190
Lit-Kurzt.: Bauwelt 57 (1966)
Stelle: 1326
Lit-Kurzt.: Architektur der DDR 14 (1965) Architektur der DDR 17 (1968) Architektur der DDR 18 (1969) Architektur der DDR 19 (1970)
Stelle: ..
Lit-Kurzt.: Architektur der DDR 20 (1971) Architektur der DDR 22 (1973) Brandenburg, Harnisch, Kubiziel, Fernsehturm Berlin, 1970 Flierl, Bruno/ Vom Münzturm zum Fernsehturm. Höhendominanten in der Stadtplanung von Berlin =
Studien zur Berliner Kunstgeschichte, hrsg. v. K.-H. Klingenburg, Leipzig 1986
Stelle: 11-51
Lit-Kurzt.: Topographie Mitte/Mitte, 2003
Stelle: 190, 192-194
Ausw-Stelle: Institut für Denkmalpflege
Eintr-Datum: 1979
  
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Fußumbauung des Fernsehturms

OBJ-Dok-Nr.:
  
Teil-Nr.: 09065023,T,001
Denkmalname: Fußumbauung des Fernsehturms
Datierung: Datierung
num-Dat.: 1969-1972
Objekt @ Künstler: Entwurf
Architekt/Künstler: Herzog, Walter
ber. Funktion: Architekt
Objekt @ Künstler: Entwurf
Architekt/Künstler: Aust, Herbert
Objekt @ Sozietät: Ausführung
Name: VE BMK Ingenieurhochbau Berlin
  
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Revisionsdatum Datenbank: 10.04.2014