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Denkmale in Berlin.

S- und Fernbahnhof Schöneweide

OBJ-Dok-Nr.: 09045209 Zum Denkmalkartenausschnitt
  
Bezirk: Treptow-Köpenick
Ortsteil: Niederschöneweide
Straße: Grünauer Straße
Hausnummer: 40
Denkmalart: Gesamtanlage
Denkmalname: S- und Fernbahnhof Schöneweide
Sachbegriff: Bahnhof (S) & Bahnhof (F)

Abbildung des Denkmals
Datierung: Datierung
num-Dat.: 1886
Datierung: Umbau
num-Dat.: 1902-1906
Objekt @ Sozietät: Bauherr
Name: Deutsche Reichsbahn
Topographietext: Der S- und Fernbahnhof Schöneweide, Grünauer Straße 40, war der Ausgangspunkt der Industrialisierung und Besiedlung Schöneweides. Der Bahnhof an der Berlin-Görlitzer Eisenbahnlinie verband den aufstrebenden Industrievorort mit dem Stadtzentrum Berlins. Betrachtet man die Zahl der ein- und aussteigenden Passagiere, dann war der Bahnhof Schöneweide nach 1897 der verkehrsreichste der gesamten Bahnlinie. Eine ebenso hohe Bedeutung besaß der angeschlossene Güterbahnhof. Der Umschlagplatz für Güter und Rohstoffe war der Endpunkt des weit verzweigten Schöneweider Güterbahnnetzes. Nahezu alle Fabriken waren an die Industriebahn angeschlossen. Der Bahnhof gehört zu den stadtbildprägenden Bauten Niederschöneweides, er beherrscht mit seinen aufragenden Giebeln und Dächern den Bahnhofsplatz. An der verkehrsreichen Kreuzung treffen Schnellerstraße, Grünauer Straße und Brückenstraße zusammen. Da der Industrievorort an der Oberspree keinen historischen Ortskern besaß, übernahm der Bahnhof die Funktion des städtischen Zentrums. Am Bahnhofsplatz entstanden kommunale Einrichtungen, Geschäfte und repräsentative Wohnhäuser. Das Bahnhofsgebäude, 1886 von der preußischen Eisenbahnbauabteilung errichtet, ist das älteste erhaltene Bauwerk in Niederschöneweide. (1) Zudem handelt es sich um den ältesten Bahnhof der Görlitzer Vorortstrecke. (2) Das Gebäude aus roten Backsteinen besitzt eine zurückhaltende, schlichte Gliederung mit Anklängen an die märkische Backsteingotik. Diese Bauweise war bei den Berliner Vorortstrecken weit verbreitet. (3) Der zweigeschossige Hauptbau in der Mitte der Bahnhofsanlage nahm die zentrale Empfangshalle auf, der südliche Flügel mit seinem angeschlossenen Biergarten diente als Bahnhofsgaststätte, während im nördlichen Flügel die Bahnhofsverwaltung untergebracht war. Bis zum Bau des Bahndamms verliefen die Gleise der Berlin-Görlitzer Eisenbahn ebenerdig hinter dem Bahnhofsgebäude. Der 1902-06 aufgeschüttete Damm sorgte für einen kreuzungsfreien Bahnbetrieb und für eine Verbesserung der Zugabfertigung. (4) Verbindungstunnel und überdachte Bahnsteige für Vorortverkehr, Ringbahn und Fernbahn wurden 1906 fertig gestellt. Am nördlichen Ende des ersten Bahnsteigs wurde ein Stellwerk errichtet. (5) Weit gehende Eingriffe brachte der Umbau des Bahnhofs 1972/73. Bei diesen Arbeiten nahm man die Bekrönungen der Giebel und der flankierenden Türmchen ab. Die historische Ausstattung der Schalterhalle wurde beseitigt. Der Umbau 1994/95 hat die Erscheinung der Bahnhofshalle kaum verbessert. Das neue, weit auskragende Vordach verdeckt den prägenden Hauptbau des Bahnhofs. Der ehemalige Güterbahnhof, bestehend aus Güterschuppen und Dienstgebäude, wurde 2001 abgetragen.
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1) Bauakten von 1886 im Archiv des Landesdenkmalamts Berlin. BusB X B (2), S. 60-61, 166-167; Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, S. 399; Rach 1988, S. 234; Uhlig 1995, S. 83; Manke, Karin: Bahnhof Schöneweide. in: Kietznachrichten. Schöneweide. Ausgabe 38, Februar 2000, S. 2; Dehio Berlin 2000, S. 472. Zum späteren Umbau der Bahnsteige siehe Biedermann 1904, S. 162; Biedermann 1905
2) Die Görlitzer Vorortstrecke umfasst die Bahnhöfe zwischen Görlitzer Bahnhof und Königs Wusterhausen. Die Bahnhofsgebäude wurden mehrfach umgebaut. Die Anlage des Bahndamms 1902-06 hat zu weitreichenden Veränderungen geführt. Am Bahnhof Schöneweide wurde jedoch das Empfangsgebäude von 1886 beibehalten, am Bahnhof Grünau blieb die 1888/89 umgebaute Station erhalten, siehe BusB X B (2), S. 60-61
3) Eine vergleichbare Grundform zeigt der Bahnhof Westend, erbaut 1883-84 von Kayser & v. Großheim. An der Empfangshalle ist ein Mittelrisalit mit Giebel ausgebildet. Allerdings wurden hier keine gotisierenden Motive verwendet, sondern Bauformen der Renaissance. Anklänge an die märkische Backsteingotik findet man beispielsweise an den Vorortbahnhöfen der Ostbahn, erbaut 1897-1903 nach Typenentwürfen von Cornelius.
4) Biedermann 1904, S. 161-162; Biedermann 1905, BusB X B (2), S. 60-61, 166-167.
5) Stellwerk Nwt, später Swn, siehe BusB X B (2), S. 197.
Lit-Kurzt.: Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen (1904)
Stelle: 162f. (2. Halbjahr)
Lit-Kurzt.: Zeitschrift für Bauwesen 55 (1905)
Stelle: Sp.91f., 96-98, Taf.10-15
Lit-Kurzt.: Zeitschrift für Kleinbahnen (1916)
Stelle: 864
Lit-Kurzt.: Rach, Dörfer, 1988
Stelle: 234-236
Lit-Kurzt.: Topographie Treptow-Köpenick/Nieder- und Oberschöneweide, 2003
Stelle: 54 f.
Ausw-Stelle: LDA
Eintr-Datum: 1987.12.10
  
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Revisionsdatum Datenbank: 10.04.2014