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Öffentliche Brunnen in Berlin: Mitte

Lessingdenkmal


Lessingdenkmal - Gesamtansicht     Berlin-Karte
Bezirk Mitte von Berlin

Das Lessingdenkmal befindet sich am südlichen Rand der Süd-Ost-Ecke des Großen Tiergartens gegenüber dem Nordrand des Lenné-Dreiecks. Der Zugang zum Denkmalplatz erfolgt über einen kurzen, breiten Zugangsweg mit dreistufiger Treppenanlage aus grauem Granit.

Um 1860/1861 wurde beschlossen, den drei "Geistesheroen" Schiller, Goethe und Lessing ein Denkmal zu setzen. Vorgesehen war ein Dreifigurenensemble. Nach der Realisierung des Schillerdenkmals auf dem Gendarmenmarkt in den Jahren 1868/1871 und der Enthüllung des Goethedenkmals im Tiergarten im Jahre 1880 vergingen noch weitere zehn Jahre bis zur Errichtung des Lessingdenkmals. Erst nachdem ein Komitee unter der Leitung von Carl Robert Lessing 1886 zu einem Wettbewerb aufrief, an dem sich 27 Bildhauer beteiligten, konnte der Wunsch nach dem Denkmal verwirklicht werden. Die Wahl fiel auf den Dichternachfahren Otto Lessing, der jedoch mit seinem zu schlichten Entwurf des Sockels wenig Zustimmung fand und ihn noch einmal überarbeiten musste. Lessing veränderte den Sockelschmuck entsprechend den Anweisungen und fügte noch die beiden Brunnenbecken hinzu. Nun erhielt er den Auftrag zur Ausführung. Die Einweihung fand am 14. Oktober 1890 mit einer Einweihungsrede durch den damals anerkannten Literaturhistoriker Erich Schmidt statt.
Der Denkmalplatz wurde wenig später im Auftrag von Carl Robert Lessing mit Bänken und Schmuckblumenhaltern im Sinne des Neurokokos und damit passend zum schmiedeeisernen Einfassungsgitter des Denkmals zusätzlich geschmückt.

Das 3 Meter hohe und damit überlebensgroße Standbild Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) zeigt den Dichter im historischen Gewand auf quadratischer Plinthe stehend. Diese ruht auf der obersten Deckplatte des Sockels. Der Sockel ist 4 Meter hoch und aus rötlichem Granit gearbeitet. Ein vierseitig eingezogenes Profilsims mit abgeschrägten Ecken leitet zum Mittelteil des Figurensockels über. Kräftige Voluten (Schmuckspiralen) begrenzen die abgeschrägten Ecken des sich nach oben hin verjüngenden Mittelsockels. Dieses Postament ruht auf einem dreiteiligen Unterbau, dem an den Seiten je ein gerundetes Wasserbecken vorgelegt ist. Die Wasserbecken ruhen auf Stützen mit stilisierter Wasserdarstellung. Der genannte Sockelaufbau wird durch einen mehrstufigen polygonalen Unterbau getragen. Die drei unteren Stufen sind aus grauem, die beiden folgenden aus rötlichem Granit gearbeitet. Der Mittelsockel zeigt an der Front eine applizierte asymmetrische Inschriftenkartusche mit reich ornamentierter Rahmung. Die dreizeilige Inschrift lautet: GOTTHOLD / EPHRAIM / LESSING.
Unterhalb der Kartusche ist eine vollplastische geflügelte Jünglingsfigur ("Genius der Humanität") aus Bronze vorgelegt, die den Kopf in den Nacken legt und ihren Blick dem Dichter zuwendet. In der erhobenen Rechten hält der Genius eine flammende Opferschale als Symbol der Erhellung und hinter dem rechten Oberschenkel liegt eine kleine Harfe als Symbol der Dichtkunst. Der linke angewinkelte Arm stützt sich auf eine Inschriftentafel, die zentrale Sätze aus der "Ringparabel" aus Lessings "Nathan der Weise" enthält. Links des Genius liegt ein Lorbeerkranz zu seinen Füßen. Die rechte Seite des Sockelmittelteils zeigt oberhalb des Wasserbeckens einen Wasserspeier in Form eines grotesk geformten Delphinkopfes. Darüber, in der analog zur Frontkartusche gerahmten Kartusche, befindet sich das ins Profil gewandte Portrait des Schriftstellers und Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786). Die linke Seite zeigt über der analog gestalteten Wasserspeiermaske in analoger Rahmung das Reliefportrait des Dichters Ewald von Kleist (1715-1759). In analoger Rahmung ist auf der Rückseite des Sockelmittelteils das Reliefportrait des Verlegers Christian Friedrich Nicolai (1733-1811) zu finden.

Mendessohn, v. Kleist und Nicolai stehen hier für die Freunde und Mitstreiter Lessings, insbesondere für seine intellektuellen und menschlichen Kontakte in Berlin.

Unter dem asymmetrisch gerahmten Profilportraitrelief Nicolais ist dem Sockel in Entsprechung zum frontseitigen "Genius der Humanität" eine bronzene Figurengruppe vorgelegt, deren Hauptfigur die ebenfalls jünglingshafte "Allegorie der Kritik" bildet. Der geflügelte Knabe sitzt auf einem Löwenfell, in dessen Mähne seine linke Hand greift. Mit der rechten Hand schwingt die Figur eine Geißel, Attribut des Kritikers, der mit Spott und Satire die Dummheit und die Verstocktheit der Aufklärungsgegner geißelt. Rechts der Allegorie stapeln sich Pergamentrollen und dickleibige Bücher, auf denen eine Eule sitzt, das Symboltier für Weisheit und Klugheit.

Auf der untersten Stufe des mehreckigen Standsockels befand sich ursprünglich ein ausnehmend aufwändig gestaltetes schmiedeeisernes Gitter, in dessen Frontkartusche ein "L" eingearbeitet war, und dessen Hauptpfosten als Hinweis auf die Ringparabel vergoldete Ringe zeigten. Das Gitter ist leider nicht mehr erhalten.

Der Entwurf und die Modelle zum Standbild und der Sockelbronzen stammen von Otto Lessing, den Sockel entwarf der Architekt und Baudirektor Wilhelm Rettig nach Vorgaben des Denkmalkomitees und den Skizzen Otto Lessings. Das 3 Meter hohe Standbild wurde nach Lessings Modell von dem Bildhauer Hermann Bauch in weißem Laaser Marmor ausgeführt, die Überarbeitung erfolgte durch Lessing selbst. Der Sockel aus schottischem Granit aus Aberdeen wurde von der Berliner Firma M. L. Schleicher ausgeführt. Die Bronzen wurden nach Lessings Modellen von der Berliner Bildguss AG gefertigt. Die verloren gegangenen Bronzen (Portraitreliefs samt Kartuschen, Inschriftenkartusche, Wasserspeier) wurden für die 1990/1992 durchgeführte Restaurierung von Dietrich und Hans Starcke, Berlin, nachgeschaffen und von der Bildgießerei Kraas, Berlin, gegossen.

Das Lessingdenkmal wurde in den vielen Jahren seines Bestehens mehrfach Opfer von Diebstahl und Vandalismus:
1923 erfolgte der Diebstahl und eine nachfolgende Ergänzung des Schweifes vom Löwenfell der rückseitigen Bronzegruppe.
Während des 2. Weltkrieges wurde das Schmuckgitter, die Schmuckblumenkübel und die Bänke abgeräumt und vermutlich eingeschmolzen.
Nach 1945 erfolgte der Diebstahl der Portraitreliefs und der Wasserspeier.
Wegen zunehmender Vandalismusschäden nach 1961 (das Denkmal befand sich unmittelbar an der Berliner Mauer und nach Erwerb des Lenné-Dreiecks durch Westberlin besonders ungeschützt auf einer Art "Niemandsland") wurden die beschädigten Bronzeteile abgebaut und deponiert.
Die Sanierung und Ergänzung des Denkmals und die Wiederherstellung der historischen Platzgestaltung erfolgte in den Jahren 1987-1992. Nach 1992 wurden jedoch die neu geschaffenen Wasserspeier gestohlen, ebenso die Geißel des Genius teilweise abgebrochen und verschleppt. Die Bronzefiguren und das Marmorstandbild wurden wiederholt mit Farbe beschmiert.

Literatur/Quellen:
Dr. Jörg Kuhn, Otto Lessing 1846-1912, Bildhauer, Maler, Kunstgewerbler. Leben und Werk eines Bildhauers des Späthistorismus. Dissertation, FU Berlin 1994
Dr. Jörg Kuhn und Dr. Susanne Kähler, Erfassung / Inventarisation der plastischen Denkmäler, Brunnen und anderer Werke der bildenden Kunst im öffentlichen Raum im Ortsteil Tiergarten des Bezirks Mitte von Berlin. Teil I: Großer Tiergarten mit Park von Schloss Bellevue", Berlin 2003, Nr. 41. Im Auftrag des Landesdenlmalamtes Berlin


Lessingdenkmal
Standort Lennéstraße, gegenüber Lenné-Dreieck, Südlicher Tiergarten, 10117 Berlin
Brunnenaufbau Maße: Höhe 3,00 m (Gesamthöhe Standbild),
Höhe 4,00 m (Sockel)
Material: grauer Granit (aus Schottland) (Podest),
Rötlicher Granit (Sockel),
Weißer Marmor (Standbild),
Bronze (Sockelplastik und Inschrifttafeln)
Entwurf Otto Lessing (1846-1912)
Wilhelm Rettig (1845-1932), Architekt
Hermann Geitner (1848-1905), Platzgestaltung
Baujahr 1887-1890,
Einweihung am 14. Oktober 1890
durch Literaturhistoriker Erich Schmidt (1853-1913)
Verkehrsverbindungen S-Bahn S1, S2, S26
U-Bahn U2
Bus 123, 200

 
Lessingdenkmal - Detail

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