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Öffentliche Beleuchtung in Berlin - Gaslaternen

Archiv: Umrüstung der Gasreihenleuchten

Berlins Straßenbeleuchtung wurde modernisiert

Neue Leuchte 'Jessica'

Die neuen Lichter der Großstadt

Im Berliner Stadtgebiet wurden die Gasreihenleuchten durch energiesparende Elektroleuchten ersetzt. Die Gasreihenleuchten standen überwiegend in Erschließungsstraßen im Westteil der Stadt.

Der wesentliche Grund für die Umrüstung war der hohe Energiebedarf der Gasleuchten. Elektroleuchten sind wesentlich effizienter und ressourcenschonender als Gasleuchten. Ein Vergleich zeigt dies deutlich: Die 8.000 alten Gasreihenleuchten verbrauchten insgesamt 48,7 Gigawattstunden Energie pro Jahr. Bei gleichem Beleuchtungsniveau verbrauchen elektrisch betriebene Leuchten nur 1,4 Gigawattstunden im gleichen Zeitraum.

Würde das Gas für die Gasreihenleuchten nicht in Leuchten verbrannt, sondern beispielsweise in einem Heizkraftwerk für die Stromerzeugung verwendet, könnten neben der entstehenden Wärme davon noch rund 100.000 adäquate elektrische Leuchten betrieben werden.

Auch der für die Straßenbeleuchtung anfallende CO2-Ausstoß ließ sich durch den Einsatz der neuen Leuchten beträchtlich reduzieren. Erzeugt eine sechsflammige Gasreihenleuchte gut 1,35 Tonnen CO2 pro Jahr, fallen bei einer Elektroleuchte nur 0,11 Tonnen an, mithin weniger als ein Zehntel. Insgesamt wurde der jährliche Ausstoß des umweltschädlichen Treibhausgases so um 9.200 Tonnen reduziert.

Grund für den zügigen Austausch waren auch die hohen Instandhaltungskosten der gasbetriebenen Leuchten, die erheblich höhere Störanfälligkeit und unverhältnismäßig teure Ersatzteilen. Je nach Modell waren die Gasreihenleuchten mit vier, sechs oder neun Glühkörpern ausgestattet, die aufgrund ihrer begrenzten Lebensdauer regelmäßig ersetzt werden mussten. Pro Jahr wendet das Land Berlin für die Anschaffung der für alle Gasleuchten erforderlichen 240.000 Glühkörper gut 1,2 Mio. Euro auf. Diese sind so teuer, da sie weltweit in der für Berlin benötigten Menge und Qualität nur noch von einem indischen Anbieter hergestellt werden. Zudem traten häufig erhebliche Qualitätsschwankungen und Lieferengpässe auf. Der Zeitpunkt für die Umrüstung war außerdem günstig, weil viele Altleuchten am Ende ihres Lebenszyklus waren und sonst hätten ausgetauscht werden müssen.

Welche Leuchten wurden ausgetauscht?

Die Umrüstung bezog sich nur auf Gasreihenleuchten aus den frühen 1950er Jahren. Diese Leuchten waren stadtgestalterisch von untergeordneter Bedeutung und wurden häufig nicht als Gasleuchten wahrgenommen.

Der neue Leuchtkopf 'Jessica'
Der neue Leuchtkopf "Jessica"
Die Peitschenmasten hingegen prägen das Stadtbild. Sie wurden deswegen durch Masten in identischer Form ersetzt. Für die neuen, elektrisch betriebenen Leuchtenköpfe können die alten Masten aus technischen Gründen nicht weiterverwendet werden, da sie weder über einen ausreichenden Korrosionsschutz noch eine Montageöffnung für den Einbau der elektrischen Einrichtungen verfügten.

"Jessica" – die neue Leuchte für Berlin

Die Leuchte "Jessica" wurde im Rahmen eines europaweit ausgeschriebenen Gestaltungswettbewerbs ausgewählt. Das anspruchsvolle Design führt die schlanke, geschwungene Form des Peitschenmastes elegant fort. Der Jessica-Leuchtenkorpus besteht aus hochwertigem Aluminiumdruckguss, Edelstahl, Einscheiben-Sicherheitsglas und ist mit einem Kniehebelverschluss für die werkzeuglose Wartung ausgestattet. Betrieben wird die Leuchte mit einem modernen Leuchtmittel - energiesparend, effizient und nachhaltig.

Die Leuchte kann an unterschiedlichen Masten befestigt werden und passt durch ihre schlichte Form auch zu anderen im Stadtraum vorhandenen Leuchten.

Die Umrüstung wird sich in rund neun Jahren amortisiert haben, das Land Berlin gewinnt mit dieser Maßnahme an 8.000 Standorten neue Leuchten, die kostengünstig und mit wenig Wartungsaufwand zu betreiben sind. Dadurch werden mehr als 3 Mio. Euro Betriebskosten pro Jahr eingespart.

Werden alle Gasreihenleuchten umgerüstet?

Nein, Detail siehe: Erhalt der Gasreihenleuchten