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Öffentliche Beleuchtung in Berlin - Gaslaternen

Fragen und Antworten zur Umrüstung von Gasleuchten


Fragen zu allen Typen von Gasleuchten


1. Warum sollen die Gasleuchten umgerüstet werden?
Ein umweltpolitisches Ziel des Senats ist es, den Energieverbrauch der Straßenbeleuchtungsanlagen bis Ende Jahres 2018 um 30-50 Prozent zu reduzieren. Diesem Ziel dient auch die Umrüstung der Gasleuchten. Allein die ursprünglich vorhandenen 8.000 Gasreihenleuchten verbrauchten 48,5 Gigawattstunden Energie pro Jahr. Würde dieses Gas nicht in Leuchten verbrannt, sondern für die Stromerzeugung genutzt, könnten mit dem Strom 100.000 adäquate elektrische Leuchten betrieben werden.

Darüber hinaus sind die gasbetriebenen Leuchten wesentlich störanfälliger, für ihre Instandhaltung sind spezielle, nur in relativ kleiner Stückzahl produzierte und damit teure Ersatzteile erforderlich. Durch die Bauart bedingt, ist die Wartungsfrequenz etwa vier Mal höher als die moderner Elektroleuchten.

Einige Beispiele machen den Unterschied deutlich:
Zwingend erforderlich zum Betrieb dieser Leuchten sind die Glühkörper, je nach Modell der Gasleuchte werden vier, sechs oder neun Glühkörper für jede Leuchte benötigt. Im Regelfall halten diese Glühkörper elf Monate, dann sind sie zu ersetzen. Von diesen Glühkörpern werden jährlich rund 240.000 Stück benötigt, die Kosten allein hierfür betragen ca. 1,2 Mio €. Bei Qualitätsschwankungen und Lieferengpässen, besteht bisher keine Möglichkeit, auf alternative Anbieter auszuweichen, da derzeit ausschließlich ein indischer Hersteller dieses Material in Menge und Qualität anbietet, die das Land Berlin benötigt.

Aufgrund der hohen Ausfallraten der Gasleuchten werden alle Straßen mit Gasbeleuchtung ein mal wöchentlich nachts kontrolliert, sowie einmal monatlich bei Tag. Der Vergleich zu den Elektroleuchten: hier findet die nächtliche Abfahrkontrolle alle zwölf Wochen statt.

Insgesamt ist der Betrieb einer gasbetriebenen Leuchte um ein Mehrfaches teurer als der einer elektrischen Leuchte.
2. Die Gasleuchten sollen 100 Jahre halten, warum rüstet man sie dann um?
Nach Begutachtung der derzeit im Rahmen der Umrüstung in großer Stückzahl ausgebauten Gasreihenleuchten ist diese Aussage nicht haltbar. Nur sehr wenige Bauteile sind für den weiteren Betriebseinsatz verwendbar.
Die Einbauteile in den Leuchtenköpfen müssen bei Gasleuchten insbesondere wegen ihrer hohen thermischen Belastung regelmäßig ausgetauscht bzw. instandgesetzt werden. Ein signifikanter Unterschied in der Lebensdauer besteht lediglich zwischen Masten aus Stahl, wie sie üblicherweise bei Elektro- und Gasreihenleuchten verwendet werden und solchen aus Gusseisen, wie sie häufig noch bei Gasaufsatzleuchten zu finden sind.
3. Welche Arten von Gasleuchten werden umgerüstet?
Bis Ende 2016 lief der flächendeckende Ersatz der ursprünglich 8.000 Gasreihenleuchten durch Elektroleuchten.
weiteres: siehe Fragen zu Gasreihenleuchten
Details zum Projekt: Umrüstung von Gasreihenleuchten

Bei allen anderen Typen Gasleuchten - meist als Gaslaternen bezeichnet - erfolgt die Umstellung in kleiner Stückzahl. Seit 2012 wurden insgesamt rund 2.200 Gasleuchten durch LED-Leuchten ersetzt. In allen Fällen erfolgte dies unter Erhalt der Form von Leuchte und Mast und einer dem Gaslicht nahezu identischen Lichtfarbe. Beispiele sind unter anderem in Berlin-Kreuzberg in der Falckensteinstraße zu sehen.
Details: Pilotanlage in der Falckensteinstraße Berlin-Kreuzberg
4. Bleiben auch Gaslaternen erhalten?
Ja, es werden in städtebaulich relevanten Flächendenkmalen insgesamt 3.300 gasbetriebene Leuchten erhalten bleiben.
Detail: Erhalt von Gasleuchten
5. Wann soll die Umrüstung abgeschlossen sein?
Die Umrüstung der Gasreihenleuchten ist seit Ende 2016 abgeschlossen. Ein Abschlusstermin für eine flächendeckende Umrüstung der anderen Gasleuchtentypen wurde noch nicht festgelegt.
6. Der Betrieb von Gasleuchten erzeugt CO2. Bei der Erzeugung des Stroms entsteht auch CO2. Ist diese Verlagerung des CO2-Ausstoßes betrachtet worden?
Eine 1:1 Verlagerung der CO2-Emissionen findet nicht statt. Der folgende Vergleich zwischen einer Gasreihenleuchte und einer vergleichbaren Elektroleuchte legt dies nachvollziehbar dar.

Eine 6-flammige Gasreihenleuchte hat einen Anschlusswert von (6x266W) 1.596 W. Bei einer Brenndauer von 4.200 Stunden jährlich verbraucht diese Leuchte 6.703 kWh.

Eine elektrische Leuchte hat bei gleichem Beleuchtungsniveau einschl. Vorschaltgerät und Funkempfänger einen Anschlusswert von insgesamt 46 W und somit einen Energieverbrauch von 193 KWh bei einer Brenndauer von ebenfalls 4.200 Stunden.

Beim Verbrennen des Erdgases werden 201,4 g CO2/kWh , bei der Erzeugung des elektrischen Stromes 545,2 g CO2/kWh freigesetzt. (beide Werte lt. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg).

Pro Jahr entstehen damit folgende CO2-Emissionen:
  • Am Standort einer 6-flammige Gasreihenleuchte:
    6.703 kWh x 201,4 g/kWh = 1.349.984 g = 1,35 t
  • Am Ort der Stromerzeugung für eine Elektroleuchte mit einem Gesamtanschlusswert von 46 W:
    193 kWh x 545,2 g/kWh = 105.224 g = 0,11 t
Die CO2-Emissionen reduzieren sich bei der Umrüstung einer 6-flammigen Gasreihenleuchte auf eine elektrische Leuchte bei gleichem Beleuchtungsniveau somit um ca. 1,2 Tonnen im Jahr. Bei den ursprünglich vorhandenen rund 8.400 Gasreihenleuchten summiert sich dieser Wert auf 9.200 Tonnen CO2 im Jahr. Bei dieser Betrachtung bleibt unberücksichtigt, dass das Land Berlin für seine öffentlichen Einrichtungen ausschließlich Strom aus regenerativen Energiequellen beschafft.


Fragen zu den Gasaufsatzleuchten


Aufsatzleuchte: LED
Aufsatzleuchte: LED; Foto: Selux AG
1. Werden diese Gaslaternen auch elektrifiziert? Wenn ja, wie?
Es werden auch die Gasaufsatzleuchten in geringem Umfang durch Elektroleuchten ersetzt. In allen Fällen kamen dafür Masten und LED-Leuchtenköpfe zum Einsatz, die dem Erscheinungsbild der ursprünglichen Leuchten in Form und Lichtfarbe entsprechen.
2. Stimmt es, dass auch die Gussmaste ersetzt werden müssen?
Nein, das stimmt nicht mehr.
Ziel ist es, bei der Umstellung dieser Beleuchtungsanlagen auf energiesparende Techniken möglichst die gusseisernen Bündelpfeilermaste zu erhalten.

Wegen der Langlebigkeit der gusseisernen Maste wurden technische Lösungen zu deren Wiederverwendung für den Elektrobetrieb gesucht.
Der äußerst enge Hohlraum in den alten gusseisernen Bündelpfeilermasten stellte bislang ein Hindernis für deren Wiederverwendung bei der Elektrifizierung dar. Durch die Entwicklung eines neuen, sehr schlanken Anschlussmoduls für die Energieversorgung ist jetzt aber sichergestellt, dass die alten Maste wiederverwendet werden können. Die Zulassung des neuen Anschlussmoduls durch den Netzbetreiber ist bereits erfolgt.

Künftig können damit Umrüstungen der Gasaufsatzleuchten unter Wiederverwendung der alten gusseisernen Bündelpfeilermaste erfolgen. Zudem ermöglicht die Umrüstung auf LED eine dem Gaslicht nahezu identische Lichtfarbe. Derzeit stehen schon an diversen Stellen in der Stadt solche mit LED ausgerüstete Aufsatzleuchten.
3. Sind elektrische Modelle dieser Leuchte schon in der Stadt zu finden?
Ja, an mittlerweile schon recht vielen Stellen in der Stadt. Hier ein paar Beipiele:
  • Reinickendorf im Waldseeweg und in der Thurgauer Straße.
  • Steglitz-Zehlendorf in der Max-Eyth-Straße.
  • Neukölln in der Saalestraße.
  • Kreuzberg in der Bevernstraße und der Falckensteinstraße.

Im Regelfall sind es 2 bis 4 Leuchten, die inmitten von Gasleuchten stehen. Eine größere Anzahl von LED-Leuchten sind unter anderem in der Saalestraße in Neukölln zu finden. Eine Besonderheit gibt es in Kreuzberg zu sehen: In der Falckensteinstraße stehen die ersten auf den elektrischen Betrieb umgerüsteten Bündelpfeilermaste mit einem LED-Leuchtenkopf.

In 2014 startete ein erstes größeres Vorhaben in Neukölln.
Weitere Vorhaben hier:

Fragen zu den Gasreihenleuchten


Der neue Leuchtkopf 'Jessica'
Der neue Mast mit dem Leuchtkopf "Jessica"
1. Werden alle 8.000 Leuchten dieses Typs umgerüstet?
Nein, Detail siehe: Erhalt der Gasreihenleuchten
2. Warum wurde statt der "Jessica" keine LED-Leuchte ausgewählt?
Die Ausschreibung zur Beschaffung der Ersatzleuchte startete im August 2008. Zum damaligen Zeitpunkt waren erste Straßenleuchten mit LED für schmale Anliegerstraßen verfügbar. Erst seit 2011 sind auch LED-Leuchten für Hauptverkehrsstraßen im Einsatz. Die Gasreihenleuchten stehen überwiegend in Hauptverkehrsstraßen.

Abgesehen von diesem zeitlichen Aspekt würde eine Lebenszyklusbetrachtung bei den aktuellen Preisen für LED-Leuchten auch heute wiederum für die vom Land beschaffte Variante einer Leuchte mit Kompaktleuchtstofflampe sprechen, zumal es auch derzeit noch keine Erfahrungen über die tatsächliche Langlebigkeit der LED-Leuchten gibt.

Eine der "Jessica" vergleichbare LED-Leuchte kostet derzeit mindestens das Doppelte. Zudem ist davon auszugehen, dass die LED-Leuchten nicht wesentlich weniger Strom verbrauchen als dies die mit einer Nennleistung von 40 bzw. 55 W eingesetzten Kompaktleuchtstofflampen tun.
Weitere Informationen zur Baumaßnahme: Umrüstung der Gasreihenleuchten.
3. Lohnt sich der Aufwand, die Gasreihenleuchten samt Peitschenmast gegen Elektroleuchten auszutauschen?
Nach Fertigstellung der Umrüstung können haushaltsneutral die Differenzen der Betriebskosten von Gasreihenleuchten zu Elektroleuchten für die Amortisation der Investition angesetzt werden. Die jährlichen Betriebskosten einer Leuchte setzen sich aktuell wie folgt zusammen:
Gasreihenleuchten 4-flammig 6-flammig 9-flammig
Energieverbrauch 4.469 kWh 6.703 kWh 10.055 kWh
Gaskosten bei 6,05 ct/kWh 270 € 405 € 608 €
Instandhaltungskosten 190 € 200 € 215 €
Betriebskosten pro Jahr 460 € 605 € 823 €
Elektroleuchten 46 W 46 W 61 W
Energieverbrauch 193 kWh 193 kWh 256 kWh
Stromkosten bei 17,83 ct/kWh 34 € 34 € 46 €
Instandhaltungskosten 10 € 10 € 10 €
Betriebskosten pro Jahr 44 € 44 € 56 €
Differenz 416 € 561 € 767 €

Unter Berücksichtigung der Struktur der Gasreihenleuchten (Gesamt 7.948 Stück am 01.01.2012, davon 3.419 Stück 4-flammig, 3.466 Stück 6-flammig und 1.063 Stück 9-flammig) ergibt sich nach deren Ersatz durch Elektroleuchten eine mittlere jährliche Betriebskostenreduzierung in Höhe von 526 € pro Lichtpunkt. Für die Berechnung der Amortisationszeit wird dieser Wert konservativ mit 500 € angesetzt.
Der Ersatz einer Gasreihenleuchte verursacht einschließlich der Netzanschlusskosten und der Ausgaben für den Leuchtenkopf rund 3.750 € / Stück. Diese Kosten amortisieren sich bei dem für Kommunalkredite bisher relativ hoch angesetzten Zinssatz von 4 % und jährlich Annuitätszahlungen von 500 € nach 8,93 Jahren.

Im Übrigen hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Finanzierung dieser Energieeinsparmaßnahme mit einem Zinssatz von unter 0,6 % p. a. gewährt, so dass bei gleichen Annuitätsraten von einer Darlehenszeit von unter 8 Jahren (7,68) auszugehen wäre.