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Archiv: Berliner Baukonjunktur

Bericht Berliner Bauwirtschaft 3/1999


Vierteljahresbericht über die Entwicklung
der Berliner Bauwirtschaft 3/1999

(publiziert im Dezember 1999)

1. Auftragslage


Gemessen an den Auftragseingängen des Berliner Bauhauptgewerbes hellte sich die Ordertätigkeit im 3. Vierteljahr 1999 etwas auf. Die schwerpunktmäßig im Hochbau tätigen Unternehmen konnten aus dem öffentlichen Sektor und von Wohnungsbauherren Aufträge hereinnehmen, die das Volumen des entsprechenden Vorjahresquartals leicht überstiegen. Im Tiefbau hingegen waren deutliche Einbußen zu verzeichnen, nachdem sich im 2. Vierteljahr 1999 hier Zuwächse ergaben.

Vom Januar bis September 1999 hatten die bauhauptgewerblichen Betriebe Berlins insgesamt rd. ein Fünftel (- 19,6 %) weniger Aufträge erhalten als ein Jahr zuvor. Der Hochbau war überproportional von der Abnahme betroffen (- 22,1 %), weil insbesondere die Bestellungen aus Industrie und Gewerbe ausblieben (- 37,9 %). Auch der Ingenieurtiefbau der öffentlichen Hand wies eine ähnliche Rückläufigkeit (- 35,6 %) auf; sie wurde jedoch aus dem gewerblichen Bereich ( + 23,8 %) zum Teil kompensiert (Bahn, Post und Wasser-Betriebe). Tiefbauaufträge haben sich somit in den ersten 9 Monaten dieses Jahres um 13,9 % vermindert.

Obwohl die Bestelltätigkeit im Berichtszeitraum positive Vorzeichen im Hochbau aufwies, haben sich die Auftragsbestände von Juni bis September 1999 insgesamt leicht (- 2,8 %) abgeschwächt. Insbesondere die im Wohnungsbau arbeitenden Baufirmen meldeten eine überproportionale Rückläufigkeit (- 19,4 %) ihrer Auftragswerte. Die Unternehmen des Berliner Bauhauptgewerbes verfügten zusammengenommen über Auftragsbestände in Höhe von 3,8 Mrd. DM, was einem Rückgang um 170 Mio. DM oder 4,3 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Das Berliner Handwerk berichtet hingegen von einer verbesserten Reichweite seiner Auftragsbestände für den bauhauptgewerblichen Bereich, und auch für das Ausbauhandwerk habe sich die Auftragslage verbessert.

Die von den Berliner Bauaufsichtsämtern ausgesprochenen Baugenehmigungen zeigen im Berichtszeitraum des 3. Vierteljahres 1999 einen aufwärts gerichteten Trend. Gemessen am umbauten Raum wurden in dieser Zeit 11,2 % mehr Hochbauten genehmigt als vor einem Jahr. Vor allem gaben hier Investoren aus Industrie und Gewerbe die positiven Impulse. Insgesamt gesehen hielt sich das Genehmigungsvolumen von Januar bis September 1999 nahezu auf dem Vorjahresniveau (- 3,3 %). Der rückläufige Trend des Wohnungsbaus mit immerhin noch über 8 000 bauaufsichtlich genehmigten Neubauwohnungen konnte durch Investition der Wirtschaft, die vorwiegend im Ostteil getätigt werden, weitgehend kompensiert werden.


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2. Bautätigkeit


Die gegenwärtig vorliegenden Indikatoren der Bautätigkeit und der Beschäftigung werden auf Grund einer totalen Erfassung aller Baubetriebe erfahrungsgemäß noch nach oben korrigiert, so dass die hier gemachten Aussagen nur einen Tendenzcharakter aufweisen können.

Ungeachtet der partiellen Besserung der Auftragsentwicklung ging die Bautätigkeit weiter zurück, auch wenn nicht mehr in dem Umfang der beiden vorangegangen Quartale.

Gemessen an den geleisteten Arbeitsstunden im Bauhauptgewerbe beliefen sich die Bauaktivitäten im 3. Vierteljahr 1999 um 9,9 % unterhalb der Tätigkeit des entsprechenden Vorjahresquartals. Der Tiefbau war mit - 14,9 % stärker betroffen als der Hochbau (- 7,7 %). Die Wohnungsbautätigkeit nahm im Berichtszeitraum sogar um + 0,4 % wieder leicht zu.

Die Bautätigkeit belief sich, über die ersten 9 Monate des Jahres 1999 gesehen und gemessen an den geleisteten Arbeitsstunden im Bauhauptgewerbe, um 12,1 % niedriger als die vor einem Jahr. Tiefbauaktivitäten waren auch über diesen gesamten Zeitraum mit - 16,1 % stärker eingeschränkt als die Tätigkeiten im Hochbau (- 10,3 %). Der Wohnungsbau wies mit - 1,6 % die geringste Rückläufigkeit der Arbeitsleistung auf.

Analog zur reduzierten Bautätigkeit sind auch die Beschäftigtenzahlen in den Unternehmen des Berliner Bauhauptgewerbes abgebaut worden. Die Personalstände verminderten sich um 10,1 %. Ende September wurden 36 216 Personen einschließlich Inhaber, Familienangehörige und Angestellte gezählt. Hilfskräfte wurden erneut stärker abgebaut als Facharbeiter. Am wenigsten war der Angestelltenbereich von der Rückläufigkeit betroffen.

Die Entwicklung bedeutet erneut einen Aderlass für die Leistungsfähigkeit der Berliner Bauwirtschaft.


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3. Preissituation


Nach Feststellungen des Statistischen Landesamtes Berlin setzte sich der seit Mai 1996 zu verzeichnende Rückgang der Preise für Bauleistungen auch im dritten Quartal 1999 weiter fort. Der Preisindex für den Neubau von Wohnungen erreichte im August 1999 einen Stand von 95,2 (Basis 1995 =100); gegenüber dem vergleichbaren Monat des Vorjahres ist somit eine Veränderung von - 2,9 % zu registrieren.

Für Bürogebäude errechnete das Statistische Landesamt im Vorjahresvergleich einen Preisrückgang um 2,5 %; der Index erreichte hier einen Stand von 96,4 (Basis 1995 = 100). Der Preisindex für gewerbliche Betriebsgebäude betrug 96,4 (Basis 1995 = 100); er sank im Berichtszeitraum um 2,6 %. Überproportional stark sanken die Preise für Schönheitsreparaturen in Wohnungen, sie sind im August 1999 um 3,6 % gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat zurückgegangen.

Der Teilindex für Rohbauarbeiten, der mit einer Gewichtung von 50 % in die Berechnung einfließt, wies im August 1999 ein Minus von 4,2 % auf. Der Index betrug 91,6 (Basis 1995 = 100). Hier hatten alle Bauleistungen Preisrückgänge zu verzeichnen. Preiseinbrüche wurden hier bei Gerüstarbeiten mit - 15,9 %, festgestellt, Erdarbeiten verbilligten sich um 7,0 und Maurerarbeiten um 5,2 %.

Der Teilindex für Ausbauarbeiten sank gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um 1,6 %. Für einige Bauleistungen wurden hier aber auch Preissteigerungen registriert. Verglasungsarbeiten verteuerten sich um 4,3 %, Tischlerarbeiten, Förder-Aufzugsanlagen, Fahrtreppen und -steige um 1,4 %; Gebäudeautomation um 1,0 % und elektrische Kabelsteige und Leitungsanlagen in Gebäuden um 0,6 %. Besonders starke Preisrückgänge waren bei Blitzschutzanlagen - 10,2 %, bei Fliesen- und Plattenarbeiten - 7,5 % und bei raumlufttechnischen Anlagen - 5,8 % zu verzeichnen.

Auch bei dem für Berlin typischen Preisindex aller Tiefbauleistungen war ein Rückgang festzustellen. Er betrug 88,9 (Basis 1995 = 100) und lag damit um 4,1 % unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Im Leitungsbau gaben die Preise um 0,8 % nach; im Straßenbau und im Ingenieurbau gingen sie sogar um 6,7 % bzw. 3,4 % zurück.

Im gesamten Bundesgebiet haben sich die Baupreise weiter rückläufig entwickelt. Im Durchschnitt aller Bundesländer lagen sie für Bauleistungen an Wohngebäuden (Neubau) im August 1999 um 0,5 % niedriger als vor einem Jahr. Der bundesweite Index betrug im Monat August 98,4 (Basis 1995 = 100).

Die Baustoffpreise sind gegenüber dem 2. Quartal 1999 für die Mehrzahl der betrachteten Baustoffe unverändert geblieben. Preisnachlässe waren bei Be-tonzuschlagstoffen zwischen - 14,5 % und - 30,0 % und bei Mörtel mit rd. - 6,0 % zu verzeichnen. Sowohl Preisnachlässe als auch Preiserhöhungen wurden bei Pflastermaterial zwischen - 19,4 % bis + 7,6 % registriert. Bei Gehwegplatten erhöhten sich die Preise um bis zu 1,7 %.

Der seit Beginn des Jahres 1999 zu beobachtende Anstieg der Preise für leichtes Heizöl und Dieselkraftstoff setzte sich auch im 3. Quartal fort. Leichtes Heizöl erhöhte sich um + 17,1 % und Dieselkraftstoff um + 7,3 %. Auch der Kupferpreises setzte seine Aufwärtsbewegung weiter fort. Gegenüber dem zweiten Quartal erhöhte er sich um + 14,7 %.


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4. Arbeitsmarkt


Auf dem Arbeitsmarkt für Bauberufe haben sich im Berichtszeitraum Entspannungstendenzen gezeigt. Erstmals seit der Wende ist die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter im Vorjahresvergleich zurückgegangen, und zwar um 586 Personen.

Insgesamt stellt sich zum Monatsende die Arbeitsmarktsituation wie folgt dar:


Arbeitsmarktdaten am 30. September
1998 1999
Arbeitslose Bauarbeiter 24 630 (24,1 %) 24 044 (23,6 %)
Offene Stellen 924 731

Die Nachfrage nach Arbeitskräften, gemessen an den bei den Arbeitsämtern gemeldeten offenen Stellen, bewegt sich insgesamt weiterhin auf niedrigem Niveau und konzentriert sich auf Fachkräfte.

Die Zahl der Kurzarbeiter nahm um mehr als die Hälfte, von 1 312 in 1998 auf 629 zum 30. September 1999, ab.

Es bleibt abzuwarten, ob die Entspannung am Arbeitsmarkt eine Tendenzwende einleitet oder ob es sich nur um ein jahreszeitlich bedingtes Zwischenhoch handelt.

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5. Ausschreibungsergebnisse


Nach der forcierten öffentlichen Vergabetätigkeit der ersten beiden Quartale des laufenden Jahres schwächte sich diese im dritten Vierteljahr 1999 ab.Das liegt vorwiegend an der gegenüber 1998 abgesenkten Höhe der im Haushaltsjahr 1999 zur Verfügung stehenden Baumittel.

Wie bereits in den ersten beiden Quartalen beobachtet, verzeichnete auch das dritte Quartal reduzierte einzelne Auftragswerte gegenüber dem Vorjahr, wodurch verstärkt kleineren und mittleren Unternehmen die Teilnahme am Wettbewerb ermöglicht wurde.

Nach Darstellung kleinerer und mittlerer Unternehmen des Hoch- und Tiefbaues erreichte die Kapazitätsausnutzung im Berichtszeitraum einen saisonbedingten Jahreshöchststand. Die Reichweite der Auftragsbestände wurde von den kleinen Betrieben besser beurteilt als von der Bauwirtschaft insgesamt.

Aus den Angeboten für Baumaßnahmen Berlins ist im dritten Quartal eine Preisentwicklung im Roh- wie auch im Ausbaubereich ersichtlich, die sich weiterhin auf niedrigem Niveau bewegt. Für Tiefbau- und insbesondere Straßenbauleistungen schwächte sich der starke Preisrückgang der Vorquartale ab.

Auch für den vorliegenden Berichtszeitraum ist wiederholt festzustellen, dass der anhaltende Wettbewerbsdruck zu Angebotspreisen führte, deren Angemessenheit oftmals in Frage gestellt werden musste. Die Auswertung der Angebote und die bisherigen Erfahrungen der "Arbeitsgruppe Kalkulation" bei Vergabeverfahren des Landes Berlin ergaben, dass Niedrigangebote oftmals dadurch erzielt wurden, dass der kalkulierte Zeitaufwand für die Teilleistung äußerst gering angesetzt wurde. Es liegt hier die Vermutung nahe, dass bei Erbringung der fachgerechten Ausführung entweder Billiglohnkräfte zum Einsatz kommen oder bei Einhaltung der gesetzlichen, tariflichen und vertraglichen Lohnbindungen mit einer mangelhaften Ausführung zu rechnen ist. Bei deutlich zu niedrig kalkulierten Angeboten ist darüber hinaus die Gefahr der Insolvenz gegeben, wodurch letztendlich Mehrkosten für den Auftraggeber zu befürchten sind.


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6. Ausschöpfung der Haushaltsmittel

(einschließlich Unterhaltungsmaßnahmen sowie Auftragsverwaltung des Bundesministers für Verkehr)

Insgesamt standen zum Ende des 3. Quartals 1999 Baumittel des Landeshaushalts (ohne Zuweisungen und Zuwendungen für Bauinvestitionen) in Höhe von 1 796,4 Mio. DM (Vorjahr: 1 994,6 Mio. DM) zur Verfügung. Für den Hochbau waren es 1 256,3 Mio. DM (Vorjahr: 1 423,0 Mio. DM), und auf den Tiefbau entfielen 540,1 Mio. DM (Vorjahr: 571,6 Mio. DM). Insgesamt verfügten die öffentlichen Dienststellen Berlins somit um 9,9 % entsprechend 198,2 Mio. DM weniger Mittel als vor einem Jahr.

Im 3. Vierteljahr wurden für 212,6 Mio. DM Hochbauaufträge vergeben, das sind 31,8 Mio. DM oder 17,6 % weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Im Tiefbau lag die Bestelltätigkeit geringfügig über der des Vorjahres, hier wurden von öffentlichen Dienststellen Maßnahmen in Höhe von 86,7 Mio. DM vergeben, das sind 2,8 Mio. DM oder 3,3 % mehr.

Die Auftragsbindung lag im Hochbau mit 83,2 % (Vorjahr: 78,9 %) deutlich über dem Vorjahresniveau und im Tiefbau mit 85,1 % (Vorjahr: 86,7 %) minimal darunter. Der Abrechnungsstand der Baumaßnahmen Berlins fiel zum Ende des dritten Quartals 1999 sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau niedriger aus als vor einem Jahr.

Die geleisteten Zahlungen beliefen sich im Hochbau auf 47,9 % der verfügbaren Mittel (Vorjahr: 48,0 %), und im Tiefbau waren 43,6 % der Baumittel kassenmäßig ausgeschöpft (Vorjahr: 50,4 %).


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7. Gesamtbeurteilung der Baukonjunktur


Die Auftragslage für das Berliner Bauhauptgewerbe hat sich im 3. Vierteljahr nicht zusätzlich verschlechtert. Die Talfahrt der Bestelltätigkeit scheint abgebremst zu sein; Wohnungsbauaufträge und öffentliche Bestellungen für Hochbauarbeiten flossen wieder etwas stärker.

Auf dem Teilarbeitsmarkt für Bauarbeiter zeichneten sich erstmals Entspannungstendenzen ab, die auf eine positive Fortsetzung hoffen lassen. Der vorsichtige Optimismus ist darin begründet, da das Geschäftsklima des Berliner Handwerks wieder etwas besser beurteilt worden ist, das trifft insbesondere auf die im Baugewerbe tätigen Betrieben zu. Die künftigen Geschäftsaussichten scheinen nach Berichten der Handwerkskammer Berlin vor allem im Ausbauhandwerk wieder von Zuversicht geprägt zu sein.


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8. Empfehlungen


Da öffentliche Aufträge ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Stabilität kleiner und mittlerer Unternehmen sind, erklären die Koalitionsparteien für die neue Wahlperiode, dass bei der Vergabe öffentlicher Aufträge an der Pflicht zur kleinteiligen und fachlosbezogenen Ausschreibung festgehalten wird, um kleinen und mittleren Unternehmen eine Chance zu geben. Bei der öffentlichen Auftragsvergabe sei durch wirksamere Kalkulationskontrolle die Auftragsvergabe an rechtstreue Unternehmen zu sichern.

Die Bekämpfung von Schwarzarbeit, illegaler Beschäftigung und Lohndumping ist unverändert ein Schwerpunkt der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Gegen rechtsuntreue Unternehmen, gegen Anbieter von illegalen Leistungen und Wiederholungstäter werde mit verschärften Sanktionen vorgegangen. Zur Vermeidung von Sozialdumping werde strikt auf die Einhaltung der Tarife und der Tarifvertragstreue geachtet und die Wirksamkeit beim Vollzug des Berliner Vergabegesetzes geprüft.