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Archiv: Berliner Baukonjunktur

Bericht Berliner Bauwirtschaft 3/2002


Vierteljahresbericht über die Entwicklung
der Berliner Bauwirtschaft 3/2002

(publiziert im Januar 2003)

1. Auftragslage


Die Bauwirtschaft befindet sich auch weiterhin in einer schwierigen Lage. Nach einer deutlichen Belebung der Nachfrage in den ersten Monaten des Jahres 2002, ausgelöst durch Großprojekte im gewerblichen Bau, schwächten sich die Bestellungen erneut ab und bewegten sich im weiteren Jahresverlauf auf niedrigem Niveau. Im Vergleich zu den entsprechenden Vorjahresquartalen verringerten sich die Auftragseingänge beim Berliner Bauhauptgewerbe im dritten Quartal um 21 %, gegenüber einem Minus von 8,2 % im zweiten und einem Plus von 25,6 % im ersten Quartal. Wie bereits im Vorquartal, lag auch im Berichtszeitraum der Schwerpunkt der Rückläufigkeit der Nachfrage mit einem Minus von 27 % gegenüber der Vorjahresfrist beim Hochbau; beim Tiefbau war der Abwärtstrend mit 14,6 % hingegen etwas moderater. Den größten Einfluss auf die verminderte Nachfrage übten insbesondere die um 31,1 % geringer ausgefallenen Bestellungen der öffentlichen Hand aus. Unterproportional schrumpften demgegenüber die Auftragseingänge von gewerblichen Bestellern (-17,3 %) und jene von Wohnungsbauherren (-7,0 %).

Im kumulierten Vorjahresvergleich - Januar bis September - verringerten sich die Bestellungen beim Berliner Bauhauptgewerbe um lediglich 3,0 %, darunter mit Minusraten von 4,8 % im Hochbau sowie 0,5 % im Tiefbau. Auftragseinbußen mussten von den Unternehmen erneut beim Wohnungsbau (-16,2 %) und beim öffentlichen Bau (-11,4 %) hingenommen werden. Die um 9,5 % gestiegenen Bestellungen von gewerblichen Bauherren vermochten jedoch die Abschwächungen im öffentlichen Bau und beim Wohnungsbau nicht auszugleichen.

Der noch zu Jahresbeginn infolge fehlender Aufträge erheblich geschrumpfte Auftragsbestand des Berliner Bauhauptgewerbes erhöhte sich von rund 954 Mio. € im ersten Quartal auf rund 1.017 Mio. € im zweiten Quartal, um im Berichtszeitraum mit einem Volumen von rund 912 Mio. € auf den bisherigen Jahrestiefststand abzufallen. Im Vorjahresvergleich - Januar bis September - ergibt sich daraus ein durchschnittlicher Rückgang von insgesamt 4,9 %, darunter mit einem deutlichen Minus von 12,9 % beim Tiefbau und moderaten -0,1 % beim Hochbau. Differenziert nach Auftraggeber verringerten sich die Auftragsbestände überproportional beim öffentlichen Bau (-11,5 %) und beim Wohnungsbau (-8,5 %) gegenüber einer leichten Steigerung beim gewerblichen Bau (+0,9 %).

Die Berliner Handwerkskammer berichtet für den bauhauptgewerblichen Bereich von einer im Vergleich zum Vorjahresquartal geringfügig verkürzten Reichweite der Auftragsbestände und für das Ausbauhandwerk von deutlich verkürzten Auftragsreichweiten.

Die Baugenehmigungsstatistik als Frühindikator künftiger Bauaktivitäten lässt auch weiterhin eine leicht abnehmende Bautätigkeit erwarten. Obwohl die Tendenz im Jahresverlauf kontinuierlich ansteigend verlief und die Bauaufsichtsämter Berlins im Berichtszeitraum, gemessen am umbauten Raum, 14,6 % mehr Erlaubnisse für Hochbauten als im entsprechenden Vorjahresquartal ausgesprochen haben, liegt die insgesamt genehmigte Kubatur der ersten neun Monate des laufenden Jahres dennoch um 5,0 % unter dem Wert der Vorjahresfrist.

Auch das im bisherigen Jahresergebnis gegenüber der vergleichbaren Vorjahreszeit exorbitant angestiegene Genehmigungsvolumen für öffentliche Bauten (+72,8 %) vermochte die Zurückhaltung bei Bauvorlagen für Wohngebäude (-22,8 %) und für Industrie- und Gewerbebauten (-4,0 %) nicht auszugleichen.

Die noch Mitte der neunziger Jahre mit mehr als der Hälfte des genehmigten umbauten Raumes in erheblichem Umfang am Berliner Baugeschehen beteiligte Wohnungsbautätigkeit nahm in Anbetracht des andauernden Wohnungsleerstandes erneut deutlich ab. Infolge dessen verschob sich der Schwerpunkt vom Wohnungs- zum Industrie- und Gewerbebau. Die Anteile am gesamten Genehmigungsvolumen beliefen sich somit in den ersten neun Monaten des Jahres 2002 auf rund 32 % für den Wohnungsbau und auf rund 52 % für den Industrie- und Gewerbebau. Der Anteil für den öffentlichen Bau erhöhte sich nach 8,9 % im Jahre 2000 und 8,2 % im Jahre 2001 im bisherigen Jahresverlauf auf rund 15 %.

Bauaufsichtliche Genehmigungen im Land Berlin
(umbauter Raum)
  Abweichungen in %
3. Vierteljahr 2002 / 3. Vierteljahr 2001
Wohnungsbau - 2,4
Öffentlicher Bau + 533,3
Industrie und Gewerbe - 3,6
Insgesamt + 14,6


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2. Bautätigkeit


Die Entwicklung der Bautätigkeit, der Beschäftigtenzahlen sowie der Umsätze des Berliner Bauhauptgewerbes ist wie bereits im Vorquartal auch im Berichtszeitraum im Langzeitvergleich abwärts gerichtet. Die Personalkapazitäten bewegen sich weiterhin auf einem niedrigen Stand. Die Beschäftigtenzahlen des Bauhauptgewerbes in Berlin sind innerhalb eines Jahres - Stand 30. September 2002 - um 4.326 Personen oder 16,3 % reduziert worden. Insgesamt verringerte sich der Personalstand aller Berliner Betriebe des Bauhauptgewerbes zum 30. September 2002 auf 22.243 tätige Personen (einschl. Inhaber und mithelfender Familienangehöriger).

Nachdem der Strukturwandel der Betriebe des Berliner Bauhauptgewerbes seit Mitte der neunziger Jahre vor allem an einem überproportionalen Abbau gewerblicher Arbeitnehmer abzulesen war, sind im laufenden Jahr auch die kaufmännisch und technischen Angestellten einschließlich Auszubildenden von einem verstärkten Beschäftigungsabbau betroffen. Angesichts der vergleichsweise unterproportional verminderten Anzahl tätiger Inhaber ist auf einen Wandel zu kleineren Betriebsgrößen zu schließen.

Im bisherigen Jahresverlauf - Januar bis September - sanken die Personalkapazitäten des Berliner Bauhauptgewerbes gegenüber dem Vorjahr im Mittel um 16,4 %. Im Einzelnen sind das
  • bei den Facharbeitern minus 16,3 %,
  • bei den Fachwerkern und Werkern minus 15,8 %,
  • bei den kaufmännisch und technischen Angestellten minus 18,9 % und
  • bei den tätigen Inhabern minus 8,4 %.

Der Personalabbau, insbesondere der gewerblichen Arbeitskräfte, bedeutet erneut einen Aderlass für die Leistungsfähigkeit der Berliner Bauwirtschaft und offenbart die ansteigende Einbeziehung von Subunternehmen bei der Realisierung der Bauleistungen und damit die stärkere Einbindung auswärtiger Arbeitskräfte in die Bautätigkeit.

Auch die Bautätigkeit des Berliner Baugewerbes verläuft zu Beginn des Herbstes weiterhin äußerst schwach. Von den Betrieben wurden im September insgesamt -12,1 % weniger Arbeitsstunden geleistet, als im entsprechenden Vorjahresmonat. Im dritten Quartal 2002 verringerte sich die Arbeitsintensität gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um 14,8 %, darunter um 17,3 % im Hochbau und um 9,5 % im Tiefbau. Besonders stark haben sich die Aktivitäten im gewerblichen Hochbau (-27,9 %) und im öffentlichen Straßenbau (-26,8 %) abgeschwächt.

Über die ersten drei Quartale des Jahres 2001 gesehen lag die Bautätigkeit um 16,2 % unter der Vorjahresproduktion, womit sich der starke Abwärtstrend der entsprechenden Vorjahresfrist leicht abschwächte. Die im Hochbau tätigen Betriebe waren mit Abnahmen von 19,1 % betroffen, während sich die Arbeitsintensität der Tiefbaubetriebe um 9,6 % reduzierte. Besonders deutlich schrumpfte die Produktion im gewerblichen Hochbau (-27,3 %) und im öffentlichen Straßenbau (-23,6 %). Unterproportionale Rückgänge verzeichneten demgegenüber der gewerbliche Tiefbau (-1,7 %) und der öffentliche sonstige Tiefbau (-7,0 %).

Die gegenwärtig vorliegenden Indikatoren der Bautätigkeit und der Beschäftigung werden aufgrund einer totalen Erfassung aller Baubetriebe erfahrungsgemäß noch nach oben korrigiert, so dass die hier gemachten Aussagen nur einen Tendenzcharakter aufweisen können.

Auch die Umsätze des Berliner Bauhauptgewerbes weisen ähnliche Tendenzen wie die übrigen Konjunkturdaten auf. Im Berichtszeitraum meldeten die Berliner Betriebe des Bauhauptgewerbes Umsatzeinbußen von 20,4 % gegenüber der Vorjahresfrist, darunter -26,9 % beim Hochbau und -7,5 % beim Tiefbau. Die höchsten Umsatzminderungen mussten, analog zur Entwicklung der Bautätigkeit, beim gewerblichen Hochbau (-43,5 %) und beim öffentlichen Straßenbau (-21,7 %) von den Unternehmen hingenommen werden.

Aufgrund der besonders deutlichen Abwärtsraten zu Jahresbeginn ergibt sich in der Kumulation der Umsätze des Berliner Bauhauptgewerbes - Januar bis September 2002 - ein Minus von 22,0 % gegenüber der vergleichbaren Zeit des Vorjahres, darunter -28,9 % im Hochbau und -7,8 % im Tiefbau. Der anhaltende Umsatzrückgang ist insbesondere auf die gegenüber dem Vorjahr erhöhte Minusrate beim gewerblichen Bau (-33,3%) zurückzuführen. Verhaltener entwickelten sich hingegen die Sparten Wohnungsbau (-14,4 %) und öffentlicher Bau (-9,0 %). Hier wurden der Schrumpfungsprozess des Vorjahres deutlich abgebremst. Insgesamt betrachtet bewegten sich die Umsätze auf geringem Niveau mit saisonal bedingten Steigerungen im Jahresverlauf. Die weitere Entwicklung kann sich jedoch - wie im letzten Jahr geschehen - zum Jahresende noch weiter nach oben verändern.

Auch die Handwerkskammer Berlin berichtet nach Ergebnissen einer Umfrage unter Betrieben des Bauhauptgewerbes, dass der Arbeitsplatzabbau und das Betriebssterben zwar nicht gestoppt sind, beide Trends jedoch im dritten Quartal 2002 weiter an Dynamik verloren haben. Höhere Betriebsauslastungen bei gleichbleibenden Auftragsreichweiten führen daher zu einer etwas positiveren Einschätzung der konjunkturellen Lage als noch vor Jahresfrist. Im Ausbaugewerbe wird hingegen von anhaltendem Betriebssterben sowie einem Arbeitsplatzabbau berichtet, der insbesondere Betriebe mit mehr als 49 Mitarbeiter betraf. Nach Handwerkszweigen betrachtet stellt sich eine differenzierte Lage dar, in der Personaleinstellungen bei Metallbauern, Tischlern, Glasern sowie Ofen- und Luftheizungsbauern überwogen, während bei den Malern und Lackierern, Klempnern, den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern sowie den Elektrotechnikern Personalentlassungen vorherrschten. Angesichts geschrumpfter Auftragsbestände und einer verminderter Betriebsauslastung wird die konjunkturelle Lage daher im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal von den Betrieben des Ausbaugewerbes schlechter bewertet.


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3. Preissituation

pfeil_rechts_3366cc Tabelle - Preisentwicklung - Land Berlin (pdf; 37 kb)

Nach Mitteilungen des Statistischen Landesamtes sanken die Preise der in Berlin ansässigen Baufirmen nach einer leichten Anhebung im zweiten Quartal 2002 im Berichtszeitraum erneut auf die Werte vom Februar. Der Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden betrug zur Quartalsmitte, im August, 90,8 Punkte (Basis 1995 = 100) und fiel im Vorjahresvergleich damit nur noch um 0,9 %, der geringsten Minusrate seit fünf Jahren.

Auch beim Wohngebäude-Teilindex für Rohbauarbeiten, der mit einer Gewichtung von 50 % in die Berechnung eingeht, hat sich der Rückgang, gemessen an den Werten des Vorjahres, im Laufe des Jahres 2002 verlangsamt. Die Abnahme im August 2002 gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat betrug -1,4 % und erreichte mit einem Indexwert von 84,9 Punkten (1995 = 100) erneut den Stand des Vorquartals. Preiserhöhungen meldeten die Berliner Baufirmen für Erdarbeiten (+2,1 %), Stahlbauarbeiten (+1,5 %) und Verbauarbeiten (+1,2 %). Besondere Rückläufigkeit wurde bei Gerüstarbeiten und Rammarbeiten mit Preisrückgängen von 6,0 % und 5,6 % angegeben.

Die Werte beim Wohngebäude-Teilindex Ausbauarbeiten - Gewichtung 50 % - gingen im August im Vergleich zum Gesamtindex wie schon im Vorquartal unterproportional um 0,4 % zurück. Der Teilindex erreichte einen aktuellen Stand von 96,6 Punkten (1995 = 100). Die Preisveränderungen bei den in die Berechnung eingehenden Bauleistungen reichen hier von einem Preisanstieg um 5,3 % für Gussasphaltarbeiten bis zu Preisrückgängen um 4,0 % bei Tapezierarbeiten.

Nicht nur beim Neubau von Wohngebäuden, sondern auch bei der Errichtung neuer Bürogebäude wurde gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres erneut ein Preisrückgang (-0,3 %) verzeichnet. Der entsprechende Index hielt mit 94,2 Punkten (1995 = 100) den Wert vom Mai 2002. Auch der Preisindex für gewerbliche Betriebsgebäude verharrte mit 94,5 Punkten (1995 = 100) auf dem Wert des Vorquartals; im Vorjahresvergleich bedeutet dies einen Rückgang um 0,4 %.

Der seit 1996 anhaltende Rückgang beim für Berlin typischen Preisindex aller Tiefbauleistungen setzte sich auch in den Monaten Juli bis September des laufenden Jahres fort. Er betrug zur Mitte des Berichtszeitraumes 83,6 Punkte (Basis 1995 = 100) und lag damit um 2,7 % unter dem Vergleichswert des Vorjahres, bzw. um 0,8 % unter dem des Vorquartals.

Überproportionale Rückgänge gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal wurden erneut im Leitungsbau (-6,5 %) und im sonstigen Tiefbau (-3,0 %) verzeichnet. Dem standen moderatere Rückgänge im Straßenbau (-2,5 %) und im Ingenieurbau (-2,2 %) gegenüber.

Die Messzahlen für bestimmte Tief- und Straßenbauleistungen stellen sich im August wie folgt dar (Basis 1995 = 100):

Messzahlen für bestimmte Tief- und Straßenbauleistungen
im Monat August
  2001 2002 Veränderungen in %
Bituminöse Tragschicht 86,6 85,5 -1,3
Frostschutzschicht herstellen 84,8 85,1 +0,4
Asphaltbinder 88,7 92,3 +4,1
Gussasphaltdecke 85,1 84,0 -1,3
Betonfahrbahndecke 93,6 95,0 +1,5

Die auf die Entwicklung der Stoffpreise bei Bauleistungen Einfluss nehmenden Rohstoffnotierungen und Mineralölpreise zeigen uneinheitliche Tendenzen. Die Preise für Kupfer fielen im Berichtszeitraum sowohl gegenüber dem Vorquartal wie auch gegenüber dem dritten Quartal 2001 um 13 % bzw. 8,7 %. Der Index verringerte sich somit von 85,1 Punkten (Basis 1995 = 100) im zweiten Quartal 2002 auf einen Stand von 74,0 Punkten (Basis 1995 = 100) im dritten Quartal. Die Preise für Dieselkraftstoff waren hingegen nur geringfügigen Schwankungen ausgesetzt. Bei einem Index von 142,7 Punkten (Basis 1995 = 100) im August, der Quartalsmitte, betrugen die Veränderungen im Vergleich zum Mai 2002 +0,2 % bzw. zum August 2001 -0,5 %. Deutlicher fielen die Veränderungsraten bei leichtem Heizöl aus. Hier wurde bei einem Indexstand von 165,5 Punkten (Basis 1995 = 100) gegenüber dem Vorquartal ein Plus von 1,6 % sowie bezogen auf die Vorjahresfrist ein Minus von 10,8 % festgestellt.

Während in Berlin ansässige Baufirmen für Bauleistungen am Bauwerk auch im dritten Quartal 2002 gegenüber dem Vorjahr gesunkene Preise an das Statistische Landesamtes meldeten, wurde für das gesamte Bundesgebiet eine leichte Preisanhebung festgestellt. Im Durchschnitt aller Bundesländer lag diese für Bauleistungen an Wohngebäuden (Neubau) im August 2002 um 0,1 % höher als vor einem Jahr. Zurückzuführen ist das unter anderem auf einen deutlichen Preisanstieg bei Gewerken der Gebäudeheizungs-, Klima- und Sanitärtechnik. Der bundesweite Index betrug somit im Monat August 98,6 Punkte (Basis 1995 = 100).


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4. Arbeitsmarkt

pfeil_rechts_3366cc Tabelle - Arbeitsmarkt - Land Berlin (pdf; 34 kb)

Die anhaltende Grundtendenz auf dem Teilarbeitsmarkt für Bauberufe wurde auch im dritten Quartal 2002 wiederum nicht zum Positiven gewendet. Nur in saisonaler Hinsicht hat sich die Situation im Laufe des Quartals etwas verbessert. Die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter ist in diesem Zeitraum um 1.451 Personen zurückgegangen; das Vorjahresniveau wurde aber immerhin noch um 395 Personen übertroffen.

Zum Ende des Quartals wurden in Berlin 28.184 Bauarbeiter ohne Arbeit gezählt, das sind 35,0 % . aller verfügbaren Arbeitskräfte des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes, darunter mit Quoten von 45,4 % im Bauhauptgewerbe sowie 26,5 % im Ausbaugewerbe . Die Arbeitsmarktsituation stellt sich wie folgt dar:

Arbeitsmarktdaten am 30. September
2001 2002
Arbeitslose Bauarbeiter 27.789 (34,5 %) 28.184 (35,0 %)
Offene Stellen 497 573

Auch im dritten Quartal hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften für das Baugewerbe erfreulich positiv entwickelt. Zum Quartalsende lagen 573 Gesuche vor, vor einem Jahr waren es lediglich 497 offene Stellen. Zu den Vergleichsjahren 1999 und 1998 bewegt sich die Nachfrage aber weiterhin auf niedrigem Niveau.

Die Zahl der Kurzarbeiter nahm im dritten Quartal um 432 Beschäftigte ab und betrug somit zum 30. September 2002 916 Personen, vor einem Jahr waren es 804 verkürzt arbeitende Bauleute.

Gleichwohl liegt der durchschnittliche Bestand an Kurzarbeitern in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres deutlich unter dem Wert des Vorjahres und folgt somit der Tendenz des Baugewerbes, das Instrument der Kurzarbeit zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit nur vermindert zu nutzen.


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5. Ausschreibungsergebnisse


Nach Auswertung der gemeldeten Auftragsvergaben der Berliner Baudienststellen für den Zeitraum von Januar bis September konnten sich die Berliner Baubetriebe auch im laufenden Jahr erfolgreich im Wettbewerb um Bauaufträge des Landes Berlin behaupten. Der weit überwiegende Teil, d.h. rund 78 % des Gesamtauftragsvolumens wurde in den ersten neun Monaten des Jahres an Betriebe mit Sitz in Berlin vergeben, darunter rund 63 % des Volumens, das nach Verfahren der Öffentlichen Ausschreibung vergeben wurde und rund 83 % des Volumens, das nach dem europaweiten Offenen Verfahren vergeben wurde. Das bedeutet, dass rund 75 % des Volumens dieser Vergabearten auf Firmen mit Sitz in Berlin entfallen. Da beim Offenen Verfahren hohe durchschnittliche Einzelauftragswerte von über 2,5 Mio. € vergeben wurden, liegt hier jedoch die Vermutung nahe, dass die Angebote von vornherein unter Einbeziehung von auswärtigen Billiglohn-Nachunternehmen kalkuliert wurden und somit Bauleistungen in erheblichem Umfang nach Berlin importiert wurden.

Wie der Auswertung weiterhin zu entnehmen ist, verteilt sich das Gesamtvolumen zum weit überwiegenden Teil auf die Vergabearten Offenes Verfahren (45,8 %), Öffentliche Ausschreibung (29,3 %) und Beschränkte Ausschreibung (21,6 ). Marginale Volumenanteile wurden für das Nichtoffene Verfahren (1,6 %), die Freihändige Vergabe (1,3 %), das Verhandlungsverfahren (0,3 %) und die Beschränkte Ausschreibung nach Öffentlichem Teilnahmewettbewerb (0,1 %) festgestellt. Der Anteil der öffentlichen Vergabearten einschließlich dem Nichtoffenen Verfahren betrug somit rund 77 % des Vergabevolumens.


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6. Ausschöpfung der Haushaltsmittel

(einschließlich Unterhaltungsmaßnahmen sowie Auftragsverwaltung des Bundesministers für Verkehr)
pfeil_rechts_3366cc Tabelle 9 - Baumittelausschöpfung - Land Berlin (pdf; 38 kb)

Zum Ende des dritten Quartals 2002 standen für Hoch- und Tiefbaumaßnahmen in Berlin Baumittel in Höhe von insgesamt 584,2 Mio. € (Vorjahr: 655,8 Mio. €) zur Verfügung. Davon entfielen auf den Hochbaubereich 386,9 Mio. € (Vorjahr: 454,6 Mio. €) und auf den Tiefbau 197,3 Mio. € (Vorjahr: 201,1 Mio. €). Die öffentlichen Dienststellen Berlins konnten insgesamt über 71,6 Mio. € entsprechend 10,9 % weniger Mittel als vor einem Jahr verfügen.

Im Verlauf des dritten Vierteljahres wurden für Hochbauvorhaben 62,6 Mio. € beauftragt, das sind 15,2 Mio. € oder 32,1 % mehr als im dritten Quartal 2001. Auch für den Tiefbau lagen die erteilten Aufträge über dem Vorjahresergebnis. Die öffentlichen Dienststellen beauftragten Tiefbaumaßnahmen in Höhe von 57,6 Mio. €, dies entspricht einem Plus von 27,5 Mio. € oder 91,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Im Hochbau lag die Auftragsbindung mit 68,9 % (Vorjahr: 83,1 %) per 30. September deutlich unter dem Vorjahresniveau, im Tiefbau hingegen mit 81,0 % (Vorjahr: 86,5 %) nur um 5,5 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

Von Juli bis September bewegte sich die Mittelausschöpfung im Hochbau mit 48,2 % der verfügbaren Mittel (Vorjahr: 49,0 %) auf dem Niveau der letzten vier Jahre. Die geleisteten Zahlungen im Tiefbau unterschritten mit einem Ausschöpfungsgrad von 39,0 % (Vorjahr: 46,5 %) deutlich den Mittelwert für die dritten Quartale der letzen vier Jahre (46,9 %).


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7. Gesamtbeurteilung der Baukonjunktur


Die Lage der Berliner Bauwirtschaft hat sich auch in den Sommermonaten des Jahres 2002 im Vergleich zum Vorjahr nicht verbessert. Mit der Folge von Umsatzeinbußen lag die Bautätigkeit der Betriebe des Berliner Bauhauptgewerbes erheblich unter dem Vorjahresniveau. Offenbar erreichte die Berliner Bauwirtschaft immer noch nicht den Tiefpunkt ihrer Entwicklung, denn auch im dritten Quartal des Jahres 2002 sind die Indikatoren einer zukünftigen konjunkturellen Entwicklung weiterhin abwärts gerichtet. Insbesondere die Auftragseingänge und die Auftragsbestände sind erneut durch fallende Tendenzen gekennzeichnet. Obgleich sich die Baugenehmigungsstatistik im Jahresverlauf positiv entwickelte, liegt der Umfang der Hochbaugenehmigungen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres unter dem entsprechenden Ergebnis des Vorjahres. Angesicht des Wohnungsleerstandes und leerer Staatskassen sind Impulse einer Belebung der Bautätigkeit in der Stadt ausschließlich von der Industrie und dem Gewerbe zu erwarten.

Auch auf dem Teilarbeitsmarkt für Bauarbeiter zeichneten sich keine Entspannungstendenzen ab, die auf eine positive Entwicklung hoffen lassen. Aufgrund der sehr schwachen Auftragseingänge sind die Personaldispositionen der Berliner bauausführenden Wirtschaft im Berichtszeitraum zurückhaltend ausgefallen und die Freisetzungen in den Wintermonaten auch im dritten Quartal nicht ausgeglichen worden. Weiterhin sind Bestrebungen spürbar, kostengünstigere Kapazitäten aus dem Umland und aus den übrigen neuen Bundesländern einzusetzen.

Da der Berliner Haushalt (einschließlich Zuwendungen und Zuschüssen) nur einen Anteil von weniger als 15% am gesamten Baugeschehen in der Stadt hat, ist die Gesamttendenz nicht umkehrbar und sind Einflüsse auf die konjunkturelle Entwicklung und den Arbeitsmarkt nur in diesem Umfang durch das Land Berlin steuerbar. Auch Impulse für den Arbeitsmarkt können daher nur marginal sein, zumal ein Teil der vom Land Berlin im weit überwiegenden Maße an Unternehmen mit Sitz in Berlin vergebenen Bauaufträge von diesen an auswärtige Nachunternehmen weitervergeben wird.